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Wenn Jecken sich verziehen

22.02.2009 | 21:16 Uhr

KARNEVAL. Auf den Sitzungen schlägt das Rauchverbot durch: Viele Narren verlassen immer wieder den Saal, um eine zu paffen.

Karneval in Essen zwischen Hoppeditzerwachen und Aschermittwoch ist mehr als nur der Rosenmontagszug unter freiem Himmel. Unter dembewährten Dach des Festkomitees Essener Karneval finden sich schließlich 35 Karnevalsgesellschaften und Tanzgarden, die auf Galasitzungen, bei Frühschoppen, auf Herrensitzungen und Damentreffs mit viel "tätä" dem organisierten Frohsinn zu frönen gewohnt sind. Doch in diesem Jahr ist alles anders, die Stimmung zwar weniger benebelt, aber dennoch getrübt: Das Nichtraucherschutzgesetz zeigt zeitverzögert Wirkung.

Besonderes Völkchen

Für öffentliche Gebäude gilt das Schutzgesetz seit Januar 2008, für Gaststätten seit Juli 2008. Das trifft jetzt auch die Närrinnen und Narren, eigentlich ein ganz besonderes Völklchen, doch vor dem Gesetz sind sie dann alle wieder gleich. So manch einem gelüstet es in der fünften Jahreszeit besonders nach deftigen Büttenreden, einem kühlen Bierchen und nach einer Zigarette. Die muss er dann draußen rauchen, während die weniger nikotinsüchtigen Jecken, vor allem aber die jungen Narren, die Kinder und Jugendlichen, bei qualmfreien Spaß- und Tanzabenden aufatmen können.

Ein Aufschrei geht deshalb aber nicht durch die Reihen der Raucher im Festkomitee, sagt Dirk Wagemann vom FEK. Bisher wurden immer entsprechende Räumlichkeiten gefunden. Ein Thema sei das wohl eher für die Karnevalsgesellschaften in den Stadtteilen. Etwa in Kray: Dort bieten nur das alte Rathaus und die Jugendhalle den Narren genug Platz, weiß Brigitte Draganski von der "KG Prinzenrat". Beide Gebäude sind städtisch, und es gilt dort - was sonst? - das absolute Rauchverbot. "Unsere Raucher müssen nach draußen in die Bibberkälte", sagt Draganski. Bei einer Galasitzung von vier bis fünf Stunden Dauer werden dann schon mal einige Kilometer zurückgelegt.

Damit kann Draganski zwar leben. Problematisch ist jedoch die dauernde Unruhe. Alle paar Minuten verlässt ein Jecke den Saal, und das Rauchverbot ist inzwischen offenbar auch zum Besuchskriterium geworden. "In diesem Jahr haben wir definitiv Gäste verloren. Beim Kartenverkauf wurden wir gezielt gefragt", sagt Draganski, die hofft, dass sich dieser Trend nicht verstärkt: "Unsere Raucher nehmen´s zur Zeit missmutig hin".

Noch nicht so präsent

Da kann Ingrid Thiedemann von der Krayer "KG Fidelitas" nur zustimmen. "Vergangenes Jahr war das Thema einfach noch nicht so präsent", sagt Thiedemann. Für die laufende Session verzeichnet auch sie finanzielle Einbußen: "Für Veranstaltungen die sonst immer ausverkauft waren, haben wir teils bis zu 50 Karten über. Es ist wirklich schwierig, den Gästen zu vermitteln, dass sie nicht mehr rauchen können."

Die klaren Spielregeln zum Nichtraucherschutz treffen auch alle Festivitäten in den Schulen. "Die Auflagen sind allen bekannt. Im Vertrag steht alles ausdrücklich drin. Und der wird auch eingehalten", sagt Klaus Prepens, Schulleiter der Gesamtschule Bockmühle: "Schließlich wollen die Karnevalisten wiederkommen." In der Aula seiner Schule feiern regelmäßig die Jecken der Borbecker "KG Schultenbusch".

Neben den öffentlichen Gebäuden machen sich auch die Kirchengemeinden das Rauchverbot zu eigen. Der "Rüttenscheider Karnevals Verein" nutzt einen Pfarrsaal. "Wir haben die Regelungen stillschweigend akzeptiert", sagt der Vereinsvorsitzende Friedhelm Bahr. Die Unruhe im Saal stört deshalb aktuell auch in Rüttenscheid. Das nächste Problem steht quasi schon vor der Tür. Mal schauen, wie die Nachbarschaft künftig auf die Qualmer-Clübchen vor ihren Haustüren reagiert: "Irgendwann könnte es da sicherlich auch Ärger geben", fürchtet Bahr.

Fröhliche Gesichter

Genervte Raucher, unruhige Veranstaltungen und Umsatzrückgänge sind die eine Seite. Auf der anderen sorgt das Schutzgesetz aber für eher fröhliche Gesichter. Vor allem beim Tanz- und Fanfarencorps der "KG Völl-Freud", einer Gesellschaft aus Kindern und Jugendlichen. Die KG war schon immer "absolut rauchfrei", hebt der Vorsitzende Sigrid Notthoff hervor. Weder bei Proben, in Proberäumen oder in auswärtigen Garderoben gab´s oder gibt´s Zigaretten. Weil die jungen Jecken aber regelmäßig bei Veranstaltungen auftreten, standen sie ein ums andere Mal in dicken Rauchschwaden. Das hat sich nun ein wenig gebessert. Notthoff wünscht sich sogar einen noch konsequenteren Nichtraucherschutz: "Es gibt zu viele Ausnahmen von den Ausnahmen. Darum müssen wir viele Erwachsene weiterhin um Rücksicht bitten."

ANNE WOHLAND

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Kommentare
23.02.2009
17:23
Wenn Jecken sich verziehen
von ZweiMeinungen | #3

Ich finde auch das Raucher unter ihrer früheren Intoleranz nun zu Recht leiden. Wenn Raucher mit ihrem Dunst den nicht rauchenden Menschen nicht den Geruchssinn vernebelt hätten, wäre es nie zum Rauchverbot gekommen.

22.02.2009
23:45
Wenn Jecken sich verziehen
von padder68 | #2

Raucher sterben früher, aber Nichtraucher sterben früher oder später auch!
Nichtraucher sterben gesünder!
Die schlimmste Krankheit neben dem Krebs ist die Intoleranz!

22.02.2009
22:37
Wenn Jecken sich verziehen
von Gudde | #1

ich war auf der Damensitzung der Fidelitas rauchfrei. Die Raucher vor der Tier haben niemanden gestoerrt. Gestoerrt hat mich an Weiberfastnacht in der Vereinsgaststaette, dass dort geraucht wurde,

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