„Wer sein Dorf erhalten will, muss zukunftsorientiert denken“

Vor drei Jahren gründete sich die Initiative „Wir für Frintrop”, um das neue Einkaufszentrum willkommen zu heißen, das an der Frintroper Straße entstehen soll. Nun rückt der heiß ersehnte Tag immer näher: Bereits im kommenden Herbst, so hofft „Wir für Frintrop”-Sprecherin Christel Noeckel, könnten der Supermarkt und der Discounter an der Frintroper Straße 418 bis 422 eröffnen. „Vielleicht sogar pünktlich zur dritten Frintroper Shopping Nacht am 18. September”, wünscht sie sich. Fest stehe, dass der Abriss der beiden Häuser unmittelbar bevorsteht.

Gegenbewegung zurBürgerinitiative

Als 2012 die Pläne für eine Ansiedlung von Aldi und Rewe an der Frintroper Straße bekannt wurden, da passierte schnell das, was allzu oft passiert, wenn sich irgendwo etwas Neues ankündigt: Die Gegner machten mobil. Eine Bürgerinitiative wollte die Umsetzung der Pläne verhindern, die dort Aktiven fürchteten mehr Verkehrsbelastung und hatten Angst um den Dorfcharakter Frintrops. Zu dieser Meinung wollten Händler, Handwerker, Freiberufler, Vereine und interessierte Bürger ein Gegengewicht schaffen: „Es gab und gibt genügend Menschen in Frintrop, die die Ansiedlung befürworten”, ist Noeckel überzeugt, „und ich glaube, die meisten Frintroper denken ebenso.”

Denn wenngleich Frintrop städteplanerisch ein C-Zentrum, also ein Nahversorgungszentrum darstellt, sei eben diese Nahversorgung vor Ort nicht mehr gesichert. Tatsächlich: Gerade die Auswahl im Lebensmittelbereich ist entlang der Frintroper aktuell eher überschaubar. „Es ist doch ein Segen, wenn die Leute nicht mehr zum Mülheimer Heifeskamp oder an den Wolfsbankring in Borbeck fahren müssen, um die Dinge des täglichen Bedarfs zu kaufen.” Hinzu kämen handfeste Vorteile für Hausbesitzer: „Ein attraktives Umfeld sorgt dafür, dass der Wohnwert erhalten bleibt.”

Das Argument der Gegner, dass durch den Abriss der alten Häuser der Dorfcharakter verloren gehe, lässt die Boutique-Besitzerin nicht gelten: „Nicht Häuser machen den Charakter eines Dorfs aus, sondern Menschen!” Doch ohne ein attraktives Angebot vor Ort zögen immer mehr Einwohner weg. „Wir haben ohnehin zu wenig junge Menschen hier”, sagt Noeckel und äußert die Hoffnung, dass das Einkaufszentrum Impulse freisetzt, die noch mehr Leben in Frintrop einkehren lassen – vielleicht in Form von Straßencafés und anderen angesagten Gastronomiebetrieben. Auch einen Drogeriemarkt wünscht sie sich.

Ohnehin habe das Einkaufszentrum bereits einen positiven Effekt für die Dorfgemeinschaft gehabt, ohne dass bisher ein Stein verbaut ist: „Es ist ein Ruck durch die Gemeinschaft gegangen. Etliche Leerstände, die noch vor einigen Jahren entlang der Frintroper klafften, gehören inzwischen der Vergangenheit an. Auch ziehen viele bei den Aktionen der Initiative „Wir für Frintrop” an einem Strang: So sorgen bei der Maibäumchen-Aktion nicht nur Händler für ein einheitliches, attraktives Straßenbild: Auch Freiberufler wie Steuerberater, Ärzte und Handwerker machen mit und stellen insgesamt 60 Maibäume vor ihrer Tür auf.

Dritte Frintroper Shopping Nacht am 18.September

Eben diese Berufsgruppen will man stärker als bisher bei der dritten Frintroper Shopping Nacht einbinden, die am 18. September bis 22 Uhr in die Geschäfte lockt. „Wie würden zum Beispiel gerne einen Handwerkermarkt errichten”, sagt sie. Viele Frintroper wüssten nämlich gar nicht, welche Dienstleistungen im Stadtteil vertreten sind. Auch Freiberufler sollen Gelegenheit bekommen, sich zu präsentieren. „Ideal wäre es, wenn bis zur Shopping Nacht das neue Aldi und der weitere Lebensmittelhändler fertig sind und diese sich beteiligen können”, so Noeckel „Der Investor macht uns Hoffnung, dass das klappen könnte.”

Die Konkurrenz durch den Neuzugang fürchten die meisten Unternehmer in Frintrop nicht, ist sie überzeugt: „Eine gesunde Konkurrenz stellt immer eine Bereicherung dar. Wer sein Dorf erhalten will, muss zukunftsorientiert denken.”