Weiberfastnacht unter Palmen

Margarethenhöhe..  Selbst im weit entfernten Pattaya wurde gestern die fünfte Jahreszeit eingeläutet: Die deutsche Gemeinde, die seit drei Jahren von dem Pfarrer-Ehepaar Annegret Helmer und Ulrich Holste-Helmer betreut wird, bekam Besuch vom „Frauen Kirchen Kabarett (FKK)“. Die Truppe von der Margarethenhöhe sorgte für jecke Töne unter Palmen. Dort hat sich in den vergangenen Monaten einiges verändert, bezogen Holste und Helmer unter anderem ein neues evangelisches Gemeindezentrum in Bangkok.

Umzug innerhalb Bangkoks

Kaum waren sie vor einigen Wochen eingezogen, da gab es schon die ersten Asylsuchenden: Eine kleine schwangere Katze hatte eine großen Blumenvase als Entbindungsstation genutzt. Inzwischen sind Mutter und Nachwuchs irgendwo in Bangkok verschwunden. „Wir hätten auch Probleme gehabt, uns um sie zu kümmern“, sagt Ulrich Holste-Helmer. Verständlich. Immerhin ist ihr derzeitiges Arbeitsfeld etwas größer als die Margarethenhöhe, wo Holste und Helmer zwei Jahrzehnte gewirkt haben: nicht nur Thailand sondern auch die Nachbarstaaten Laos, Kambodscha und Myanmar sind ihre Einsatzgebiete.

Vor einigen Monaten hatten sie Abschied nehmen müssen vom lieb gewonnenen Zentrum an der Sukhumvit Road mit seinem großen Garten – ein seltener Luxus im vollgepackten Bangkok. Das neue Gemeindezentrum ist zwar kleiner, aber das stört keinen. Im Gegenteil. Es herrscht heimelige Enge, wenn sich die Christen – meist Mitarbeiter deutscher Firmen – zum Gottesdienst treffen.

Für die Pfarrer bedeuten Gottesdienste und Feiern immer Action. Stühle müssen geschleppt werden und aus dem Esstisch wird der Altar. Ganz anders Pattaya, der zweite Hauptschauplatz der „Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Thailand“, wie die Gemeinde offiziell heißt. „Ich bin ganz begeistert, wie sich das entwickelt hat“, schwärmt Annegret Helmer. Im riesigen Begegnungszentrum hat sich eine lebendige Gemeinschaft von deutschsprachigen Menschen zusammengefunden.

Attraktiv ist hier das Programm, mit dem die Gemeinde viel mehr Menschen als nur die Kirchgänger anlockt. „Der Strand reicht eben nicht auf Dauer“ sagt Annegret Helmer. Es wird über Literatur und Politik geredet, Filme werden gesehen und besprochen genauso wie private Nöte. „Und davon gibt es viele“, weiß Wolfram Reda. Der Mann hat ein bewegtes Leben: Psychologe bei Bayer und der Lufthansa und zuletzt Leiter eines Berufskollegs im Rheinland.

Viele Rentner leben in Pattaya

Pattaya ist einst von US-Soldaten während des Vietnamkriegs von einem Fischerdorf zum Erholungsort der Soldaten aufgebaut worden. Aus dieser Zeit haben sich zwar viele Bars bis heute herüber gerettet, aber deren beste Zeiten sind lange vorbei. Pattaya ist eher praktisch: nahe an Bangkok, aber ohne diese Menschenmassen. Und im Stadtteil Naklua leben so viele Deutsche, dass man auch ohne ein einzige Wort Englisch geschweige denn Thai, gut klar kommt. Viele weiße Frauen stehen für den Wandel der Stadt. Da ist zum Beispiel die Rentnerin aus Leipzig, die mit ihrem kargen Einkommen in Deutschland nicht über die Runden käme. Nur die fehlende Krankenversicherung bereitet ihr Kummer. „Ein Unfall kann den Ruin bedeuten“, sagt Ulrich Holste. Er und seine Frau sind jetzt drei Jahre hier, Halbzeit also. Die Verbindungen der beiden zur Margarethenhöhe bestehen weiterhin. Abgesehen davon, dass sie noch Fahrräder und Skiausrüstungen in Essen haben, freuen sie sich auf Besuche in ihrer ehemaligen Gemeinde und deren Mitglieder erwidern das gern – wie FKK an Weiberfastnacht bewies.