Das aktuelle Wetter Essen 11°C
Wassersport

Weltumseglerin Katti Theisen ist zurück

26.08.2010 | 09:32 Uhr
Weltumseglerin Katti Theisen ist zurück
„Ich hab’s geschafft!“: Katti Theisen beim Einlaufen in den Hafen von Lelystad.

Essen. Zwölf Jahre lang war Katti Theisen auf See. Ihre Essener Segelfreunde bereiteten ihr beim Einlaufen in den Niederlanden einen großen Empfang. Mehr als 48 000 aufregende Seemeilen liegen nun hinter der 69jährigen Seglerin.

Info
Ehrung im November

Katti und Werner Theisen waren 1998 (nach Abschluss beider Berufslaufbahn) zu ihrer Weltumseglung aufgebrochen. Sie überquerten mehrere Ozeane und besuchten mehr als 40 fremde Länder. Die Arbeitsgemeinschaft Essener Fahrten- und Seesegler (AGFS), 1971 gegründet, hat 170 Mitglieder mit 150 seegehenden Segelbooten.

Bei ihrer traditionellen November-Veranstaltung im Etuf-Clubhaus am Baldeneysee will die AGFS ihre Weltumseglerin mit einer Feier ehren. Ein Vortragsabend ist ebenfalls geplant.

Langsam, für die Wartenden am Kai viel zu langsam nähert sich die Yacht „Freiheit“ der Hafeneinfahrt von Lelystad in Holland. Die eskortierenden Yachten „Helli“ und „Elbe-Lady“ unter Essener Flagge haben über die Toppen geflaggt. Die „Freiheit“ auch – aber nicht mit dem üblichen Flaggen-Alphabet, sondern mit den 40 Flaggen jener Länder, die Skipperin Katti Theisen auf ihrer zwölfjährigen Weltumseglung besucht hatte.

Mehr als 48 000 aufregende Seemeilen liegen nun hinter der 69jährigen Seglerin, die die WAZ auf ihrer Weltreise zwölf Jahre lang begleitet hat. Oft haben die Freunde in der Heimat Ängste um die Weltumseglerin ausgestanden. „Warum eigentlich?“, sagt Katti Theisen im WAZ-Gespräch nach ihrer Rückkehr. „Ist doch immer alles gut gegangen.“

Im Rückblick mag sie das so sehen können. Doch es gab auch shicksalsschwere Tage. In Thailand kam ihr Mann Werner bei einem Landgang durch einen Verkehrsunfall ums Leben. Katti entschloss sich, dennoch die Weltumseglung zu Ende zu bringen - allein. Die Arbeitsgemeinschaft Essener Fahrten- und Seesegler (AGFS), vor allem die Heisinger Freunde Gila und Helmut Müller, machten sich große Sorgen.

Rettung am Kap der guten Hoffnung

Gila im Gespräch mit der WAZ: „Katti hatte kein Handy mehr, die Geräte waren schon zwölf Jahre alt. Wir hielten den Kontakt über Kurzwelle und Sail-Mail“. Und das taten sie nicht nur alle Tage, sondern auch manche Nacht.

Der Rüttenscheider Segler Manfred Günther flog nach Südafrika, um Katti vorm Kap der guten Hoffnung zu helfen. Dort treffen der Indische Ozean und der Atlantik zusammen. Katti kam bei mehreren Versuchen, Sturm und Sechs-Meter-Welle „nicht um die Ecke“. Zu Zweit schafften sie es im dritten Anlauf. Manfred kehrte nach Essen zurück. Katti segelte die Azoren an und meldete von dort: „Ende August will ich in Holland sein“.

Nächste Etappe: 1300 Seemeilen bis nach Cherbourg. Dort ging Julia Dietel (AGFS) zu Katti an Bord. Es waren nun noch 320 Seemeilen bis zum Kai, wo der Empfang vorbereitet wurde. Die Yachten „Helli“ mit Horst Guntermann und „Elbe-Lady“ mit Uwe Schorn (beide AGFS) liefen aus und Katti entgegen. Der holländische Hafenmeister von Lelystad holte seinen Hafenkran, damit die Essener und die AGFS-Flagge gehisst werden konnten.

