Von Kickern und Künstlern im Stadion Essen

WAZ-Leser besichtigten das Stadion Essen. Sven Bätje (l.) von der Sportstättenbetriebsgesellschaft gab den kundigen Guide.
WAZ-Leser besichtigten das Stadion Essen. Sven Bätje (l.) von der Sportstättenbetriebsgesellschaft gab den kundigen Guide.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Im neuen Stadion an der traditionsreichen Hafenstraße dreht sich längst nicht alles um König Fußball. Da wird die Umkleide der Mannschaft schon mal zur Garderobe für einen Star-Solisten.

Essen.. Günther Wilms ist RWE-Fan mit Leib und Seele. Natürlich hat er auch für die kommende Saison eine Dauerkarte gekauft. Auf der Rahn-Tribüne im Stadion Essen wird er den Rot-Weißen die Daumen drücken. So wie er es über Jahrzehnte im Georg-Melches-Stadion getan hat. „Die Atmosphäre war unvergleichlich“, schwärmt er. Und wie gefällt ihm das neue Stadion? Gemeinsam mit neun weiteren WAZ-Lesern blickte Günther Wilms einmal hinter die Kulissen und erfuhr, dass sich an der traditionsreichen Hafenstraße 97a längst nicht mehr alles allein um Fußball dreht.

Dass dies so ist, gehört zum Job von Sven Bätje von der Sportstätten-Betriebsgesellschaft. Die Tochtergesellschaft der städtischen Grundstücksverwaltung Essen (GVE) vermarktet das Stadion als multifunktionale Spielstätte. Konzerte, Manager-Seminare – alles ist möglich. Da wird die Umkleidekabine, in die Gastmannschaften die Fußballschuhe schnüren zur Künstlergarderobe. Als Rockstar Ozzy Osbourne an der Hafenstraße gastierte, ließ der Hausherr die Kabine auf Wunsch des Sängers mit schwarzem Samt auskleiden und ein schwarzes Ledersofa hineinstellen. „Und etwas zu trinken gab es natürlich auch“, schmunzelt Bätje und hat die Lacher auf seiner Seite. Es wird nicht nur Mineralwasser gewesen sein. Den Aufzug musste Bätje damals eigens für den Altrocker blockieren. „Ein Ozzy Osbourne geht keine Treppen.“ Man darf gespannt sein, welche Extrawünsche Xavier Naidoo und der Graf anmelden, die hier im August und September auftreten.

König Fußball führt das Zepter

Noch steckt das Konzertgeschäft im Stadion in den Kinderschuhen, bislang zahlte die GVE sogar drauf. Mit bisher 160 Drittveranstaltungen ist man dort aber durchaus zufrieden. Der 1300 Quadratmeter große Assindia-Bereich der Haupttribüne sei flexibel nutzbar, schwärmt Bätje. Mit ein paar Handgriffen lassen sich Zwischenwände einziehen und beleuchtungstechnisch hat der Raum mehr zu bieten als nur rot und weiß. Wer es gemütlicher wünscht, kann auch eine Loge im Oberrang mit exklusiver Aussicht mieten.

Trotz der Konzerte und Konferenzen führt natürlich König Fußball das Zepter. Und wie! „Wir haben ein zweitligataugliches Stadion gebaut“, betont Markus Kunze von der GVE. Sollte RWE eines Tages in die Bundesliga aufsteigen, würden wohl auch die zugigen Ecken zugebaut. Der Rasen ist sogar bereits WM-tauglich. Auf dem gleichen Geläuf wurde schließlich schon 2006 beim Sommermärchen gekickt. Die Pflege ist eine Wissenschaft für sich. Zwei Greenkeeper kümmern sich liebevoll um jeden Grashalm. Das Betreten ist streng verboten. Sonst wachsen hier bald Gänseblümchen oder – schlimmer noch – Pilze, deren Sporen unter den Schuhen haften und sich auf dem Grün ausbreiten könnten. So viel Leidenschaft spricht sich herum. Die Königlichen von Real haben einen Greenkeeper nach Madrid eingeladen, berichtet Markus Kunze von einem jüngst erteilten Ritterschlag.

Und wie gefällt das neue Stadion? „Ich bin total begeistert“, sagt WAZ-Leser Thomas Wittenberg. Das Fazit von Franz-Josef Weyers lautet: zweckmäßig, aber sehr gelungen. Und RWE-Fan Günther Wilms? Ist angetan: „Das neue Stadion ist super.“