Warum die Stadt Essen sich trotz ADFC-Kritik fahrradfreundlich sieht
06.02.2013 | 05:43 Uhr 2013-02-06T05:43:00+0100
Essen. Nach dem schlechten Abschneiden der Stadt Essen im "Fahrradklimatest 2012" zeigt sich Umweltdezernentin Simone Raskob entsetzt. Sie sieht die Entwicklung in Sachen Fahrradfreundlichkeit positiv. Schließlich habe allein das beschilderte Hauptroutennetz der Stadt eine Gesamtlänge von 200 Kilometern.
Jörg Brinkmann vom Essener Ableger des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) fasst das, was in den vergangenen sieben Jahren in Sachen Fahrradfreundlichkeit in der Ruhrstadt passiert ist, als „Stagnation auf niedrigem Niveau“ zusammen – Umweltdezernentin Simone Raskob beurteilt das ganz anders. Sie sieht im Ergebnis des „Fahrradklimatests 2012“ keinen Leerlauf, sondern Fortschritt.
Jörg Brinkmann habe fälschlich behauptet, dass neue Radwegetrassen ausschließlich von außen herangetragen worden seien, die Stadt sei daran nicht beteiligt. Diese Aussagen vermitteln nach Auffassung der Dezernentin ein falsches Bild der Entwicklung der vergangenen Jahre: „Essen hat mit dem Projekt ,Neue Wege zum Wasser’ in den vergangenen Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, neue Radwegeverbindungen – überwiegend abseits von Straßen – zu entwickeln und vorhandene zu ergänzen. Dieses Programm ist ein Kooperationsprojekt, in dem die Akteure, hauptsächlich Stadt Essen, Grün und Gruga , Regionalverband Ruhr , Emschergenossenschaft , Essener Arbeit- und Beschäftigungsgesellschaft und weitere effizient zusammenwirken. Daher hat mich die Einschätzung des ADFC überrascht.“
Netz wird stetig ergänzt
Unter Federführung der Stadt werde das Radwegenetz stetig ergänzt. Es verbinde Essen mit den Nachbarstädten und den übergeordneten landesweiten Radtrassen. Simone Raskob: „Im Hinblick auf das Kulturhauptstadtjahr haben wir zusammen mit dem Regionalverband Ruhr die Rheinische Bahntrasse als Radweg entwickelt und umgesetzt. Ohne unser Engagement würde es diese Trasse heute so nicht geben.“
In den vergangenen Jahren habe gerade die Stadt dazu beigetragen, das bruchstückhaft vorhandene Radwegenetz durch wichtige Lückenschlüsse zu ergänzen und zu vervollständigen. Die Bau-und Umweltdezernentin nennt dazu beispielhaft neben der „Wasser Route“ die „Natur Route“ und die „Stadt Route“ mit einer Gesamtlänge von 54 Kilometern. Damit verfüge Essen über das erste Teilstück des „Radschnellweg Ruhr “, der zwischen Duisburg und Hamm verlaufen soll.
Routen als schnelle innerstädtische Verbindungen
Zur Kulturhauptstadt seien unter der Regie der Stadt drei weitere Routen zu touristischen Sehenswürdigkeiten und als schnelle innerstädtische Verbindung entstanden.
Alleine das beschilderte Hauptroutennetz der Stadt habe eine Gesamtlänge von 200 Kilometern. Raskob: „Von Stagnation oder Leerlauf kann also nicht die Rede sein.“ In den vergangenen Jahren lag das Investitionsvolumen aller Partner bei über 20 Millionen Euro.
Und damit sei lange nicht Schluss: Weitere „grüne Trassen“ seien geplant. In Zeiten knapper Kassen sei allein diese Summe ein deutliches Zeichen und Bekenntnis zum Fahrrad als umweltfreundliches Verkehrsmittel in der Großstadt und Region, so die Dezernentin: „In Essen tut sich also ziemlich viel.“

17:01
m.E. sind die Wegweiser gerade für diejenigen Radfahrer wichtig, die eigentlich mehr als Autofahrer unterwegs sind. Ich empfinde die SEHR GUTE Beschilderung der Radrouten als äusserst wichtig, denn die Wege, die man als Autofahrer gewohnt ist, sind mit dem Rad gerade nicht empfehlenswert. Gute Beschilderung von radgeeigneten Routen ist m.E. schon fast so wichtig wie "mehr Radwege", denn wenig befahrene Seitenstraßen sind für Radfahrer m.E. genauso gut wie Radwege.
17:52
...wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe...!
Frau Raskob ist sicherlich nicht die "Schlechteste".
Die Stadt Essen sollte nicht beratungsresitent sein.
Auch wenn die Kassen nahezu leer sind, kann man mit gutem Willen auch einiges zusammen umsetzen. Letztendlich steht ein Bemühen im Vordergrund und der radfahrende Bürger erkennt dann auch, dass er mittendrin ist und nicht außen vor.
Prima, dass durch den KlmaTest mal Bewegung in den "Laden" kommt. Schön wäre es, wenn daraus ein anhaltender Dialog entstehen würde.
