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Wenn Diabetikern die Blindheit droht

07.01.2016 | 13:00 Uhr
Wenn Diabetikern die Blindheit droht
Dr. Anna Katharina Trocha mit ihrem Patienten Hans-Joachim Wallek.Foto: Christof Köpsel

Essen.  Zu den Folgen der tückischen Volkskrankheit gehören vermehrt Sehstörungen. Patient Hans-Joachim Wallek hat mit einem Kraftakt sein Leben umgestellt.

Ein Schicksalsschlag hat das Leben von Hans-Joachim Wallek zum Guten verändert. Hätte der Pensionär aus Stadtwald 2011 keinen Herzinfarkt erlitten, wäre ihm seine Diabetes wahrscheinlich inzwischen längst zum gesundheitlichen Verhängnis geworden. Vor allem sein Augenlicht war durch die tückische Erkrankung gefährdet. „Die Parallelen zwischen Auge und Diabetes waren mir lange nicht bekannt“, gesteht der 72-Jährige, der im Elisabeth-Krankenhaus behandelt wird.

„Es besteht ein enger Zusammenhang“, erklärt Dr. Anna Katharina Trocha, die stellvertretende Leiterin der Klinik für Diabetologie am Elisabeth-Krankenhaus. Diabetiker erleiden in einer ungewöhnlichen Häufung eine Retinopathie oder eine Makulopathie, extrem unangenehme Netzhauterkrankungen. Sie führen zu Sehbeschwerden und im schlimmsten Fall zur Blindheit. Über 100.000 Diabetiker in Deutschland sind inzwischen betroffen. Das tückische Problem für die Patienten: Die Beschwerden machen sich erst bemerkbar, wenn es schon fast zu spät ist. „Es passiert nah am Sehnerv, Betroffene haben erst mal keine Sehstörung“, erklärt die Leitende Diabetes-Beraterin Angelika Meier. „Wir weisen immer wieder daraufhin, dass Diabetiker einmal im Jahr zum Augenarzt gehen und die spezielle Untersuchung dort machen lassen.“ Die Augen sind deshalb das Schwerpunkt-Thema beim 29. Diabetes-Tag am kommenden Samstag in der Philharmonie.

Herzinfarkt sorgt für das Umdenken

Die bekannten Risikofaktoren für eine drohende Beeinträchtigung der Sehkraft sind bei Diabetikern sehr präsent: erhöhte Blutzuckerwerte, erhöhter Blutdruck und eine lange Erkrankung. Dazu kommt das Rauchen. Diese Risikofaktoren würden sich genau so in der Krankenakte von Hans-Joachim Wallek finden. Bei dem 72-Jährigen war 2009 Diabetes diagnostiziert worden. Der kräftige wie große Mann aus Stadtwald wurde in der Klinik für Diabetologie nicht nur behandelt, er nahm auch eine Zielvereinbarung mit: In der stand ein reduziertes Körpergewicht und ein besserer Langzeit-Blutzucker-Wert. Den wünschenswerten Werten näherte sich der Diabetiker allerdings kaum an. „Ich habe meine Ernährung etwas umgestellt. Aber auf gewisse Leidenschaften konnte ich nicht verzichten“, gesteht er.

29. Essener Diabetikertag

„Augen auf“ bei Diabetes – unter diesem Thema lädt die Klinik für Diabetologie des Elisabeth-Krankenhauses am Samstag, 9. Januar, zum 29. Essener Diabetiker-Tag in die Philharmonie Essen ein (13.30-16.30 Uhr, Huyssenallee 53).

Das Auge und seine Veränderungen durch den Diabetes stellt der diesjährige Diabetiker-Tag in den Blickpunkt. Eine Besonderheit für die Besucher: das begehbare Augenmodell.

Industrieausstellung

Mit verschiedenen Vorträgen zu Themen wie „Wenn der Zucker ins Auge geht – Diabetes aus Sicht des Augenarztes“, „Gute Aussichten – Diabetes mit allen Sinnen“, „Das Auge isst mit – Einfluss der Ernährung auf das Auge“ sowie „Im Auge des Betrachters – Sehstörungen als Symptom der Halsschlagaderverengung“ möchte der Veranstalter Besucher für die Gesundheit des Auges sensibilisieren. Denn mit dem geübten Blick auf den Augenhintergrund kann der Arzt Veränderungen durch Diabetes oder Bluthockdruck erkennen, noch bevor sie zu Sehstörungen führen. Bis 15 Uhr gibt’s eine Industrieausstellung, die Informationen rund um Diabetes bereithält.

Ein Herzinfarkt , bei dem 2011 drei unterstützende Stents in seinem Körper implantiert wurden, ließ ihn allerdings komplett umdenken. „Ich habe Tabula rasa gemacht, die Zügel angezogen.“ Die Zigaretten blieben im Automaten, die Ernährung wurde auf gesund umgestellt. Hans-Joachim Wallek ist nicht nur Dauergast in einer bewegungsintensiven Herzsportgruppe. Er macht auch viel zu Fuß. Mit nachweisbarem Erfolg und jetzt erfüllter Zielvereinbarung: Sein Gewicht liegt bei unter 100 Kilogramm. Der Langzeit-Blutzucker-Wert ist von 10,6 auf 5,7 gesunken – und liegt damit sogar unter dem angestrebten Wert von 6,1. „Und ein Stückchen Schokolade ist bei Heißhunger immer noch drin“, sagt der Rentner. „Es geht nicht um Verbote, sondern um die richtige Dosis“, sagt Dr. Anna Katharina Trocha. Sie ist zufrieden mit ihrem Patienten. „Ihm ist ein wahrer Kraftakt gelungen.“ Der hat sich gelohnt. Die Augen-Untersuchungen haben bislang keine Auffälligkeiten ergeben.

Thorsten Schabelon

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2016-01-07 13:00
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