„Werden hilft“ heißt Flüchtlinge willkommen

Werden..  „Wir haben noch keinem einzigen Flüchtling geholfen – aber dennoch viel bewegt.” Andreas Brinck, Initiator der Flüchtlingsinitiative „Werden hilft” blickt mit einigem Stolz auf das, was aus seiner Facebook-Gruppe entstanden ist: Diese gründete er im November, um den künftigen Bewohnern des Übergangsheims zu helfen, das auf dem ehemaligen Kutel-Gelände entstehen soll. Und auch wenn noch gar nicht klar ist, wann der erste Flüchtling in das Heim ziehen wird: Die Werdener tun alles, um sie willkommen zu heißen.

Der Auslöser für die Gründung der Initiative war eine kontroverse Debatte innerhalb einer Facebookgruppe über das geplante Erstaufnahmelager für Flüchtlinge auf dem ehemaligen Kutel-Gelände. Befürworter und Kritiker lieferten sich im sozialen Netzwerk eine hitzige Debatte. Mittendrin Andreas Brinck. „Ich habe mich bemüht, sachlich zu diskutieren und dabei auch die Ängste und Sorgen der anderen ernst zu nehmen”, erinnert er sich. Eine Besonnenheit, die bei vergleichbaren Diskussionsrunden im Internet allzu oft fehlt. Nicht selten verhärten sich eher die Fronten, wenn dort zwei Sichtweisen aufeinandertreffen. Doch in der Werdener Gruppe fand sich tatsächlich ein Konsens: Man müsse in erster Linie den Flüchtlingen helfen – am besten mit vereinten Kräften.

Andreas Brinck nahm dies zum Anlass, bei Facebook die Gruppe „Werden hilft” ins Leben zu rufen. „Ich habe erwartet, dass sich dort vielleicht 25 Personen zusammenfinden”, so Brinck. Dass es binnen eines Tages knapp zehn Mal so viel geworden sind, habe ihn „schlicht umgehauen”.

Mittlerweile hat sich die Initiative längst vom digitalen Ursprungsmedium emanzipiert. Zwar verweist Brinck stolz auf inzwischen über 325 Mitglieder in der Facebook-Gruppe – „und es werden täglich mehr” – doch er betont auch, dass die Hälfte der Bürger, die zu den Domstuben-Treffen kommen und sich in den Arbeitskreisen organisieren, überhaupt keinen Facebook-Account besitzen.

So bunt wie Werden

Bereits beim ersten Treffen, zu dem „Werden hilft” in die Domstuben geladen hat, war der Andrang groß: 70 Bürger kamen, um ihre Hilfe anzubieten. Beim zweiten waren es bereits über 100 Bürger. Dabei gehe es nicht nur um die Verteilung der ehrenamtlichen Aufgaben, sondern auch um Information: „Wir sind mit den Betreibern, der Stadt und der Bezirksregierung im ständigen Kontakt und versuchen so, uns und die Bürger bei allen Fragen rund ums Übergangsheim auf dem neuesten Stand zu halten”, erläutert Brinck. Diese Art der unmittelbaren Kommunikation sei auf jeden Fall ein Erfolgsrezept von „Werden hilft”, ist der Initiator überzeugt: „Die Leute wollen wissen, was passiert.” Deshalb sei die Initiative auch in erster Linie eine waschechte Bürgerinitiative: „Wir sind politisch unabhängig und von der Altersstruktur so bunt gemischt wie Werden selbst.” Vom Konservativen, der es als seine Bürgerpflicht ansieht, zu helfen, bis hin zum linken Idealisten sei alles vertreten. Brinck legt daher auch Wert darauf, dass „Werden hilft”, kein politisches Bündnis im Sinne von „Pro Asyl” oder „Antifa” sei. Und so verwundert es nicht, dass es kaum eine Institution in Werden gibt, die nicht ihre Unterstützung angeboten hat. „Die Kirchengemeinden haben uns zum Beispiel Lagerräume angeboten und auch die Kliniken wollen uns in gesundheitlichen Fragen unterstützen”, freut sich Brinck,

„Es geht letzten Endes auch darum, dem Stadtteil zu helfen”, ist er überzeugt. Denn wenn man durch Aufklärung und aktive Mithilfe den Flüchtlingen mit offenen Armen anstatt mit Angst und Argwohn begegne, dann bekomme man diese Freundlichkeit auch zurück.

Und freundlich gehe es auch bei den Treffen zu: „Viele schätzen die Treffen sehr und bleiben auch gerne nach dem offiziellen Teil noch vor Ort. Es ist eine richtige Gemeinschaft entstanden”, freut sich Brinck. Jeder werde ernst genommen und dürfte seine Meinung und auch seine Ängste äußern.

Doch letzten Endes stehen natürlich die unterschiedlichen Möglichkeiten, den Flüchtlingen Hilfe zuteil werden zu lassen, im Vordergrund. Sechs Arbeitskreise haben sich gebildet, in denen sich jeweils um die 20 bis 30 Helfer organisieren: die AKs Integration, Spenden, Sprache, Netzwerk, der AK Warenhaus, der die Kleiderklammer einrichten will, und der AK Fahrrad, der Flüchtlingen das Radfahren ermöglichen möchte. „Jeder kann sein Know-How und seine Ideen einbringen”, betont Brinck.

Nicht zuletzt gewinnt die Initiative langsam an professionellen Strukturen: Erst vor einigen Tagen wurde „Werden hilft” als Verein eingetragen. „Im nächsten Schritt wollen wir die Gemeinnützigkeit erreichen”, erläutert Brinck. Durch die Vereinsbeiträge – 20 Euro im Jahr – und Spenden will sich „Werden hilft” künftig finanzieren.