Vor 25 Jahren: Kettwiger Eltern gründen Kindergarten

Bettina und Sigurd Holler gehören zu den Eltern, die die Kinderinitiative Kettwig vor 25 Jahren gründeten. Eine ihrer vielen Nachfolgerinnen im Elternvorstand ist Vera Moselage (links).
Bettina und Sigurd Holler gehören zu den Eltern, die die Kinderinitiative Kettwig vor 25 Jahren gründeten. Eine ihrer vielen Nachfolgerinnen im Elternvorstand ist Vera Moselage (links).
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
Elterninitiative entstand aus der Not heraus. An den Kampf gegen Widerstände erinnert sich der damalige Vorstand Sigurd Holler

Wenn Sigurd Holler heute auf „sein Werk“ zurückschaut, dann tut er das voller Stolz: Vor 25 Jahren hat der vierfache Vater aus der Not heraus einen Kindergarten mitgegründet. Die Kinderinitiative Kettwig, kurz KiK genannt, gehört heute zu den festen pädagogischen Einrichtungen im südlichen Stadtteil und wird weiterhin von Eltern geführt.

Den Anfang machte eine Zeitungsanzeige im Jahr 1990: „Kettwiger Eltern gesucht, deren Kinder keinen Platz im Kindergarten bekommen“, hieß es darin. Knapp 30 kamen zum ersten Treffen und schnell war klar: Sie mussten selbst aktiv werden. „Das war die einzige Lösung, denn die Stadt hatte kein Geld für einen Kindergarten“, so Holler. Damals gab es in Kettwig nur konfessionelle Kindergärten, „da meine Kinder nicht getauft waren, hatten sie schlechte Chancen“.

Ein gemeinnütziger Verein als Träger wurde schnell gegründet, „doch dann warteten viele Widerstände auf uns“. Beide Kirchen waren nicht gerade begeistert von der Konkurrenz, zudem sie sich den Vorwürfen der Elterninitiative stellen mussten, ihre Vergabekriterien seien undurchsichtig.

Die Stadt musste ihr Okay geben, der Verein anerkannt und ein passendes Grundstück gefunden werden. „Aber das größte Problem war das Geld: Unser eh schon hoher Eigenanteil reichte lange nicht aus.“ Doch die Eltern ließen nicht locker: So konnten sie alle wichtigen politischen Parteien für ihre Pläne gewinnen. „Damit kamen wir auch an die entsprechenden finanziellen Fördertöpfe.“

Dann fand sich am Bögel ein Grundstück inklusive Gebäude. Dort trat ein neuer Konflikt auf: Ein ansässiger Architekt beanspruchte das Gelände des ehemaligen Jugendzentrums für sich und versuchte die Pläne der Initiative zu torpedieren. „Das gelang ihm nicht, so dass wir dort mit dem Umbau beginnen konnten.“

Der nächste Fallstrick ließ nicht lange auf sich warten: Die Eltern hatten große Befürchtungen, dass ihre Idee den Sparbeschlüssen des Stadtkämmerers zum Opfer zu fallen würde. „Daraufhin schrieben wir einen offenen Brief an den damaligen Landesvater Johannes Rau und plötzlich gab es keine Schwierigkeiten mehr.“

Als alles in trockenen Tüchern war, mussten die Eltern über ein pädagogisches Konzept beraten. „Wir wollten alles besser machen als die herkömmlichen Kindergärten.“ Man orientierte sich an der Montessori-Pädagogik und suchte dann entsprechende Mitarbeiter. „Auch das war für mich völlig neu: Plötzlich war ich Arbeitgeber“, erinnert sich der Gewerkschaftssekretär. Nach anderthalb Jahren war es dann soweit: 45 Kinder fanden Platz in dem frisch renovierten Gebäude.

Dass er alles richtig gemacht hat, davon konnte sich Sigurd Holler mit seiner Frau Bettina unlängst bei einem Besuch überzeugen: Zwei Erzieherinnen, die er vor 25 Jahren eingestellt hat, sind immer noch da. Auch das pädagogische Konzept wurde weiter fortgeführt: Nach wie vor ist KiK ein Ort, an dem Kinder sich frei entfalten können. „Wir arbeiten bindungsorientiert, beschäftigen uns intensiv mit den Kindern“, erklärt Vera Moselage. Die Mutter sitzt aktuell im Elternvorstand der Kinderinitiative – und ist somit eine der vielen Nachfolgerinnen von Sigurd Holler.