Warum die Stadt Essen beim Thema Carsharing hinterher fährt

Bei der Carsharing-Dichte fährt Essen hinterher.
Bei der Carsharing-Dichte fährt Essen hinterher.
Foto: Ulrich von Born / NRZ
Was wir bereits wissen
In einer Vergleichsstudie des Bundesverbandes Carsharing belegt Essen nur Platz 59. Warum? Es gibt nicht genug ausgewiesene Stellplätze.

Essen.. Beim Thema Carsharing fährt Essen nicht in der Spitzengruppe mit – sehr zum Leidwesen der Branche. Matthias Kall vom Anbieter Stadtmobil stellte der selbst ernannte Ruhrmetropole deshalb jüngst in dieser Zeitung ein äußerst bescheidenes Zeugnis aus. Für eine Stadt mit mehr als 500 000 Einwohnern sei die Anzahl von nicht einmal 100 Carsharing-Autos „einfach nur peinlich“.

Wie peinlich das ist, hat die Stadt Essen nun schwarz auf weiß: In einer vom Bundesverbandes Carsharing e.V. vorgestellten Vergleichsstudie landet Essen unter 136 deutschen Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern gerade einmal auf Platz 59. Zwischen Karnap und Kettwig kommen statistisch gesehen auf 1000 Einwohner gerade einmal 0,14 Carsharing-Autos.

Ruhrgebiet schneidet bescheiden ab

Da ist es wenig tröstlich, dass Essen in dieser Rankingliste unter den zehn größten Städten Deutschlands nur Dortmund hinter sich lässt, zeigt die Bierstadt uns Essenern in ruhrgebietsweiten Vergleichen doch gerne mal die lange Nase. Diesmal nicht, Dortmund landet bei der Carsharing-Dichte mit einer Quote von 0,12 nur auf Platz 66. Überhaupt schneidet das Ruhrgebiet bescheiden ab. Bochum ist hier die Nummer eins – und liegt doch nur einen Platz vor Essen.

Carsharing Das Ergebnis des Vergleichstests passt ins Bild. Zur Erinnerung: Es ist erst gut drei Monate her, da wischte der Planungsausschuss des Stadtrates einen Vorschlag der Verwaltung, an 36 Standorten Stellplätze für Carsharing-Mobile auszuweisen, vom Tisch. Dabei wäre nach Einschätzung des Bundesverbandes Carsharing „noch dynamischer“, gelänge es flächendeckend Carsharing-Stationen im öffentlichen Raum einzurichten. In Essen gibt dort nicht eine einzige. Jene, die es gibt, befinden sich auf Privatgelände. Bei den von der Verwaltung ins Spiel gebrachten 36 Standorten handelte es sich zumeist um Baulücken.

Carsharing-Kritiker sorgen sich um Stellplätze

Der Widerstand gegen Carsharing ist groß. Dahinter steht die Sorge, dass Stellplätze wegfallen könnten, wo Parkraum ohnehin knapp ist, zum Beispiel in Rüttenscheid. Kritiker verweisen dort gerne auf gerne auf Stellplätze, die vom Carsharing-Projekt „RUHRAUTOe“ genutzt werden; eingerichtet wurden diese allerdings grundsätzlich für Elektro-Mobile und nicht exklusiv für Carsharing-Autos.

Die Krux: Gerade in dicht bebauten Quartieren würde sich mancher Anwohner die ermüdende Suche nach einem freien Parkplatz gerne ersparen. Die Neigung, sich ein Auto mit anderen zu teilen, dürfte folglich größer sein. Davon profitieren auch andere. „Ein Carsharing-Auto ersetzt bis zu zehn private Pkw. Dadurch reduziert sich der Parkdruck“, betont Gunnar Nehrke vom Bundesverband Carsharing. Damit diese Rechnung aufgeht, bedürfe es jedoch eines langen Atems von bis zu drei Jahren. So viel Ausdauer zeigt Essen bislang nicht.