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Wasserverbrauch

Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt

13.11.2012 | 00:08 Uhr
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
Neue Trinkwassertarife könnten Sparer eher bestrafen. Foto: dapd

Essen.  Die Essener verbrauchen immer weniger Wasser, weil sie Geld sparen wollen. Allerdings könnte dieses Umweltbewusstsein auch nach hinten losgehen, und die Wasserpreise weiter in die Höhe treiben. Der Ausweg könnte lauten: Wasserverschwendung zahlt sich aus.

Bei den Stadtwerken Essen schließt man nicht aus, dass es bald Trinkwassertarife geben könnte, die strikte Sparer eher bestrafen und höhere Verbräuche tendenziell belohnen. „Das ist eine Frage, der wir uns in Zukunft stellen müssen“, sagte Stadtwerke-Sprecher Dirk Pomplun. In Essens Nachbarstädten Mülheim, Oberhausen, Bottrop und Gladbeck gibt es so etwas bereits. Dort hat der Versorger RWW Anfang 2012 die Tarifstruktur entsprechend umgestellt. Nur noch 50 und nicht mehr 80 Prozent sind jetzt verbrauchsabhängig. Die restlichen 50 Prozent sind ein Systempreis, dessen Bemessungsgrundlage die Wohneinheit ist.

Ob die neue Tarifstruktur bereits zu einem höheren Verbrauch führt, konnte ein RWW-Sprecher noch nicht sagen. „Klar ist aber, dass wir den Trinkwasserpreis besser an unsere Kostenstruktur angepasst haben, und nicht jedes Jahr die Preise erhöhen müssen.“

In Essen ist es nicht anders als im RWW-Gebiet: 80 Prozent des Trinkwasserpreises sind Fixkosten. Das sind feste Kosten, die für den Betrieb und die Instandhaltung des Wassernetzes anfallen - egal ob wenige Liter durch die Leitungen laufen oder wie im Falle von Essen 34 Millionen Kubikmeter im Jahr.

Netz für mehr Einwohner ausgelegt

Allerdings ist das 1800 Kilometer lange Essener Trinkwassernetz, das großteils aus den 50er und 60er Jahren stammt, vor allem auf deutlich mehr Einwohner ausgelegt, als heute in der Revierstadt leben. Das Problem verschärft sich, je weniger die Essener Wasser verbrauchen.

Die Instandhaltung des Trinkwassernetzes in Essen verschlingt jedes Jahr Millionen. Vergangenes Jahr waren es 14 Millionen Euro. Hinzu kommt noch die laufende Sanierung der Wasseraufbereitungsanlagen in Überruhr und Horst für 55 Millionen Euro. „Diese Investitionen werden sich sehr zeitnah im Wasserpreis wiederfinden“, kündigt Pomplun an.

Der geringere Wasserverbrauch habe zudem negative Auswirkungen auf das Abwassernetz. Weniger Frischwasser, das die Kanäle spült, schädige das Rohrsystem schneller. Zudem stiegen die Kosten, weil der Kanal häufiger gespült werden müsse. Zwar versuchen die Stadtwerke das Netz an die heutigen Bedürfnisse anzupassen - beispielsweise durch kleinere Rohrdurchmesser - aber auch das habe Grenzen, so Pomplun. Denn das Kanalnetz müsse auch starke Regenfälle aufnehmen können.

Janet Lindgens



Kommentare
02.12.2012
14:41
Was mann wissen sollte
von Schopenhauer | #22

Da fiel mir ein Fernsehbeitrag vor einigen Monaten ein über die Frage Abwasser-Gebühr oder wirtschaftlicher Preis. Gebühren werden im Gegensatz zu Preisen nicht von einer Komission kontrolliert.
Die Reporter hatten auch an einer Schulung für Wasserwirtschaftsbetriebe teilgenommen auf der die Gestaltungsmöglichkeiten bei der Kostenrechnung vermittelt wurde.
http://www.youtube.com/watch?v=DYbwxG0Dzgg

14.11.2012
10:25
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #21

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

14.11.2012
08:40
Einfach mal präziser abrechnen
von meigustu | #20

wäre auch eine Möglichkeit. Warum muss der Bewohner in dichten Wohnlagen dank eines Einheitspreises, die Wasserversorgung des Golfclubs in Werden subventionieren ?

14.11.2012
08:30
Betrachten wir das Ganze ...
von Partik | #19

... doch mal von der Möglichkeiten-Seite.

Wo bitte sollen wir denn signifikante Wassermengen verbrauchen? Ok, beim Zähneputzen volle Pulle das Wasser anstellen. Dann noch die Spartaste am Klo ad acta legen.

Alles was darüber hinaus geht, ist schlichtweg nicht variabel oder kostet dummerweise saftig Energie.

Die Haushaltsgeräte sind allesamt auf Wassersparen ohne ende ausgelegt, da ist nichts mit deutlich mehr Verbrauch.

Und bei aller Obrigkeitshörigkeit: nur weil die Stadtwerke keinen Bock haben, ihre Kanäle zu säubern, werde ich jetzt nicht jeden Abend in die Badewanne steigen, anstatt kurz unter die Dusche zu hüpfen.

Es gebiert der Logik, dass es sinniger ist, nach Zustand der Kanäle in der Tat einmal zu Erzeugerpreisen die Kanäle zu spülen, anstatt dass die Bürger nun Spülorgien am Klo veranstalten.

Dann sollen eben die Wasserpreise steigen. Bei insgesamt 163.- Euro Kaltwasserverbrauch im letzten Jahr, ist mir das persönlich vollkommen pelle.

14.11.2012
07:56
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
von Kohlensteiger | #18

Junge Junge, was hier so alles zu lesen ist!

