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Warum eine Frau aus Essen mit drei Adrenalinspritzen auf Weltreise geht

18.04.2011 | 20:59 Uhr
Warum eine Frau aus Essen mit drei Adrenalinspritzen auf Weltreise geht
Fragt sich, ob sie die einzige Erdnussallergikerin in Essen ist: Claudia Kronenberg. Foto: Walter Buchholz

Essen.   Ist Claudia Kronenberg Essens einzige Erdnussallergikerin? Weil sie sich für eine geplante Weltreise wappnen will, sucht sie andere Betroffene - bisher vergeblich. Am Mittwoch versucht sie es noch einmal mit einer Selbsthilfegruppe.

Sie hatte extra gefragt. Also rief Claudia nicht sofort den Notarzt. Nicht nach dem ersten Bissen. Obwohl ihre Hände und Füßen juckten, die Nase anschwoll, das Atmen schwerfiel. Erst Minuten später war klar: In der Pesto war Erdnussöl, auch wenn der Koch im Tagungshotel zuvor Erdnussfreiheit aller Speisen beteuert hatte. „Ich hatte eben die Worte im Kopf: ‚Da is’ nix drin“, sagt die Erdnussallergikerin Claudia Kronenberg heute. Sie hätte sterben können, das ist der 27-Jährigen bewusst. Bisher sind ihre Schocks „gut gegangen“ – sieben hat sie seit ihrer Kindheit erlebt. Doch die Tagung hat manches verändert: Letzten Monat versuchte die Rüttenscheiderin eine Erdnussallergie -Selbsthilfegruppe zu gründen – niemand kam. Morgen gibt’s den zweiten Anlauf.

Pfefferminz gegen die Atemnot

„Ich kenne keine anderen Erdnussallergiker“, sagt Kronenberg. Doch es gibt sie und darum hat die Sportwissenschaftlerin die Suche auch noch nicht aufgegeben. Sie will Tipps und Erfahrungen von anderen hören und bringt selbst jahrelanges Wissen mit. „Als Dreijährige habe ich mal Erdnussflips gegessen, obwohl ich sie schon da nicht vertrug. Nur mit Pfefferminzbonbons ging’s mir besser.“ Als Zehnjährige litt sie erstmals unter Atemnot. Bisher haben die Schocks sie nicht in die Bewusstlosigkeit getrieben. Doch durch den Pesto-Zwischenfall wurde Kronenberg klar, wie leicht man selbst unachtsam wird. Und das passte nun gar nicht mit ihrem Traum zusammen: Im Juni startet Kronenberg mit ihrem Freund zu einer einjährigen Rucksack-Weltreise , quer durch Allergie-Gefahrengebiete.

„Eigentlich kann nur was passieren, wenn ich was esse“, wiegelt die Weltreiseplanerin ab. Also holten sich die zwei einen Kocher, der mit Benzin, Diesel und Gas betrieben werden kann. So sollte man überall kochen können. Ins Restaurant will sie nur, wenn sie zu 100 Prozent sicher ist, dass der Koch sie verstanden hat. „Ich habe einfach immer ein Säckchen Reis dabei“, sagt die Allergikerin lächelnd. Damit der Koch sie versteht, ging sie ins Dolmetscherbüro und bestellte einen Erdnussallergie-Erklärungstext in zehn Sprachen. Die kleinen Karten sind bereits fertig und eingeschweißt. „Wenn das nicht reicht, oder sie geklaut werden, habe ich immer noch dieses erdnussförmige Radiergummi. Das zeige ich dann vor. Den Rest erkläre ich mit Händen und Füßen“, erklärt sie ihren Notfallplan. Doch was tun bei einem Schock?

Den Notfall proben

„Wir haben gemeinsam einen Notfallkurs gemacht. Jetzt kann ich mir sogar selber die Adrenalinspritze setzen“, sagt die Rüttenscheiderin. Drei Notfallsets will sie einpacken. Falls eins geklaut wird und sie eins braucht, hat sie noch eins in petto – so der Plan. Im Set sind ein „Anapen“ (Adrenalinspritze), ein Notfallplan, Fenistil, Asthmaspray und flüssiges Kortison. Noch versucht die 27-Jährige zu klären, ob die Sets gekühlt werden müssen. Auch das wird sie meistern. Wie die zig Anrufe bei Fluglinien, mit der Bitte um erdnussfreies Essen.

„Bei einer US-Fluglinie dürfte neben mir nicht einmal eine Flipstüte aufgemacht werden, weil die Erdnussanteile über die Luft übertragen werden könnten“, weiß Kronenberg. Doch ihr Fluganbieter nach Costa Rica kann nicht einmal erdnussfreies Essen garantieren. Zwölf Stunden dauert der Flug. Angeblich dürfe sie selbst Essen mitbringen. Kronenberg schockt das nicht. Unverständnis und Unkenntnis erlebt sie schon beim Bäcker: „Viele denken die Allergie mache nur Ausschlag. Wo so reagiert wird, kaufe ich nichts. Mittlerweile sage ich immer dazu, das jede Erdnussspur für mich lebensgefährlich ist.“ Vielleicht sollte da der Dolmetscher noch einmal ran.

Lebensretter Adrenalin

Adrenalin rettet Leben: Die Erdnuss zählt zu den gefährlichsten Nahrungsmittelallergenen: 1,5 Millionen US-Amerikaner leiden an der Allergie, 50 - 100 sterben pro Jahr daran. In Deutschland ist derzeit ein Prozent der Bevölkerung betroffen, Tendenz steigend. Nur bei jedem vierten jungen Erdnussallergiker verliert sich die Allergie wieder. Trotz des Versuchs, Erdnüsse zu meiden, treten häufig allergische Reaktionen auf: von Hautausschlägen bis zum „anaphylaktischen“ Schock bei dem sich der Blutdruck gefährlich abfällt und sich die Luftwege einengen. Er kann tödlich ausgehen. Darum benötigen Patienten ein Notfallset mit einer Adrenalinspritze. Wie man im Notfall reagiert, lernt man in einer „Anaphylaxieschulung“ wie sie das Allergiezentrum des Bochumer Ruhr-Uni durchführt. Infos: www.allergie-zentrum-ruhr.de oder  0234/50 92 835.

Anne Wohland

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Kommentare
21.04.2011
08:01
Warum eine Frau aus Essen mit drei Adrenalinspritzen auf Weltreise geht
von Twister | #3

Ich wünsche ihr auch eine schöne Reise! Ich hätte den Mut wahrscheinlich nicht.

20.04.2011
20:10
Warum eine Frau aus Essen mit drei Adrenalinspritzen auf Weltreise geht
von daniel_sued | #2

Die Frau hat meine Hochachtung, mir wäre das Risiko zu groß. Ich habe selbst eine Erdnuss und eine Sojaallergie und hatte auch schon sehr unangenehme Erlebnisse damit. Leider gibts immer wieder irgendwelche netten Menschen die diese Problematik nicht nachvollziehen können...
Gute Reise.

20.04.2011
13:53
Warum eine Frau aus Essen mit drei Adrenalinspritzen auf Weltreise geht
von Wassolldas | #1

Meine Güte, was für ein Theater! Ist schon saure Gurke Zeit oder was soll das jetzt? Gibt es echt wichtigeres.

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