Weniger ist mehr – in der „Rütteria Lorenzo“

Die „Rütteria Lorenzo“ in Essen-Rüttenscheid.
Die „Rütteria Lorenzo“ in Essen-Rüttenscheid.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Ein Besuch in der „Rütteria Lorenzo“in der ehemaligen Kultkneipe „Gasse“ (später die Brille) am Sheraton-Hotel.

Essen.. Es ist ein ganz normaler Dienstagabend und die Rütteria Lorenzo in Essen-Rüttenscheid ist voll. Na, wenn das kein gutes Zeichen ist, denke ich und suche uns einen schönen Platz an den einfachen Holztischen. Schlicht eingerichtet ist der in weiches Licht getauchte Gastraum der ehemaligen Kultkneipe „Gasse“ (später die Brille) am Sheraton-Hotel; die Wände sind weiß getüncht, Schnickschnack und Deko sucht man hier vergeblich. Manchmal ist weniger mehr, was ja durchaus auch aufs Essen zutreffen kann. Wie recht ich damit behalte, weiß ich am Ende des Abends: Denn wer richtig Hunger hat, sollte im von Roberto Casamonti seit zwei Jahren geführten Restaurant mehr als zwei Gänge bestellen.

Den sonst üblichen kulinarischen Willkommensgruß gibt es hier nicht, also beginnen wir direkt mit der Vorspeise: Der kleine gemischte Salat (4,90 Euro) mit dezenter Vinaigrette ist so, wie ich ihn mag, auch das Carpaccio di Manzo (10,90 Euro) – eine kleine Portion rohes, hauchdünn geschnittenes Rindfleisch mit Rucola und Parmesanspänen – ist einfach und köstlich und weckt den Wunsch nach mehr.

Ravioli sind eher Appetithäppchen

Italiener messe ich immer an der Qualität ihrer Pasta und deswegen entscheide ich mich für Ravioli alla Romana (12,50 Euro). Die kleinen selbstgemachten Teigtaschen sind mit Ricotta und Spinat gefüllt, in Butter und Salbei geschwenkt, mit Pinienkernen verfeinert und entzücken meinen Gaumen; allerdings sind sie so knapp bemessen, dass sie eher als leckeres Appetithäppchen denn als Hauptspeise durchgehen. Da ist das irische Rindersteak (100 Gramm für 11,90 Euro) schon von ganz anderem Kaliber: 200 Gramm schwer, auf den Punkt gegrillt – also außen kross und innen rosig bis blutig – ist es so zart, dass das Messer ohne großen Druck durchgleitet. Wer Fleisch so zubereiten kann, ist für mich ein Meister.

Fehlt noch der Nachtisch. Auch hier bleiben wir bei den Klassikern und werden nicht enttäuscht: Das Tiramisu (4,50 Euro) ist saftig und die Crème brûlée (5 Euro) mit echter Vanille ein Gedicht. Café und Grappa dürfen natürlich nicht fehlen. Letzteres gibt es als Zugabe vom Chef persönlich.