Vorhang auf und zu für die FDP

Liberale Politik und Lebensfreude bleiben zumindest in Essen aufs engste miteinander verwoben. Da ist in einer normalen Fraktionssitzung wie sie gestern über die FDP-Bühne ging, allemal Platz für den Besuch des Karnevals-Prinzenpaares – und auf der Suche nach einem Kandidaten ums höchste Amt der Stadt landeten die Freien Demokraten jetzt einmal mehr bei Christian Stratmann, einem ausgewiesenen Experte in Fragen heiterer Zerstreuung.

Schon bei der Kommunalwahl 2009 hatte die FDP ihren 63-jährigen Schatzmeister und Chef des Mondpalastes in Wanne-Eickel für die Oberbürgermeister-Wahl ins Rennen geschickt, jetzt setzte sich dieser beim Kreishauptausschuss der Liberalen mit 15 zu 4 Stimmen gegen seinen Herausforderer Detlef Below durch. Eine förmliche Wahl soll am 26. Februar stattfinden, alle Mitglieder haben Stimmrecht. Also auch Ex-Sozialdemokrat Peter Lotz, „wenn er seine Beiträge bezahlt hat“, wie einer augenzwinkernd anmerkt, aber das scheint noch das geringste Problem an der Personalie.

Denn nach wie vor ungeklärt steht der Streit um Lotz’ Aufnahme in die FDP-Ratsfraktion im Raum. Ratskollege Andreas Hellmann will den langjährigen SPD-Genossen zunächst hospitieren lassen, eine Art Quarantäne von zwei oder drei Ratssitzungen, bevor man über die Aufnahme entscheidet.

Fraktionschef Hans-Peter Schöneweiß dagegen peilt die umgehende Aufnahme an, notfalls, so scheint es, indem das noch im August bestätigte Fraktionsstatut geändert wird, das Einstimmigkeit vorsieht: „Wir werden uns in Kürze sicher darüber unterhalten müssen, ob das Statut in dieser Form so bestehen bleiben kann“, formuliert Schöneweiß.

Das klingt, als würde auf liberaler Bühne bald der Vorhang für einen neuen Akt im Streit aufgehen. Hellmann droht mit Rechtsmitteln, er meint es ernst. Und sparte sich gestern das Helau für den närrischen Besuch. Er hatte Termine.