Wenn Busfahrer den Ernstfall üben

Die Feuer-Übung im Evag-Linienbus zeigte auch: Zuerst muss denen geholfen werden, die nicht aus eigener Kraft so schnell den Wagen verlassen können.
Die Feuer-Übung im Evag-Linienbus zeigte auch: Zuerst muss denen geholfen werden, die nicht aus eigener Kraft so schnell den Wagen verlassen können.
Foto: Evag
Im Betriebshof Beuststraße wurde am Mittwoch ein Feuer in einem Linienbus simuliert – In nur 30 Sekunden waren alle Insassen evakuiert.

Essen.. Mittwoch früh, neun Uhr – plötzlich dringt aus dem Motorraum dichter Qualm in den Evag-Linienbus – unweit der Beuststraße in der Stadtmitte. Ein Fahrgast schreit: „Feuer – zu Hilfe!“

Der Fahrer reagiert sofort. Weil es jetzt auf jede Sekunde ankommt. Bevor er den Feueralarm auslöst, kümmert er sich zuallererst um seine Fahrgäste. „Steigen sie sofort aus“, sagt er ruhig, aber bestimmt – und so laut, dass es jeder hören kann. Die Türen lassen sich auf Knopfdruck öffnen. Ein Glück, sonst hätte er den Nothammer nehmen müssen. Er eilt nach hinten, klappt die Rampe aus.

Erst muss der Rollstuhlfahrer raus. Dann hält sich ein Senior an einem helfenden Fahrgast fest. Ein anderer Mann, der die ganze Situation nicht gleich begreift und erstmal sitzenbleibt, wird ins Freie eskortiert. Ganze 30 Sekunden dauert die Evakuierung. Als letzter verlässt der Fahrer den Wagen – schließlich ist er der „Kapitän“. Vorher noch schnell den Notruf absetzen. Jetzt kann die Feuerwehr kommen.

Die kommt aber nicht. Muss sie auch nicht. Die eh’ harmlosen Schwaden in der Luft lösen sich im Nu wieder auf. Irgendjemand hat die Nebelmaschine abgeschaltet. Die zwölf „Fahrgäste“ sind bester Laune, der Fahrer auch. Und der Evag-Ausbilder Karl-Heinz Füssel, Leiter der Kraftomnibus-Fahrschule (KOM) nickt zufrieden. 30 Sekunden – das ist eine gute Zeit.

Alle fünf Jahre auf die Schulbank

Je schneller diese Brandschutzübung ohne Panik gemeistert wird, umso besser. Bei einem richtigen Feuer in einem völlig verrauchten Bus würden die ersten Betroffenen schon nach wenigen Atemzügen das Bewusstsein verlieren. So schnell wirkt Kohlenmonoxid.

Das Evakuieren von Fahrgästen, muss in regelmäßigen Abständen geübt werden. Grundlage hierfür ist das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (BKrFQG), das laut Paragraf 5 alle fünf Jahre eine Weiterbildung verlangt. In diesem Zeitraum müssen die 575 Evag-Busfahrer noch einmal die Schulbank drücken und Praxistests meistern. Insgesamt 35 Stunden dauert dieser in fünf Blöcken eingeteilte Kursus. Dazu zählt auch das Retten der Fahrgäste im Notfall.

Wie wichtig das ist, zeigt die Statistik. Demnach werden bundesweit jährlich bis zu 400 Busbrände registriert. Erst vor wenigen Wochen brannte ein Linienbus in Moers innerhalb weniger Minuten komplett aus. Die 30 Schüler konnten noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Der Fahrer hatte vorbildlich reagiert.

Im Ernstfall die Nerven nicht verlieren

Das Trainieren solcher Situationen dient dazu, im Ernstfall nicht die Nerven zu verlieren und die richtigen Entscheidungen zu treffen. „Der wichtigste Erfolgsfaktor für die Sicherheit ist und bleibt aber der Mensch hinter dem Steuer, wie schon der Vorfall in Moers zeigte“, betont Evag-Sprecher Olaf Frei. „Damit unsere Evag-Kollegen im Fahrdienst bestmöglich auf eine solche Situation vorbereitet sind, wird bei der Aus- und Weiterbildung der Fahrer die Evakuierung eines Busses mit Fahrgästen im Brandfall simuliert und geübt.“ Um den „realistischen Eindruck“ zu erhöhen, wird der Bus deshalb „authentisch unter Rauch gesetzt.“

Für diese Übungen werden übrigens nicht wie am Düsseldorfer Flughafen Laien-Schauspieler engagiert. Das wäre der Evag zu teuer. In die Rolle der Fahrgäste müssen die Busfahrer schlüpfen, die gerade den Kursus absolvieren. Diesen Rollentausch scheinen sie zu beherrschen.

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