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Kommunalpolitik

Weiter Theater in Essen um Kulturdezernenten-Wahl

20.11.2009 | 10:20 Uhr
Weiter Theater in Essen um Kulturdezernenten-Wahl

Essen. Der kommunalpolitische Streit um den Posten des neuen Kulturdezernenten droht zur Belastung für den Start ins Kulturhauptstadt-Jahr 2010 zu werden. Die SPD spricht mit Blick auf den Kandidaten Andreas Bomheuer schon vor der Abstimmung von "Wahlbetrug".

Die wahrscheinliche Berufung des derzeitigen Hattinger Kulturdezernten Andreas Bomheuer zum Essener Ressortchef in der nächsten Stadtratssitzung am kommenden Mittwoch wertet die SPD als „Wahlbetrug”. Bomheuer kann sich auf ein buntes Bündnis aus CDU, Grünen, FDP und Bürgerbündnis stützen, das sich überraschend gegen die größte Fraktion und Oberbürgermeister-Partei SPD formiert hat. Auch die Linken zeigen Sympathie für Bomheuer (57), der aus Essens „Freier Szene” stammt und in den achtziger Jahren das Kulturzentrum Zeche Carl mitbegründet hat.

CDU und Bürgerbündnis (EBB) wiesen am Donnerstag Gerüchte zurück, die Einigung auf die Personalie Bomheuer sei mit einer Verständigung über die Fraktionsfinanzen verknüpft worden. „Das ist ehrabschneidend”, erregte sich EBB-Chef Udo Bayer. Die neue Fraktionsfinanzierung schreibe lediglich die gängige Praxis seit 2004 fort und berücksichtige sogar eine Kürzung von fünf Prozent.

"Stimmenkauf"

Hintergrund der Verdächtigung über einen „Stimmenkauf” ist offenbar der Versuch der SPD, eine Neuordnung der Fraktionsfinanzen für Mitarbeiter und Ausstattung zu erreichen. Damit wäre zu Lasten der kleinen Parteien gespart worden. Hier stellte sich die CDU – für die Sozialdemokraten überraschend – an die Seite der Kleinen, mit denen sie nun in der „Causa Kulturdezernent” zusammenarbeitet.

Insbesondere die Grünen, die acht Wochen lang mit der SPD ergebnislos über eine Koalition verhandelten, sehen sich zu Unrecht vom Fast-Partner als „machtlüsterne Pöstchenschacherer” diffamiert. Linke-Ratsherr Wolfgang Freye appellierte derweil an die SPD, „aus der Schmollecke” zu kommen und im Streit um Bomheuer nicht für fünf Stadtratsjahre „jede Chance auf ein Bündnis links von der Mitte zu verspielen”.

In der Kulturszene löst das neuerliche politische Geschacher Befremden aus. Der bundesweit geschätzte Schauspiel-Intendant Anselm Weber, der in der nächsten Saison ans Schauspielhaus Bochum wechselt, zeigte sich grundsätzlich verärgert über die Essener Kulturpolitik: „Das ist hier für mich vorbei, ich äußere mich nicht, auch nicht zu Personalentscheidungen.”

Tobias Blasius

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Kommentare
25.11.2009
00:01
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von tippteufelvernichter | #33

Jeder soll seiner Arbeit nachgehen, auch Herr Bomheuer.
Nur das Vertrauen in unsere Politik ob komunal oder bundesweit, ist seit Jahren nicht mehr vorhanden.Egal und wann Positionen zu vergeben sind es wird gemauschelt und geschoben. Es ist immer mal wieder ans Licht gekommen.

23.11.2009
14:34
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von Peli | #32

Entschuldigung Herr Bomheuer. Im Eifer des Gefechtes habe ich Ihren Namen falsch geschrieben. Sorry und viel Glück.

23.11.2009
14:06
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von Peli | #31

Es wäre gut, wenn ein parteiloser Kulturdezernent gewählt würde und das wäre mit Herrn Bornheuer endlich mal ein kompetenter, nicht von den Parteien beeinflussbarer Mitarbeiter, in seinem Amt, zumal er bereits sehr lange diese Tätigkeit ausübt. Was ich persönlich schlimm empfinde, er hat sich gerade zur Wahl gestellt, wie oder wer auch immer das angezettelt hat und schon wieder können die Parteien ihre Zankerei nicht an die Seite stellen. Was für arme Menschen in den Positionen der SPD, CDU, der Grünen. Es geht nicht mehr um die Sache und zwar den neuen Dezernenten sondern nur um das Pöstchengeschacher. Furchtbar.
An alle Parteien - macht endlich eine sachliche und wertfreie Arbeit und lasst das kindische Geplänkel. Ein Kulturdezernent, der etwas von seinem Fach versteht soll an diese Stelle und nicht einer, der nur seinen Hintern auf dem Sessel hinter dem Schreibtisch parkt und nur Mist macht und das meist gesponserte Geld zum Fenster rauswirft.

23.11.2009
01:01
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von ajugagirl | #30

Die SPD hat schlicht gepennt. Es gibt ja nicht viele Dezernenten-Posten zu besetzen in dieser Amtsperiode - und dann zaubern die Grünen einen Pseudo-Sponti aus dem Hut, dem an allen Stellen wo bisher gewirkt hat mit Freude hinterhergewinkt wurde, von Zeche Carl bis Rock und Pop Museum Gronau. Bromheuer hat meist erst dann Gesicht gezeigt, wenn die Meinungsmehrheit Erfolg versprechend war (Lichtburg, Saalbau). Es geht doch bei der Wahl des Kulturdezernenten doch nicht nur um Parteiklüngel, sondern um eine Weichenstellung für die Essener Kulturszene. Das ist schließlich eine wichtige Personalie und da müssen doch wahrhaftig bessere zu finden sein als der Kulturdezernent von Hattingen.

22.11.2009
19:06
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von 1980yann | #29

@22
Im Moment sieht es eher so aus, als würden die Einzelratsmitglieder von REP und NPD in einem informellen sozial-nationalistischen Bündnis mit der SPD gegen Bomheuer stimmen. Aber was der braune Haufen macht ist eh wurscht, denn Jamaika+X hat eine recht klare Mehrheit. Wenn die Linke sich anschließt kann man das nicht verhindern, aber davon hängt es zum Glück nicht ab.

Aber warum nennen Sie sich enttäuschter Bürger? Was hat man gewählt, um sich nun enttäuscht nennen zu dürfen?

EBB? FDP? - bestimmt nicht, denn die können wieder mitgestalten.
CDU? - enttäuscht vielleicht am Wahlabend, mittlerweile durch neue Gestaltungsbündnisse besänftigt.
GRÜNE? - Wer die Grünen gewählt hat, hat bestimmt nicht für einen rot-grünen Koalitionszwang gestimmt und nicht dafür, dass 5 Jahre lang nur Dezernenten mit SPD-Parteibuch eingestellt werden. Der Partner CDU war auch nicht komplett unbekannt und aus der Luft gegriffen ...
SPD? - ja bestimmt. und enttäuscht bitte vor allem über die eigene Verhandlungsdelegation! Die SPD-Fraktion ist im Moment ein frustrierter Single, der laut zetert, dass ihn keiner will, und damit auf Jahre potentielle Partner vergrault.

21.11.2009
22:41
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von norma | #28

genau. Kein neues Pöstken und stattdessen sparen, damit der Sparprügel in Ddorf bleiben kann. TUP 30 Prozent runter mit den Kosten, Zeche Carl bekommt den Aufschlag, der mit dem eingesparten Dezernenten gewonnen wurde und die Kultur wird bunter. Aber nicht im Ratssaal, sondern in der Fläche.
Und Bomgeheuer wird in Hattingen beweisen müssen, ob er seinen eigenen Ansprüchen gerecht wird. Als Sponti wird man nicht geboren, es gehören immer ein paar Privatmänner (lat. Idioten) dazu, die einem Sponti aufs Treppchen helfen.

21.11.2009
15:22
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von Der Rheinländer | #27

Leute Essen muss unendlich sparen. Daher spart eiuch einen Kulturdezerneten und packt die wenigen Aufgaben einem anderen Dezernat auf.

21.11.2009
10:13
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von enttäuschter Bürger | #26

Essen...Metropolregion..Kulturhauptstadt...usw....Essen - herzlich willkommen in der Provinz ! Mit den unsäglichen Vorgängen bewiesen die von uns gewählten Politiker ihre Mündigkeit.Wow ! Die Wahl des Kulturdezernenten hat Signalwirkung; nicht nur für die KHS, sondern für die nächsten 5 Jahre. Entscheidungen werden nicht mehr nach Sachbezug getroffen, sondern um die Opposition vorzuführen, zu blamieren, usw. Und dies ohne Rücksicht auf UNSERE Stadt. Die kommende Ratssitzung wird zeigen, was wir als Stadt Essen erwarten können - nein müssen. Ich würde mir sehr wünschen, dass der Ratssaal platzt und die Bürger dieser Stadt ihr Recht wahrnehmen, überhaupt einmal unsere politischen Akteure und deren Agieren sich anzuschauen und in natürlich angemessener Weise zu reagieren. Eine hilflose SPD, die von ihrem eigenen Wahlerfolg überrascht wird und personalentwicklung nicht betrieben hat; eine clevere CDU mit excellentem Netzwerk, Grüne die sich drehen und wenden wie es gerade passt und ein paar Splitter als Zünglein an der Waage. Ich warte auf den tag, wo sich eine dieser Parteien soweit prostituiert, dass man selbst die eine NPD Stimme im Rat einkauft - abwegig ? Ich denke das nicht mehr.
Ich beneide OB Paß nicht um diesen Job, aber auch er hat es versäumt, im Vorfeld solche Szenarios abzustecken. Dies zeigt nur leider die Unprofessionalität unserer großen Parteien.
Aber man kann ja immer sagen: Wieso? Ihr habt sie doch gewählt - da sind wir dann wohl falsch verstanden worden....

21.11.2009
00:46
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von MünchnerKindl | #25

Interessant, dass ein möglicher Kulturdezernent Bomheuer mit fallender Akzeptanz bei Aalto und Philharmonie in Verbindung gebracht wird.
Der Einfluß des Kulturdezernenten auf Programm und künstlerisch Verantwortliche (Intendanten) der Theater und Philharmonie GmbH ist geringer als man sich wünscht. Das haben die Jahre von Scheytt ja deutlich gezeigt. oder hat er etwa den beispiellosen Höhenflug des Aalto zu verantworten?!

20.11.2009
17:25
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von Michael S. | #24

Kaum steht ein ausgewiesener Fachmann für das Amt des Kulturdezernenten zur Debatte, schon müssen im Vorfeld Fronten aufgebaut werden. Bomheuers bisheriger beruflicher Werdegang scheint doch ganz im Dienste und Sinne der Kultur gestanden zu haben. Aber genau diese Qualifikationen und Erfahrungen aus der praktischen Kulturarbeit macht man ihm nun schon vor einer möglichen Wahl zum Vorwurf? Ein für mich unverständlicher Beiß-Reflex, der sich nur mit politischer Motivation erklären lässt.

Bomheuer ist das erste Ergebnis der neuen Konstellation im Rat der Stadt. Das erste Ergebnis der wechselnden Mehrheiten. Damit sollte man sich in einer Demokratie auch als SPD abfinden, nachdem man die Koalitionsverhandlungen hat scheitern lassen.

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