Weinblätter, Reis und Mangold zu Ostern

Traditionell gibt es am Gründonnerstag einen Gottesdienst, in dem der Priester zwölf Kindern die Füße wäscht. So wie es Jesus auch bei seinen Jüngern getan hat.

Karfreitag wird dann in Gebeten der Kreuzigung Jesu gedacht. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildet der Ostersamstag. „Morgens haben wir Ostereier gefärbt. Das machen wir immer so“, sagt Mutter Hanna. Der Abend ist meist besonders lang. So war es auch im vergangenen Jahr. „Wir haben bis drei Uhr getanzt und gefeiert.“ Ungewöhnlich ist nur: Nach dem Gottesdienst geht es nicht direkt nach Hause. Eine Stunde lang tanzen die Gläubigen zusammen auf dem Kirchplatz. Mit Weinblättern, viel Reis, Mangold und Teigtaschen mit Fleisch und Zwiebeln genossen die Baschirs dann das Ende der Fastenzeit. Mama Hanna hatte sich ihre neuen Sandalen, eine moderne Jeans und eine bunte Bluse angezogen. „Die ganze Familie bekommt an diesem Tag neue Kleidung. Und die Kinder natürlich auch Spielzeug“, sagt die 30-Jährige. Für Arthr gab es das Fahrrad, für Marta eine Barbie und für Tamas ein Spielzeugauto.

Ostern 2015 verbringen die Baschirs nun fern der Heimat. Auf manches müssen sie dieses Mal verzichten. „Wir haben sonst immer 20 bis 30 Grad. Hier ist jetzt sehr windig und kalt“, sagt Vater Thaddeus mit einem Blick aus dem Fenster.

Keine Wallnuss-Plätzchen

Was sie noch vermissen: das Frühstück an Ostersonntag. Da gibt es eigentlich traditionell einen Schafsdarm, gefüllt mit Reis und Fleisch. Auch die Walnuss-Plätzchen müssen in diesem Jahr ausfallen. „Wir haben hier einfach keine Möglichkeit etwas zu backen“, sagt Hanna. Immerhin: Am Gründonnerstag haben sie mit etwa 300 anderen Gläubigen der syrisch-katholischen Gemeinde einen Gottesdienst abgehalten. Ein großes Fest muss es dieses Mal auch gar nicht sein. „Unsere Generation ist mit Krieg aufgewachsen. Jetzt sind wir endlich in Sicherheit und das macht uns glücklich.“ Und vielleicht kann die Familie dann ja das Weihnachtsfest in einem eigenen Heim feiern. Und vielleicht hat der junge Arthr dann auch schon ein neues Fahrrad. Aber was ist schon so ein Rad wert, wenn man ein Leben ohne Angst haben kann?