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Wenn das Schule macht ...

12.01.2009 | 19:36 Uhr

BILDUNG. Die Borbecker Dürerschule taugt nicht als Beispiel für den Zustand der Bildungs-Immobilien, so die Stadt.

Früher, in den goldenen D-Mark-Zeiten, noch bis Anfang der 90er Jahre, zierten Albrecht Dürers Kupferstiche etliche Banknoten und gaben so manchem das Gefühl vermeintlichen oder tatsächlichen Reichtums, wenn er die Scheine in Händen hielt.

Jetzt musste ausgerechnet die nach ihm benannte Grundschule in Borbeck als symbolträchtiges Beispiel für die Armut der Revierstädte herhalten - in der ARD-Sendung "Hart aber fair" wurde die Schule als Bauruine skizziert - mit blanken Glühbirnen im Flur, Extra-Elektroheizungen, Deckenstützen im Klassenzimmer und gesperrter Turnhalle.

Doch so wenig man ein Problemkind für den Erziehungsnotstand eines Landes verantwortlich machen kann, so wenig will Schuldezernent Peter Renzel akzeptieren, dass die Dürerschule beispielhaft für die desolate Schullandschaft in Essen steht. Seine Gegenrechnung: "Die Dürerschule hat derzeit nur 136 Schüler." Und es sei bei sinkenden Schülerzahlen in Borbeck unklar, ob die Schule mittelfristig bestehen bleibt. Zur regulären Anmeldung kamen gerade mal 15 Kinder - das reicht nicht für ein erstes Schuljahr. Mittlerweile hat die Schule exakt die kritische Marke von 17 Kindern erreicht. Doch wenn zwei Jahre lang keine erste Klasse gebildet wird, muss die Schule schließen. "Was sagen wir den Bürgern, wenn wir Millionen in eine Schule stecken, die kurz darauf geschlossen wird?", fragt Renzel.

Derzeit wird die Schule für 680 000 Euro saniert. Der Bau einer Turnhalle für 1,6 Millionen indes liegt deswegen auf Eis. Weil für die Kinder die Fahrten mit dem Bus zum Sportunterricht unangenehm, aber zumutbar seien.

Von der Dürerschule auf den Zustand in der gesamten Essener Schullandschaft zu schließen - das empfindet Peter Renzel als unredlich. "Seit 1999 sind 290 Millionen Euro in die Sanierung der Schulen gesteckt worden, allein in den letzten fünf Jahren sind es jährlich 32,5 Millionen Euro", so Renzel - rund ein Drittel davon sind Landesgelder. 60 Prozent der Investitionen in Immobilien gehen in den Erhalt und den Bau von Schulen, die rund die Hälfte des Immobilienbestandes ausmachen.

Und die Stadt will weiter in den Schulbau investieren. Doch Renzel sorgt sich, ob das geplante Konjunkturpaket mit dem Nothaushaltsrecht vereinbar ist. Denn bei vielen Investitionen im Schulbereich gibt´s zwar Geld von Bund oder Land, aber die Kommune muss Eigenanteile übernehmen.

Wie schwer das ist, erfahren die Schulexperten gerade bei den geplanten Bauten für die Nachmittagsbetreuung für weiterführende Schulen, wo Lern- und Verpflegungsmöglichkeiten geschaffen werden sollen. Es gibt dafür Geld vom Land - 100 000 Euro pro Standort. Aber mindestens die gleiche Summe muss die Stadt zuschießen. 32 Schulen interessieren sich für das Programm. Bedeutet: 3,2 Millionen Euro Kosten für die Übermittagbetreuung. Oder doch lieber für zwei neue Turnhallen?

STEPHAN HERMSEN

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Kommentare
13.01.2009
09:47
Wenn das Schule macht ...
von theRebel | #1

Was sind das für Vergleiche: Kinderbetreuung oder Turnhallenbau? Da fällt die Entscheidung doch leicht. Hier sind die hochbezahlten Spezialisten der Stadt gefragt, mal sinnvoll das (noch) vorhandene Geld umzuschichten, um für die städtischen Eigenanteile Luft zu haben. Bei solch einer Chance muß auch mal z.B. Kultur oder Stadionneubau etc.zurückstehen, zum Wohle aller Bürger und nicht nur zum Kurzweil eines elitären Zirkels in Essen.

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