Von Siegern und Verlierern

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Nur noch 1,9 Prozent aller Viertklässler sind fürs nächste Schuljahr an einer Hauptschule angemeldet worden, jetzt muss die Hauptschule an der Bischoffstraße in Altenessen dran glauben, wird mittelfristig geschlossen: „Diese Schulform“, erbost sich Henner Höcker, „ist marginalisiert worden, es ist jetzt die Fortsetzung des Verhungernlassens am langen Arm.“ Höcker spricht für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), ist seit 1978 Hauptschullehrer, unterrichtet an einer der letzten vier verbleibenden Hauptschulen, der Hauptschule Bochold. Für ihn ist das Sterben der Hauptschule einfach unfair.

Denn dort, an der Hauptschule, gebe es die geballte Kompetenz im Umgang mit diesen Kindern, die ja plötzlich nicht verschwinden, auch wenn die Hauptschule verschwindet; Höcker sagt, die Hauptschule habe immer früh auf neue Herausforderungen reagiert. Stimmt, als eine der ersten Schulen im Stadtgebiet nahm die Bischoffstraße Kinder mit Lernbehinderungen auf, da hatte das Wort von der „Inklusion“ noch gar nicht die große Runde gemacht. 363 Schüler hat die Hauptschule an der Bischoffstraße im nächsten Schuljahr noch; rund 30 Lehrerkollegen arbeiten dort, schätzt Höcker. An der Bischoffstraße selbst hüllt man sich am Montagmorgen in Schweigen.

Dafür sprechen andere: „Das Ende der Hauptschulen ist bedauerlich, aber nicht zu ändern“, sagt Andreas Kalipke, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Ich bin Anhänger des dreigliedrigen Schulsystems, doch ich sehe keine Entwicklungsmöglichkeiten für die Schulform Hauptschule. Dafür sind die Zahlen zu eindeutig.“ Auch Essens Schuldezernent Peter Renzel hatte am Wochenende bei der Vorstellung der Anmeldezahlen deutliche Worte gefunden: „Die Hauptschule wird von den Eltern abgewählt.“ Gleichwohl werde künftig der Hauptschul-Standort Wächtlerstraße (Südostviertel) „gestärkt“; dort waren 2007 aufwändige Umbau-Arbeiten für einen Ganztagsbetrieb erfolgt.

Andreas Hellmann (FDP) findet den Untergang der Hauptschulen ebenfalls „bedauerlich“, freut sich um so mehr über das gute Abschneiden der Realschulen. Und Manfred Reimer, der schulpolitische Sprecher der SPD, findet, man hätte das langsame Sterben der Hauptschulen verhindern können, wenn man sie schon vor Jahren hätte „kontrolliert auslaufen lassen“. Doch so habe es sich die Stadt am einfachsten gemacht, sei den geringsten Weg des Widerstandes gegangen, doch „ob das der beste Weg für Schüler und Lehrer war, ist fraglich“.

Was den allgemein ungebrochen großen Zuspruch der Gymnasien angeht, zeigt sich Reimer als „erfreut“ und mutmaßt, das sehr gute Abschneiden des Gymnasiums Überruhr (181 Anmeldungen, Spitzenwert der städtischen Gymnasien) habe womöglich auch etwas mit dem Erweiterungsbau zu tun: Der wurde im Frühjahr 2012 eingeweiht, „da hat die Schule wirklich etwas Gutes vorzuweisen“.

Bemerkenswert ist das hervorragende Ergebnis in Überruhr übrigens auch deshalb, weil es sich um ein Ganztags-Gymnasium handelt: „Der Ganztag an Gymnasien im Süden ist gefragt, das ist erfreulich“, sagt Reimer – und verweist damit auch auf das gute Abschneiden des Rüttenscheider Maria-Wächtler-Gymnasiums (118 Anmeldungen), das im sechsten Jahr im Ganztagsbetrieb arbeitet.