„Ich hab’s geschafft!“

Dann war die „Freiheit“ endlich da, Katti stand hoch an Deck, riss ihre Arme hoch und rief: „Ich hab’s geschafft!“ Doch ihre Worte gingen fast unter im Radau der Vouvouselas und der Jubelrufe. Auch ziemlich laut und wenig schön sangen dann alle: „Rolling Home“. Alt-Segler Wilhelm Leimkühler, Mitbegründer und Ehrenmitglied der AGFS, hielt eine kleine Ansprache mit großem Lob über „diese seefrauische Leistung“.

Katti erhielt ein Fotobuch mit den Erlebnissen ihrer zwölf Jahre langen Reise. Designer Manfred Günther hatte es selbst zusammengestellt, Gila Müller reicherte es an mit sechs Segel-Gedichten prominenter Dichter. Die Malerin Gera Dietel überreichte ein Gemälde der „Freiheit“.

Nur einer fehlte auf dem Kai: Thomas Mai, Vorsitzender der AGFS. Er hing mit seinem Schiff an der Schleuse in Lauwersoog,. Sie konnten ihn nicht durchlassen. Die Brücke war zusammengebrochen.

Felicitas Kapteina



Kommentare
Aus dem Ressort
Zeche Zollverein rüstet sich für Eislauf-Saison
Zollverein
Der Reiseführer Marco Polo spricht vom „wohl faszinierendsten Ort zum Schlittschuhlaufen bundesweit“ und meint die Eisbahn auf Zollverein, die diesen Winter einen Monat lang öffnet: Vom 6. Dezember 2014 bis zum 4. Januar 2015 bietet sie neben der Eisbahn auch eine 180 Quadratmeter große Fläche zum...
Poesie in Gebärdensprache - erster Poetry Slam für Gehörlose
Poetry Slam
In Essen findet erstmals ein Poetry Slam in Gebärdensprache statt. Der Dichter- und Autorenwettbewerb im evangelischen Jugendzentrum „Emo“ in Rüttenscheid richtet sich ausdrücklich an nicht-hörendes und hörendes Publikum. Die Kandidaten können sich mit einem Video bewerben.
Stadt Essen will Ehrenamtlichen mit Freiwilligenkarte danken
Ehrenamt
In diesem Jahr sollen die ersten Essener eine Freiwilligenkarte erhalten. Die Stadt will ihre Anerkennung ausdrücken, Vergünstigungen gibt es derzeit nicht. Die Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren, wünschen sich bei ihren Einsätzen ermäßigten Eintritt ins Museum oder freie Fahrt mit dem Bus.
Essener Forscher erhalten Preis für Hunde-Pipi-Ergebnisse
Magnetsinn
Sabine Begall, Professor Hynek Burda und Pascal Malkemper von der Universität Duisburg-Essen ergatterten den Ig-Nobelpreis der Harvard-Universität mit einem Forschungsergebnis der ganz besonderen Art: Hunde richten sich instinktiv beim Pinkeln nach Norden oder Süden aus.
Innenministerium lenkt beim geplanten Groß-Asyl in Essen ein
Flüchtlinge
In einem Gespräch im NRW-Innenministerium haben die Stadt Essen und das Land einen Zwist über das geplante Groß-Asyl auf dem früheren Kutel-Gelände im Stadtteil Fischlaken beigelegt. Die Trägerschaft liegt beim Land. Damit ist nun der Weg für die Einrichtung mit bis zu 800 Plätzen frei.
Umfrage
Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

Die Stadt Essen will Ehrenamtliche mit einer sogenannten Freiwilligenkarte würdigen. Dass die Ehrenamtlichen mit dem Ausweis auch Vergünstigungen - beispielsweise für kulturelle Einrichtungen - erhalten, ist derzeit nicht möglich. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos