Weiße Flotte in Essen findet keine Matrosen
18.01.2012 | 18:56 Uhr 2012-01-18T18:56:00+0100
Essen. Bei ihren Bemühungen, erstmals einen Seemann auszubilden, hat die Weiße Flotte bislang nur Schiffbruch erlitten. Obwohl knapp 60 Bewerbungen vorlagen, musste Essens Flottenchef Franz-Josef Ewers feststellen, dass allen ausgewählten Aspiranten der Matrosen-Dienst an Bord doch zu hart erschien.
Es steht nicht gut um die christliche Seefahrt zu Essen: Bei ihren Bemühungen, erstmals in ihrer 78-jährigen Geschichte einen Seemann auszubilden , hat die Weiße Flotte Baldeney zunächst einmal Schiffbruch erlitten. Obwohl knapp 60 Bewerbungen vorlagen, musste Essens Flottenchef Franz-Josef Ewers konsterniert feststellen, dass am Ende allen ausgewählten Aspiranten der Matrosen-Dienst an Bord doch zu hart erschien. Auch die Aussicht, am Ende der zweijährigen Ausbildung Kurs auf das Patent als Schiffsführer zu nehmen und auf den Binnengewässern dieser Welt auf große Fahrt gehen zu können, konnte nicht überzeugen: „Wir mussten leider feststellen, dass die jungen Leute falsche Vorstellungen hatten“, sagte Ewers.
Fünf gingen von Bord
Fünf Kandidaten gingen jeweils während des Praktikums von Bord. „Dabei haben wir in den Bewerbungsgesprächen immer wieder darauf hingewiesen, dass die Ausbildung bei uns nicht darin besteht, im weißen Hemd auf der Brücke zu stehen und die Gäste zu begrüßen.“ Nein, wer bei der Weißen Flotte anheuert, muss schon aus anderem Holz geschnitzt sein: „Bei uns muss jeder anpacken“, betont Franz-Josef Erwers. Und dazu gehört, auch mal die sanitären Anlagen zu feudeln, oder, wie jetzt im Winter im Hafen am Hardenbergufer, den Rost vom Schiffsbauch abzuschmiergeln und den Rumpf neu zu lackieren, oder im Blaumann am Schiffsdiesel zu schrauben.
Anders läuft das Geschäft nicht, anders würde die Weiße Flotte kaum auf Gewinnkurs fahren, wie in den vergangenen Jahren geschehen. Flexibel muss die Mannschaft sein, in der Saison vor allem an den Wochenenden und bei schönem Wetter lieber an Bord stehen, als im Ufergras oder am Seaside Beach zu „chillen“. „Darauf ist nicht jeder vorbereitet“, hat der Flottenchef die Erfahrung machen müssen.
Begehrte Schiffsführer
Dabei sind die Perspektiven gar nicht mal so schlecht: Schiffsführer sind begehrt auf dem Arbeitsmarkt, wer ortsnah arbeiten möchte, hat in Essen gute Perspektiven. Vier Kapitäne nähern sich der Pensionsgrenze, so wie früher ein paar Straßenbahnfahrer mal eben auf Aushilfsschiffer umschulen, das ist seit 2005 nicht mehr möglich. Ohne eine umfassende Ausbildung mit Theorieblöcken an der Schifffahrtsschule in Duisburg, ohne ein Patent, kommt keiner mehr ans Steuer der „Essen“, „Steele“ oder „Heisingen“.
Wer jetzt in die Ausbildung einsteigt, hat also gute Karten auf eine Karriere auf dem Baldeneysee. Zumal mit Sondertouren bis zu 3000 Euro im Monat in der Saison an Heuer winken. Klar muss nur sein: Sommerhalbjahre gehören Mann und Maus an Deck - und nicht in die Disco.
Für Franz-Josef Ewers sind dies unterm Strich gute Argumente, bei der Weißen Flotte anzuheuern. Ganz hat er die Hoffnung auch nicht aufgegeben. Bereits in den nächsten Tagen will er die nächsten Kandidaten auf ihre Tauglichkeit hin abklopfen: „Ich bin eigentlich recht zuversichtlich, dass wir im August einen Auszubildenden an Bord nehmen.“ Ein Süßwassermatrose wird sich in Essen bestimmt noch finden.
14:33
Moin,als Herr Ewers anfangen,?da werden sich sicher einige finden.Aber das mit den Straßenbahnfahrern sollte man wieder einführen.Was soll dann ein Matrose verdienen,?man muß von dem Gehalt leben können.Ein Straßenbahnfahrer wird es nicht können,oder schwer, geschweige denn ein Matrose.