„Wahlchancen der SPD nachhaltig geschmälert“

Der Vorstand des SPD-Ortsvereins Kettwig hat sich in einem Brief an die Mitglieder einstimmig für eine erneute Nominierung des amtierenden Oberbürgermeisters Reinhard Paß ausgesprochen und bei dieser Gelegenheit heftige Kritik an der Parteiführung geübt. Vorsitzender der SPD Kettwig ist mit Jöran Steinsiek ein enger Vertrauter des OB, der unter anderem mithalf, für Paß eine Strategie für dessen Präsenz in sozialen Netzwerken zu entwickeln.

„Ohne Not hat die neue Parteivorsitzende Britta Altenkamp noch vor ihrer Wahl in der Presse unseren amtierenden Oberbürgermeister Reinhard Paß angegriffen und damit die Wahlchancen der Essener SPD nachhaltig geschmälert“, heißt es in dem Mitgliederbrief. „Dieses Verhalten heißen wir nicht gut. Es spielt der CDU und den übrigen Parteien in die Karten, da in der Öffentlichkeit der Eindruck einer zutiefst zerstrittenen SPD entstanden ist.“ Diese „fragwürdigen Entscheidungen und peinlichen kommunikativen Fettnäpfchen der Führungsspitze der Essener SPD“ hätten zu einer „leider zugespitzten Lage“ geführt. Dies wiederum habe es nötig gemacht, dass die Partei einen OB-Kandidaten nominieren müsse, obwohl es nach Ansicht zumindest des Kettwiger Ortsvereinsvorstands keinen nachvollziehbaren Grund gebe, den Amtsinhaber fallen zu lassen. Allerdings begrüße man nun dass der Unterbezirksvorstand doch dem Ratschlag der Ortsvereine gefolgt sei und nun immerhin alle Mitglieder abstimmen können.

Kein gutes Haar lässt der Kettwiger Ortsverein an Paß’ Herausforderin Angelika Kordfelder. „Sie blieb in der ersten Regionalkonferenz fast immer unkonkret“, heißt es. Obwohl sie früher kommunalpolitisch in Essen aktiv war, „scheint ihr die aktuelle Lage in der Stadt Essen zu vielen Punkten nicht bewusst zu sein. Viele Fragen konnte sie nicht zufriedenstellend beantworten“, urteilen die Kettwiger. „Auch wenn sich Angelika Kordfelder sicher in der rund 70 000-Seelen-Gemeinde Rheine als Bürgermeisterin macht“, heißt es etwas herablassend, sei der Vorstand der SPD Kettwig doch auf Paß eingeschworen. Er sei für die Großstadt Essen ein würdiger OB, habe „nicht nur Visionen, sondern vor allem konkrete Antworten und Handlungsempfehlungen geliefert, um unsere Stadt weiter voran zu bringen.“ Das betreffe etwa die Themen Arbeitsmarkt und Schuldenabbau, die Förderung ehrenamtlichen Engagements und das Verbessern von Bildungschancen. „Anders als seine Herausfordererin, hat Reinhard Paß in den vergangenen sechs Jahren gezeigt, dass er die Stadt Essen auf dem kommunalen, regionalen, nationalen und internationalen Parkett sehr gut vertreten kann.“