Wenn Frauen zu viel flöten

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Mädelsabend in der Lichtburg. Aber die erste Publikums-Frage kommt von dem Herrn mit Gesundheitsbewusstsein. „Was macht das Nichtrauchen, Frau Jahnke?“ Ach, herrje. Da wollen die Damen mal ein bisschen über die Stränge schlagen, quatschen, über männliche Unzulänglichkeiten lästern und ab und an mal eine kleine politische Unverschämtheit loswerden. Und die Kerle machen gleich wieder auf besorgt. Aber nicht mit Gerburg Jahnke. Die ist Raucherin, immer noch, katholisch, aber ausgetreten, und, für viele weiterhin der eine Teil des legendären Kaba­rettduos „Missfits“. Das hat sich schon lange aufgelöst, weshalb Frau Jahnke jetzt öfters Zeit hat, Kolleginnen auf die Bühne zu bitten. „Frau Jahnke hat eingeladen“ heißt das schöne und kurzweilige Format, das in der ausverkauften Lichtburg jetzt für komisch-ironische Momente sorgte.

Mit Quoten geben sich die Akteurinnen hier gar nicht ab. Wenn Frau Jahnke ruft, dann gibt es Kabarett – zu 100 Prozent weiblich. Mal kommt es mit ausladendem Dekolleté und mit deftigem Wortwitz daher wie bei Daphne de Luxe, deren üppiges Volumen nicht nur bei den männlichen Gästen Eindruck machte. Mal hat es Gitarre, Kontrabass und Trompete dabei und klingt wie eine Frauen-Combo der 1920er Jahre. Allerdings haben sich Münsteraner Musikerinnen mit dem Bandnamen „Zucchini Sistaz“ gleich die selbironische Note ins Konzept geschrieben.

Glaubt man Frauen wie der Berliner Bloggerin Sarah Bosetti, haben sie jedenfalls gut an der Instrumentenwahl getan. Denn Mädchen wie Bosetti, die als Kind zu viel Blockflöte gespielt haben, schreiben heute lustvoll-lästernde Texte über Menschen ohne Musikvorlieben und Männer namens Ulf, und bringen die Unschlüssigkeit übers Kinderkriegen in einen schrägen Zusammenhang mit der Ikea-Technik („Muss man das Kind Billy nennen, wenn’s so kippelt?“).

Altmeisterinnen wie Anka Zink wissen dagegen, was zu tun ist, wenn man im Leben weiterkommen möchte, zumindest mit der Bahn: Man muss ein Nümmerchen ziehen. Aber wer früher fährt, wird später zu Hause vielleicht schon wieder vom Liebsten enttäuscht. Männer seien eben wie Avocados, warnt Gerburg Jahnke. Kaum ins Körbchen gelegt, schon angedötscht. Und gegen dieses Phänomen, weiß Jahnke, hilft ja nicht mal ein persönliches Rauchopfer.