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Die Neuen im Alt Werden

09.02.2012 | 16:22 Uhr
Die Neuen im Alt Werden
Die neuen Pächter Kristian von der Stein (l.) und Bastian Herzogenrath zusammen mit Hauseigentümerin Ingrid Frerix vor der Gaststätte Alt Werden an der Heckstraße. Foto Remo Bodo Tietz / WAZ FotoPool

Essen-Werden. Zwei Zugereiste aus Rüttenscheid hauchen dem Alt Werden neues Leben ein. Bastian Herzogenrath und Kristian von der Stein heißen die Wirte des Traditionallokals. Urig, jung und lebendig soll es zugehen. Und wer sich ans Piano setzt, wird nicht verdursten. „Bei uns gilt das Paul-Kuhn-Prinzip“, scherzt Herzogenrath. „Bring’n se dem Mann am Klavier noch’n Bier ...“ Auf Kosten des Hauses.

Live-Musik und Fußball gehören für den 24-jährigen Restaurantfachmann, der schon in der Ego-Bar auflegte und im Hugenpöttchen bediente, und seinen Kompagnon, dem Groß- und Außenhandelskaufmann Kristian von der Stein zum Kneipenvergnügen einfach dazu. Gern auch parallel, wie anlässlich der jüngsten DFB-Pokalrunde. Auf zahlreichen Bildschirmen flimmerte die Konferenz von allen drei Plätzen.

Der Fernsehton ist ausgeschaltet, denn im Hintergrund swingt ein Jazz-Trio vom Klemensborn, dass sich an diesem Abend spontan zusammenfand. Aufbrandender Applaus gilt nicht den Torschützen, sondern der Combo. Die Atmosphäre überzeugt, die Mischung aus sanften Klängen und dem spannenden Geschehen in den Stadien stimmt.

Heinz „Pizzi“ Frerix stand als Institution und eines der letzten Werdener Originale eigentlich schon ewig hinter dem Tresen der Eckkneipe. Im September 2011 starb er im Alter von 72 Jahren. Wie es mit seinem Lebenswerk weitergehen sollte, lag im Ungewissen.

„Dass Kristian und ich ein gemeinsames Projekt verfolgen wollten, war uns schon länger klar“, sagt Herzogenrath. „Bei der Suche haben wir uns aber auf die Rü konzentriert.“ Vergeblich, dort war nicht Passendes zu finden.

So erfuhren sie durch Mundpropaganda vom Alt Werden. Pizzis Witwe Ingrid Frerix schloss die jungen Pächter sofort ins Herz. „Meine Jungs“ nennt sie die beiden.

Und die ziehen nach den ersten Wochen ein ermutigendes Fazit: „Es läuft besser als erwartet.“ Das Publikum umfasst alle Altersklassen, der mit gut 65 Quadratmetern überschaubare Schankraum ist eigentlich immer rappelvoll. Ärger gibt’s, wenn Schlag 22.30 Uhr weder Hans Albers noch Frank Sinatra aus den Boxen zu hören sind. So werden Rituale gepflegt.

Dabei präsentiert sich das Inventar mit wenigen Ausnahmen völlig unverändert. An den Balken prangen immer noch Sinnsprüche wie: „Die Perle der Natur ist Werden an der Ruhr.“ Jeder Eingriff habe sich von vornherein verboten. „Das urige Ambiente wollten wir nicht zerstören“, erklärt Herzogenrath. Fernseher für Sportübertragungungen, eine zeitgemäße Musikanlage und natürlich das Klavier sind die einzigen neuen Einrichtungsgegenstände.

Mit Angeboten wie dem Biertag (montags kostet jedes Glas einen Euro), dem freitäglichen Düsseldorfer Alt vom Bock oder der Happy Hour für Cocktails am Samstag scheint das Gastro-Duo genau richtig zu liegen. Übrigens gibt es weder eine Küche noch einen Nichtraucherbereich. Außer Snacks wie Nüsschen oder Schokoriegeln wird also nur Flüssiges aufgetischt.

Herzogenrath und von der Stein, der heute seinen 40. Geburtstag feiert, fühlen sich in der Abteistadt derart wohl, dass sie ihre Wohnsitze in die Nähe ihres Arbeitsplatzes verlegen. Anfang April wollen sie in fußläufige Entfernung zum Alt Werden umziehen.

Sie sind gekommen, um zu bleiben, ihre Ideen umzusetzen, Musikern aus der Nachbarschaft ein Podium, Gästen ein Labsal zu bieten. Täglich ab 11.30 Uhr.

Henrik Stan

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