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Die Schlegtendals

21.10.2012 | 13:37 Uhr
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Die Schlegtendals
Heinrich Schlegtendal war Mitbegründer der Universität Duisburg.

Essen-Werden. Er könnte Modell stehen für die Fernsehsendung „Ich trage einen großen Namen“: Claudius Adrian Schlegtendal, Leitender Oberarzt im Katholischen Krankenhaus St. Josef in Werden. Auch seine Vornamen sind kein Zufall: schon seine Ahnen hießen so. In seinem Wohnzimmer auf dem Pustenberg kann man das nachprüfen, auf seinem Stammbaum, der bis in das Jahr 1152 zurück reicht.

Rentmeister der Abtei

Doch was alte Waddische vor allem interessiert, ist das Jahr 1561, als Urahn Wilhelm Schlegtendal zum ersten Mal im Werdener Lehnsregister genannt wird. Er ist Rentmeister der Abtei, Bürgermeister und verheiratet mit Elisabeth Bartscherer. Sie haben fünf Söhne und zwei Töchter.

Die Schlegtendals waren offensichtlich vermögende Leute, nicht nur reich an Kindern.

Dass wir dies heute wissen, verdanken wir besonders dem beharrlichen Fleiß von Archivar Franz-Josef Schmitt, der verschleppte Urkunden und andere Dokumente aufspürte, ihnen in eigener Initiative nachreiste und fotokopierte, was eben möglich war. (1803 war bei der Säkularisierung nämlich die wertvolle, reichhaltige Kloster-Bibliothek Werdens geplündert, geraubt und in alle Lande verstreut worden).

Schmitt ließ uns jetzt staunenden Einblick nehmen in den Immobilienbesitz der erstbenannten Werdener Familie Schlegtendal: Ihnen gehörte im 16./17. Jahrhundert ein großer Komplex der Hufergasse und Grafenstraße.

Sie besaßen noch mehr: In einem „Contract so anno 1571“ heißt es: „Wilhelm Slechtendaill, Bürgermeister allhier unser Stadt Werden, hefft van uns gewunnen ..... Kuickenbeckers garden, by unsen kleinen kamp beneden der Brüggen an der Ruren gelegen“. Und dazu noch: „Wilhelm Slechtendaill und Elßen Bartscherers, eheleude, hebben van unserem Erwerdigen Herenn Abten Jeder ein Handt gewunhnen .... achter den fürstlichen Sloß ..“ (gemeint ist das ehemalige Kastell nahe der Ruhr). Auch in Vißlacken (Fischlaken) besaß die Familie Bau und Boden.

Doch Glück und Wohlstand blieben nicht. Fremde Truppen zogen durchs Land, Plünderungen und Gewalt drohten, die Pest raffte ungezählte Menschen dahin. Wilhelms Sohn Heinrich zog 1613 nach Duisburg. Das nützte ihm nicht viel: 1624 holte die Pest ihn dort ein. Dennoch wanderte auch Hermann Schlegtendal, Wilhelms jüngerer Sohn, nach Duisburg ab. Seine Familie stieg zu Ansehen und Ehren auf. Auch den Werdener Schlegtendals ging es wieder gut, sie verbanden sich durch Heirat eng mit der Familie Duden.

Einige Jüngere zogen in andere Landschaften, und „alle wurden was“, wie man so sagt: Landrichter zu Xanten, Regierungspräsident zu Breslau, Kammergerichtsrat in Berlin. Zwei wurden 1786 von Friedrich dem Großen geadelt.

Botschafter in Pakistan

Knapp 100 Jahre später setzt Heinrich Schlegtendal in Duisburg die Gründung der Universität durch. Sein Sohn Werner gründet eine Firma. Er hat zwei Söhne: Joachim geht in den Diplomatischen Dienst und wird Botschafter in Pakistan. Sohn Hans Adrian wird als Soldat eingezogen (2. Weltkrieg) und als Flieger abgeschossen. Joachim muss später an Stelle seines Bruders die Firma übernehmen, in Oberhausen. Er und Frau Maria bekommen einen Sohn: Claudius Adrian.

Der Junge zeigt früh, was er werden will: Arzt. 1990 kommt er nach Werden. Er bleibt. Nach 450 Jahren hat sich der Kreis der Werdener Schlegtendals wieder geschlossen.

Felicitas Kapteina

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