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Wenn der Dispo zur Kostenfalle für den Bankkunden wird

13.10.2012 | 15:00 Uhr
Wenn der Dispo zur Kostenfalle für den Bankkunden wird
Foto: Sven Karsten/dapd

Essen.   Verbraucherschützer monieren die Höhe der Zinsen bei Konto-Überziehung. Die NRZ fragte aktuelle Sätze bei sieben vor Ort vertretenen Instituten ab: Große Unterschiede zeigen sich zwischen Privatbanken, Sparkasse und Genossenschaft - ein Überblick.

Das Konto ist leer, aber die Reparatur der Waschmaschine muss bezahlt werden. Bevor das Gehalt gutgeschrieben ist, wird die Miete der Wohnung abgebucht. Was macht der Verbraucher in solchen Fällen? Er greift, wenn er die Möglichkeit hat, auf den Dispositionskredit („Dispo“) seines Kontos zurück . Eigentlich soll dieser nur der Überbrückung eines kurzfristigen Engpasses dienen, aber wer im vereinbarten Rahmen bleibt, darf auch länger in den „Miesen“ sein – solange er geregelte Einkünfte hat. Das geliehene Geld hat seinen Preis: Die Kreditinstitute nehmen Dispo-Zinsen und die sind nicht ohne, sagen Verbraucherschützer, die deren Höhe monieren und eine gesetzliche Obergrenze sowie Transparenz fordern. In einer Forsa-Umfrage im Juli empfanden 80 Prozent der Befragten die durchschnittliche Höhe der Dispo-Zinsen als unangemessen hoch. Gar 43 Prozent wussten nicht, wie hoch ihr Satz zur Zeit ist.

„Im Schnitt jenseits der elf Prozent“

„Einen direkten Vergleich zwischen allen Banken, was die Dispozinsen angeht, gibt es noch nicht“, erklärt Markus Feck von der Verbraucherzentrale NRW. Wer diesen haben möchte, muss sich selbst an die Arbeit machen und recherchieren. „Der gute Durchschnitt der Institute nimmt derzeit einen Dispo-Zins jenseits der elf Prozent“, erklärt Feck. Angemessen seien weniger als neun Prozent. „Die Banken können sich für einen Bruchteil der Zinsen, die sie von den Kunden nehmen, das Geld besorgen“, kritisiert er den Aufschlag, den die Institute vornehmen.

Die NRZ hat die gültigen Zinssätze verschiedener in Essen vertretener Kreditinstitute abgefragt:

Institut: eingeräumte Überziehung per anno/geduldete Überziehung per anno

Geno Bank 1): 7,50 % / 11,50 %
National-Bank 2): 8,5-12,50 % / 13-17 %
Sparda-Bank: 9,75 % / 13,75 %
Postbank : 12,30 % / 16,90 %
Sparkasse: 12,40 % / 17,40 %
Deutsche Bank: 12,50 % / 16,50 %
Commerzbank: 13,24 % / 18,74 %

Quelle: NRZ-Recherche
1) Gültiger Rabatt für Neukunden bis 30.12.2012. Bei Bestandskunden ist die Höhe des Abschlags auf die regulären Sätze von 13,5 (eingeräumt) und 17,5 Prozent (geduldet) bonitätsabhängig und beträgt maximal sechs Prozentpunkte.
2) Abhängig vom Girokonto-Modell. Hinzu kommt ein Servicepreis, der beim geringsten Dispozins bei 19,90 Euro pro Monat liegt und beim höchsten Dispozins bei 4,90 Euro. Diese Gebühr wird teilweise bzw. ganz erstattet, wenn man weitere Angebote der Bank nutzt.

Wie kommen diese zustande?

Sparkasse Essen und Commerzbank verwiesen als Referenz auf Zinssätze für Termingelder im Interbankengeschäft, erstere nannte den „6-Monats-EURIBOR“, letztere den „EONIA“. Fachchinesisch, mit dem der Kunde wenig anfangen kann. „Senkungen unseres Referenzzinssatzes geben wir unmittelbar und 1:1 an unsere Bestandskunden weiter“, betont Thomas Schwarz von der Commerzbank. Die Sparda-Bank West begründet ihre Preispolitik mit ihrem Status als genossenschaftlich organisiertes Institut, das den Mitgliedern verpflichtet sei: „Unser Zinssatz ist für alle Summen gleich – unabhängig davon, wie hoch die eingeräumte Überziehungsmöglichkeit ist“, erklärt Nicole Geelhaar, Sprecherin der Sparda-Bank West.

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Ähnlich dürfte es die Geno Bank, ebenfalls eine Genossenschaft, halten. Ihr Vorstand Henning Wichart verweist aber auf das Risiko: „Der laufende Aufwand, um Dispositionskredite vorzuhalten und zu überwachen, ist höher als bei anderen Privatkrediten und spiegelt sich in höheren Zinsen wider.“ Ins Detail geht Gregor Stricker von der National-Bank: „Der größte Anteil ist auf unterschiedlich hohe Kostenbestandteile wie beispielsweise Refinanzierungskosten, Eigenkapitalkosten, Risikoprämie und die Kosten des operativen Geschäfts zurückzuführen.“ Eine gesetzliche Obergrenze halte die National-Bank, so Stricker, nicht für erforderlich und verweist auf den Wettbewerb unter Banken und Sparkassen.

Banken: Bieten Alternativen an

Die Mehrheit der befragten Kreditinstitute verwies darauf, dass sie ihren Kunden bei übermäßiger Inanspruchnahme des Dispos zinsgünstigere Alternativen wie Konsumenten-, Raten- oder Privatkredite anbieten. „Der Dispo-Zins ist kein Produkt, in dem wir unsere Kunden gerne sehen. Es ist ein Instrument, bei dem man aufpassen muss“, stellt Sparkassen-Sprecher Schleede klar. Als Beispiel nennt er den Fall der Überziehung des eingeräumten Dispo-Rahmens : „Dann fallen Sie auf.“ Mit der Konsequenz, dass es ein Gespräch mit dem Sachbearbeiter gebe, um eine Lösung zu finden.

„Das ist nur die halbe Wahrheit“, sagt Markus Feck über die Beratungsofferte an finanziell überforderte Kunden. Die Banken verdienten eben auch an dem Geschäft mit den Dispozinsen und Kunden, die ihn dauerhaft nutzten. Er rät den Verbrauchern, die Zinsklauseln zu überprüfen. Ansonsten helfe nur die Abstimmung mit den Füßen.

Tim Walther

Kommentare
15.10.2012
10:07
Wenn der Dispo zur Kostenfalle für den Bankkunden wird
von kikimurks | #8

Früher (60er Jahre) war es unschick sich zu verschulden. Da dachte man über jeden Kredit dreimal nach bevor man ihn aufnahm. Das traf auch für...
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2012-10-13 15:00
Sparkasse, Essen, Banken, Finanzen, Schulden, Dispositionskredit
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