Ich finde wir machen alles unbezahlbar und gut ist!

Glückauf!

14.11.2012
01:52
@peerkeinstueck | #16
von vaikl2 | #17

Bitte lesen (ist relativ einfach verständlich gehalten):
"Entwicklung des Wasserverbrauchs in Deutschland" http://www.hydrologie.uni-oldenburg.de/ein-bit/12045.html

Ich gebe Ihnen zwar Recht, dass ein guter Redakteur sowas in einen solchen Artikel mit einbaut, aber diese Fakten sind seit vielen Jahren in unzähligen Verbrauchermagazinen und Artikeln immer wieder veröffentlicht worden.

Die gute Frau Lindgens hat übrigens völlig übersehen, dass Ausbau, Wartung und Sanierung des Abwassernetzes keine Aufgabe von - fast überall privatisierten - Stadtwerken ist, sondern eine streng hoheitliche Aufgabe der Kommunen selbst, die auch Betreiber von Kläranlagen sind. Die Stadtwerke müssten hier also nicht warnen, da sie mit diesen Kosten *direkt* nichts zu tun haben, höchstens über verstärkte Gewinnabführungen.

1 Antwort
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
von vaikl2 | #17-1

Ach, und noch ein Link: "Wassermangel im Kanal. Aggressive Schwefelsäure greift die Betonrohre an" http://www.3sat.de/page/?source=/nano/technik/155087/index.html

14.11.2012
00:06
SoerenHL | #13
von peerkeinstueck | #16

Dass mein Hinweis auf unvollständige Angaben im Artikel bei manchen Menschen dermaßige Aggressionen auslösen kann, werde ich nie versthen. Ist aber Goitt sei Dank auch nicht mein Problem.

Wenn in einem Artikel lediglich die Wasserwerke zitiert werden und nicht ein einziger Beleg in Form einer Vergleichszahl angeführt wird, ist das zunächst mal nicht allzu glaubwürdig.

Von jedem Schüler würde man in einer Klassenarbeit erwarten, dass er entsprechende angaben macht. "Kann man doch googeln" oder "Gehört doch zum Allgemeinwissen" wären da keine allzu durchschlagenden Argumente.

Aber diese Anmerkung reicht für Sie anscheinend schon, um hier mit Begriffen wie ************** um sich zu schlagen.

13.11.2012
23:54
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
von Hugo60 | #15

Hausbesitzer zwischen Duisburg und Düsseldorf haben bereits die Sorge, ihre Keller könnten demnächst voll Wasser laufen. Durch die geringe Wassernachfrage steigt der
Grundwasserspiegel.
Mehr als 80 Prozent der Kosten der Wasserwerke entfallen auf den Betrieb und die Instandhaltung. Ob die Bürger nun viel oder wenig Wasser verbrauchen, fällt finanziell kaum ins Gewicht-

13.11.2012
23:32
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
von buerger99 | #14

Jahrelang wurde dem Bürger eingetrichtert er solle Wasser sparen ! Klospülungen mit Spartaste wurden einem förmlich aufgezwungen.
Der Leitungs-Wasser-Preis ist nicht der einzige Grund fürs sparen, sondern die horenden Abwassergebühren tun ihr übriges!
Deutschland hat mit die höchsten Wasser + Abwasserpreise in der EU.

Jetzt dem Bürger zu sagen, wir müssen die Preise erhöhen weil ihr so sparsam seit ergänzt die Verarsche übers Wassersparen.
Wenn die Stadtwerke nun Hydranten aufdrehen damit das Wasser nicht zu lange in der Leitung steht und die Abwasserleitungen mit Trinkwasser spülen, sollen sie einfach den Preise senken, dann "verbrauchen wir auch mehr"!

Das RWW ( Tochter von RWE ) ist da schon einen Schritt weiter. Es gibt eine Haushaltsabgabe nicht mehr pro Zähler sondern pro Wohneinheit im Hause. Kostenneutral NUR bei einem Verbrauch von ca, 120m³/Jahr und Haushalt ;-) Singel sollten also besser Baden als Duschen, wenn da nur nicht Abwassergebühren wären....

1 Antwort
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
von vaikl2 | #14-1

Sie haben also nicht mal im Ansatz verstanden, *warum* die Abwassergebühren so enorm gestiegen sind.

13.11.2012
23:21
Pfützen gegen den Gammel
von SoerenHL | #13

@12

Genau, mit der gestauten Pfütze vom Zähne putzen lösen Sie einen Abwasser-Tsunami in einem Kanal aus, in dem Kanalarbeiter mehr als locker stehen können. Ihr Waschbecken würde ich gerne mal sehen, kann bestimmt die ganze Familie drin baden! ;o)

@9

Bezweifeln Sie ernsthaft das Problem mangelnden Wasser-Durchflusses in den Kanälen und zu konzentrierter, aggressiver Abwässer oder wollen Sie nur Prinzipien reiten? Wieso sollte ein Journalist Dinge belegen, die in einem aufgeklärten Land längst Allgemeinwissen geworden sein sollten? Aber Sie haben Recht, manche Menschen sind als Religionsersatz Öko-Terroristen geworden und können es immer noch nicht glauben. Die stellen immer noch zackig nach einem Tropfen auf die Zahnbürste das Wasser wieder ab. Das sind die selben Leute, wegen denen man ab und an auf der Arbeit im Dunkeln aufm Pott sitzt. Denn hauptsache die haben ihren Weltverbesserer-Licht-Aus-Reflex ausleben können und fühlen sich als Stromspar-Helden...

1 Antwort
Warum Wassersparen schadet - und den Preis hochtreibt
von metatron78 | #13-1

sehr gut ausgedrückt! FB würde sagen: "LIKE"

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