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Was die Stadt Essen besser machen könnte

29.07.2012 | 19:19 Uhr
Was die Stadt Essen besser machen könnte
Angeregt diskutierten die Bürger am NRZ-Mobil in Rüttenscheid. Foto: Möller

Essen. Wofür würden Sie sich in Essen engagieren? Was müsste die Stadt dringend verbessern? Das NRZ-Mobil gab Bürgern am Samstag die Möglichkeit zu sagen: „Jetzt reicht’s!“

Mal eitel Sonnenschein, mal ein stürmischer Starkregen: Der Samstagvormittag am Rüttenscheider Stern hatte es wetter- wie stimmungsmäßig in sich. Während einige Essener, wie Manfred Höfer, „mit der Gesamtsituation in unserer Stadt zufrieden“ sind, nutzten andere die Möglichkeit einer NRZ-Umfrage, um ihrem Ärger mal so richtig Luft zu machen. „Jetzt reicht’s“ hatten wir auf ein Schild geschrieben und gefragt: Wo gilt das für Sie?

Als Natur- und Wanderfreund erzürnen Werner Hetkämper die zugewucherten Rad- und Wanderwege. „Schauen Sie sich dort mal um, das ist ein Urwald“ ärgert sich der Senior. Mehrfach habe er bei „Grün und Gruga“ besonders schlimme Stellen gemeldet, „die sagen dann ,wir kümmern uns darum’, und nichts passiert“, sagt der Senior.

Lob für das Radnetz - Kritik für Fluglärm

Dabei sei doch gerade das Rad- und Wanderwegenetz in Essen „so toll weiterentwickelt worden“, lobt Krista Christeleit. Sie hat ein ganz anderes Problem ausgemacht, das man sonst eher aus Frankfurt, Berlin oder Düsseldorf kennt: Fluglärm. „Von morgens 6 bis nachts um 23 Uhr kreisen die bei gutem Wetter über unser Haus“, erzählt die Haarzopferin. Nicht nur große Maschinen auf ihrem Weg nach Düsseldorf seien das Übel, sondern vor allem die kleinen, beim An- und Abflug ins benachbarte Mülheim. Das Engagement der „Schutzgemeinschaft Fluglärm“ änderte daran bislang auch nichts. Für Christeleit bleibt deshalb zurzeit nur die Hoffnung, dass der Flughafen vielleicht doch vor dem Auslaufen der Pachtverträge im Jahr 2034 geschlossen wird.

Dass das auch mit der Messe Essen passiert, stand und steht nicht zur Debatte. Da können sich die Rüttenscheider, wie Rene Groß oder das Ehepaar Gerda und Günter König, noch so sehr über die örtliche Parkplatzsituation ärgern. Die sei „bei publikumsträchtigen Messen äußerst unzufriedenstellend“, sagt Groß. Die Wiedereinführung von Anwohner-Parkausweisen oder zusätzlichen Parkplätzen für Messebesucher stehen zur Debatte – jedoch ohne Aussicht auf kurzfristige Besserung.

Raum für die Trinkerszene

Während also die Rüttenscheider mit Parkplätzen kämpfen, lässt sich dieses Thema in der Innenstadt ganz entspannt an. Stellflächen für den PKW suchen die Befragten hier nur selten. Ob dies an den zahlreichen Parkhäusern oder unattraktiven Einkaufsmöglichkeiten liegt, wie sie zahlreiche Befragte ausgemacht haben wollen, bleibt unklar. „Dort wird alles auf die Jugend angelegt, für die älteren Leute gibt es kaum noch Geschäfte“, sagt beispielsweise Gretha Beselin. Und Marion Rühseler ergänzt: „Ein Raum für die Trinkerszene würde dem Zentrum sehr gut tun, das steigert die Attraktivität und das Sicherheitsgefühl.“ In den Abendstunden traue sie sich zurzeit weder mit der U-Bahn, noch mit Begleitung durch die Innenstadt.

An einer Begleitung mangelt es dem Ehepaar Falk aus Rüttenscheid hingegen nicht: Ihr Rauhaar-Dackel ist stets an ihrer Seite – und damit auch die eigens mitgebrachten Hundekotbeutel. „Normalerweise müsste die Stadt dafür sorgen, dass ausreichend davon für die Entsorgung von Hundekot aushängen – bei den Steuern, die wir für das Tier jährlich zahlen,“ ärgern sie sich. Lediglich rund um die Messe seien überhaupt solche Beutel zu finden: „Hauptsache wir geben für (Messe)Besucher ein sauberes Bild ab“, glaubt das Paar. Vorne Hui – hinten Pfui, möchte man fast meinen.

Dem Negativ-Motto mag auch Bernhard Rensing zustimmen. „Essen muss stadtweit an Bebauungsplänen arbeiten und mehr attraktiven Wohnraum schaffen“, so Rensing, „vor allem rund ums Univiertel muss es vorangehen.“ So müsse man sich nicht wundern, dass Studenten wie Angestellte nur Arbeitsbedingt nach Essen pendeln – was er zwar bedauert, ihn selbst aber kaum betrifft: Er hat sein Haus in Rüttenscheid gebaut. Für die dort oft beklagte Parkplatzsituation hat er einen praktischen Tipp: „Einfach das Auto stehen lassen und die Bahn nutzen, wenn man schon so zentral wohnt!“

Straßenumbenennung bleibt ein Thema

Vor allem aber sind die Umbenennungen der Von-Seeckt- und Von-Einem-Straße für viele Grund zu sagen: „Jetzt reicht’s!“ Es herrscht völliges Unverständnis: „Wieso jetzt die Veränderung nach einem Dreivierteljahrhundert?“, fragt sich auch Heidemarie von Münchhausen. Sie sieht nicht nur das „Gewohnheitstier Mensch“ und die Kosten als Grund für die Aufregung, sondern ein „mangelndes Demokratieverständnis“. So setzt sie sich aktiv für politische Bürgerentscheide ein: „Das einige wenige Leute über uns entscheiden, ist undemokratisch. Es geht da ums Prinzip.“

„Im Prinzip“ ist der gebürtige Wittener Andreas mit der Stadt „recht zufrieden“, seit er vor fünf Jahren herzog. Was ihm allerdings negativ aufstößt: „Im Vergleich zu umliegenden Ruhrgebietsstädten ist Essen schon auffallend dreckig.“ Im gesamten Stadtgebiet schludere die Stadt teils sehr, kleinere Straßen seien von der Reinigung ausgeschlossen. „Vor meiner Haustür muss ich selbst kehren.“ Immerhin, Engagement fängt bekanntlich im Kleinen an. Und wie für alle anderen Befragten, ist das auch für Andreas kein Grund wegzuziehen.

Julia Rathcke und Clemens Boisseree

Kommentare
31.07.2012
13:30
Was die Stadt Essen besser machen könnte
von HalloAusDemPott | #28

Fangt mal im Rat der Stadt Essen an.............da gibts viel zu tun.

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Was die Stadt Essen besser machen könnte
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2012-07-29 19:19
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