22:00
Die in der Bild-Untertitelung beschriebene Strecke ist übrigens die „Stadt Route“ und nicht die Wasser-Route". @DerWesten: bitte korrigieren
Zum grundsätzlichen Thema: Ja, man hat was getan für das Radfahren, aber das halt meist für den Freizeitfahrer. Muss man die Stadt mit dem Rad ansteuern, ist man gezwungen Wege zu nutzen, die nicht zum Radfahren einladen. Zu schmale Radwege, zugeparkt und nicht praktikabel. Wer z.B. von südlichen Kern-Stadteilen gen nördlichen Stadtteilen muss, dem wird als Radweg HBF - Grillotheater - Kennedyplatz - 1. Weberstr. - Turmstr. angeboten. Man hatte eine Riesenchance mit dem BB-Boulevard stadtnah eine fahrradgerechte Nord-Süd-Strecke zu schaffen und hat es verpennt. Und dann bitte endlich mal den Ausbau des Grünzugs Bernetal, der dann folgende Weg gen Altenessen ist ja schon ganz nett (wenn auch leider zu schmal). Dann die Kruppsche RingbEs gibt noch verdammt viel zu tun. Ideen und auch Möglichkeiten (Bahntrassen, Versorgungswege, etc.) gibt es genug.
21:43
Man kann die Kritik annehmen und es besser machen, oder man lässt es und macht weiter wie bisher :)
16:16
"Die „Wasser-Route“ führt vom Regattaturm am Baldeneysee zum Hafen Matthias Stinnes am Rhein-Herne-Kanal."
Aber das ist nicht das, was man täglich zum Einkaufen oder zur Arbeit fährt.
Essen macht sich für Alltagsfahrer uninteressant und gefährlich.
Auch in Essen bestimmen immer noch die ewiggestrigen Planer den Verkehr.
11:12
So eine groteske Fehleinschätzung habe ich selten gelesen.
Ich war gestern noch auf dem Ruhrtalradweg - auf dem Abschnitt zwischen Kettwig und der Mülheimer Stadtgrenze.
Ein solches SCHLACHTFELD von Weg habe ich überhaupt noch nie gesehen. Es war gar nicht möglich, einen Lücke zwischen den Schlaglöchern zu finden, die breit genug ist für einen Fahrradreifen. Und tief waren die. Ich war mit Leihrad unterwegs - und da war ich echt froh! Soll das doch kaputt gehen und nicht mein eigenes.
Und das war ja kein x-beliebiger Feldweg, sondern der offizielle Ruhrtalradweg. Wie konnte der nur so völlig verkommen? Da hat ja der Mond eine bessere Infrastruktur!
10:21
Das, was viele Ahnungslose und komplett Ahnungslose (=Verkehrsplaner) unter "fahrradfreundlich" verstehen, ist leider meist das Gegenteil.
Üblicherweise wird darunter der Bau neuer Radwege verstanden, seltener ist damit die Vorstellung "besserer" Radwege verbunden.
Die meisten Radwege sind zu idiotisch angelegt, um gefahrlos benutzt zu werden.
Die Lösung kann m.E. nicht eine "fahrradfreundliche" Infrastruktur sein, denn dabei kommt nur gequirlter Mist heraus und das Büchsenfleisch ärgert sich über das viele, viele Geld von "seinen" Steuern für Baumaßnahmen, die von den "Radl-Rambos" nicht mal benutzt werden.
Man sollte dem Dosenfleisch nicht böse sein, es kann nicht anders.
Die Lösung könnte in einer _menschen_freundlichen Infrastruktur liegen. Dazu müssten die Verkehrsplaner aber erst einmal ihre ADAC-Brille absetzen und aufhören, autogerecht zu planen.
Damit wurde nicht mal ansatzweise angefangen.
09:38
Das ist ein Witz.
Das Fahrrad taugt in Essen nicht als Fortbewegungsmittel, sondern höchsten als Freizeitbeschäftigung.
Da, wo Radwege benötigt wären, um z.B. zum Job zu kommen, gibt es keine.
Und zwischen den Autos herzufahren, ist der Albtraum.
Entweder steht man im von den Autos verursachten Atsus und darf deren Abgase einatmen, und sich von irgendwelchen dachspeichern anpöbeln lassen, wenn man versucht, sich da irgendwo durchzuwursteln.
Oder der Verkehr läuft mit 50 - 70 km/h und man wird ständig überholt, ohne dass die Autofahrer es für nötig befänden, dabei irgendeinen Sicherheitsabstand einzuhalten.
Und die wenigen Radwege, die es gibt, werden konsequent als Fußwege und Parkplätze benutzt.
Ich habe mir das Fahrradfahren, seit ich in Essen wohne, abgewöhnt.
09:30
Klar fahrradfreundlich.........aber nur rund um den Baldeneysee!
Rund um den Baldeneysee ja, aber haben Sie mal versucht von Heisingen zum Stadtwaldplatz zu kommen? Als 13/14-jähriger bin ich mich dem Fahrrad auf der Hauptstaße zur Schule gefahren - bis Stadtwald ohne Radstreifen. Als mir das zu gefährlich wurde habe ich angefangen durch den Wald zu fahren. Es kam dann noch besser und ich wurde dann auf dem Radstreifen auf der Wittenbergstraße von Aurofahrern geschnitten. Zur Freizeitgestaltung gibt es genug Angebote für Radfahrer, aber um von A nach B zu kommen, müssen Umwege oder Gefahren auf sich genommen werden.
09:14
Ich kann #3 teilweise zustimmen. Die duale Nutzung von Geh- und Radwegen ist meist nicht sonderlich gut gelöst. Die Fahrradfahrer sind gezwungen diese Wege zu nutzen obwohl sie eigentlich die Straße nutzen könnten. Deshalb bin ich dafür die Radwege abzuschaffen und den Radverkehr auf die Straße zu verlagern. Von Gehweg laufen die Kinder auf den Radweg was zu Gefahrensituationen führt. @3 Lassen sie ihrer Kinder auch auf die Straße laufen? Warum dann auf den Radweg?
Der Fahrradfahrer muss als gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer angesehen werden.
Genau, und die Kinder dann ab 13 Jahren mit Fahrrad ab auf die Hauptstraße schicken! Ist das ihr Wille?