Wattwanderer zwischen den Welten

Die „Wattwanderer“ haben längst den Boden unter den Füßen verloren. Dem Himmel so nah, entschweben sie in eine ungewisse Zukunft. Kein fester Halt, keine Heimat, kein Bezugspunkt nirgends. In den neuen Bildern, die Gan-Erdene Tsend in der Galerie Klose zeigt, malt auch die Entwurzelung mit.

Der Künstler, der 1979 in der Mongolei geboren wurde und schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt und arbeitet, hat mit seinen monumentalen Steppengemälden immer wieder Heimatbilder von ungeahnter Weite und stiller Intensität geschaffen. Allmählich bevölkert der Meisterschüler von Hermann-Josef Kuhna seine luftig-luziden, fast magischen Landschaften allerdings mit immer mehr Personal. Wie ein Menschenfischer thront da eine fast fotorealistische Figur auf einer dicken Wolke mit ausgeworfener Angelschnur. Und das „Karussell“ dreht sich wie ein sphärisches Luftgebilde, auf dem es keinen Halt mehr zu geben scheint. Völlig losgelöst von der Erde treibt Gan-Erdene Tsend sein Personal in eine Zukunft, in der die „Spiegelwelten“, ein wiederkehrendes Motiv, nicht mehr die Sicht auf das andere Ich wiedergeben. Motive verschwimmen im Spiegelbild vielmehr zu abstrakten Farbschlieren. Was kommt, ist noch unscharf.