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Kommunale Finanzen

Von Essen lernen heißt sparen lernen

30.09.2010 | 06:34 Uhr
Von Essen lernen heißt sparen lernen
Foto: Oliver Müller

Essen.Die Bezirksregierung Düsseldorf lobt den Sparkurs der Stadt Essen – und lockert die Finanzfesseln. Dennoch muss vor allem Kulturlandschaft weiterhin bittere Pillen schlucken. Kulturdezernent Andreas Bomheuer muss weitere 575.000 Euro einsparen.

Es ist ein langer und wohl auch schmerzhafter Weg vom Buhmann zum Vorbild, aber Essen so scheint es, hat ihn geschafft: In einer zwölfseitigen Verfügung, die der Stadt am Dienstag um kurz nach zehn erstmals schriftlich gab, was man zuvor bereits mündlich erörtert hatte, lobt die neue Regierungspräsidentin Anne Lütkes ausdrücklich den eingeschlagenen Sparkurs der Stadt.

Verwaltung wie Politik hätten mit ihren weit reichenden Beschlüssen „nicht davor zurückgeschreckt, auch durchaus unpopuläre Konsolidierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen“, man habe mit den Steuererhöhungen „Weitsicht bewiesen“, sei anders als in früheren Jahren bei den Sparplänen sehr viel konkreter geworden und habe ein deutliches Zeichen gegeben, um angesichts der drohenden Überschuldung 2013 die Kurve noch zu kriegen. Damit nehme die Stadt, „eine gewisse Vorbild-Funktion für andere Kommunen ein“.

Für OB Reinhard Paß und Kämmerer Lars-Martin Klieve war die mit dem Lob verbundene Lockerung der finanziellen Fesseln eine Bestätigung der Arbeit, auf die man stolz sein könne: „Dies ist ein guter Tag für die Stadt und die kommunale Selbstverwaltung“ – auch wenn die Essener Finanzexperten für die lange Liste anstehender Investitionen Kredite rund 39 Millionen Euro aufnehmen wollten, die Kommunalaufsicht aber nur 31 Millionen akzeptiert. Kämmerer Klieve sieht darin kein echtes Problem, weil der Planungszustand mancher Projekte eh noch keinen Baubeginn möglich mache.

Eine bittere Extra-Sparpille für die Kultur

Doch bei allem Lob der neuen Regierungspräsidentin – Anne Lütkes hat in ihre Verfügung zum Stadt-Etat auch die eine oder andere kritische Anmerkung eingebaut. So müsse die bislang rein rechnerische Herangehensweise an den anstehenden Personalabbau bei der Stadtverwaltung („1000 Stellen“) erst „noch mit Leben gefüllt werden“. Wünschenswert wäre, heißt es, mit einer eingehenden Aufgabenkritik im weiten Fundus der städtischen Dienstleistungen konkret belegen zu können, auf welchen Feldern wie viele Stellen wegfallen. „Ich werde auf diesen Bereich in der kommenden Zeit mein besonderes Augenmerk legen.“

Auch andere Kürzungen auf geduldigem Papier nennt die Regierungspräsidentin „sehr ehrgeizig“, wenn auch zugleich unerlässlich. Nicht zuletzt der Ansatz, ab dem Jahr 2014 jeweils nicht mehr als ein Fünftel des noch vorhandenen Eigenkapitals aufzuzehren, sei ein Kraftakt. Schließlich drücken angesichts der hohen Verbindlichkeiten von rund drei Milliarden Euro (davon zwei Milliarden als kurzfristige Kassenkredite) so viele Zinsen, dass ab 2014 der laufende Verwaltungsetat ausgeglichen sein müsste: „ein mehr als ehrgeiziges Ziel“.

Neben der Sportlandschaft, auf die die Kommunalaufsicht ein waches Auge werfen will, muss auch der Kultursektor eine bittere Extrapille schlucken: Die Bezirksregierung will sich nämlich nicht damit zufrieden geben, dass die höheren Betriebskosten beim Museum Folkwang in Höhe von 2,1 Millionen Euro nur zum größten Teil im Kultursektor kompensiert wurden.

Die Folge: Kulturdezernent Andreas Bomheuer ist gezwungen, noch dieses Jahr zusätzliche 575.000 Euro in seinem Dezernat einzusparen – und kommendes Jahr noch einmal rund 420.000 Euro. Das sei, so bekannte Oberbürgermeister Reinhard Paß gestern, „eine sehr sportliche Aufgabe“. Im Zweifel müsse wohl der Rasenmäher ran.

Wolfgang Kintscher

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Kommentare
08.09.2010
07:27
Von Essen lernen heißt sparen lernen
von Mike Kloepar | #14

Leider mal wieder ein Tippfehler.
Es muß heißen
Von Essen lernen - Wie man den Bürger für dumm verkauft.

03.09.2010
10:50
Von Essen lernen heißt sparen lernen...
von ABD | #13

Und den Dozenten der VHS mal eben ihre Honorare nicht zahlen.... Super-Vorbild

01.09.2010
22:08
Von Essen lernen heißt sparen lernen...
von nachdenklichergelsenkirchener | #12

Heißt es nicht im Original: Von der Sowjetunion lernen heißt siegen lernen!, oder vertue ich mich da? Die SU hat es ja nun noch nicht einmal ein Jahrhundert gegeben, was also hat denn Essen nun vor?

01.09.2010
21:23
Von Essen lernen heißt sparen lernen...
von OER | #11

Was hats denn großartig mit Sparen zu tun, wenn man die Gewerbesteuern und die Grundsteuern erhöht? Wenn die RWE ständig die Gebühren anhebt (und dafür offiziell gerügt wird, da sie eigentlich sogar die Gebühren hätten senken müssen).

01.09.2010
12:57
Von Essen lernen heißt sparen lernen...
von HoneckersErbe | #10

Das ist wieder so eine Überschrift, dass ich dachte ich hätte Neues Deutschland aufgeschlagen.
Ich bin, auch wenn alle Politiker davon schwätzen, nicht bereit weniger Schulden zu machen als Sparen durchgehen zu lassen.
Sparen heißt Geld zurücklegen und Zinsen dafür zu bekommen. Davon ist der Haushalt Lichtjahre entfernt und lernen kann man nichts davon.

Ist das jetzt Volksverdummung oder will sich die WAZ als Parteiorgan der Schuldenmacher Parteien bewerben.
Den letzen maroden Staat in Deutschland, der auch an seiner Überschuldung zusammenbrach, haben wir vor 20 Jahren begraben. Aber danach haben die Leute wenigstens noch Pressefreiheit und einen kritischen Journalismus bekommen.
Aber WAZ für die Ruris reicht.

01.09.2010
12:38
Von Essen lernen heißt sparen lernen...
von karlleokraus | #9

Von Essen lernen heißt sparen lernen!?
Ironie oder Realsatire?
Aber, stimmt genau, die nur 3 Mrd. Euro Verbindlichkeiten sind mit Weitsicht bewiesen geradezu treffend beschrieben.
Und mal sehen wieviel am Ende vom eingeschlagenen Sparkurs tatsächlich erreicht wird?

01.09.2010
12:21
Von Essen lernen heißt sparen lernen...
von Mullemaus | #8

Genau, in einem anderen Bericht ist zu lesen wie viel Geld die Stadt für das neue Stadion aufnehmen will/ muss. Das Wort sparen hat für mich eine andere Bedeutung. Aber zur Not kann man ja im nächsten Jahr erneut die Grundsteuer erhöhen oder ....... Wir Essener sind ja sehr folgsam und machen dies alles mit. Wie lange noch? Da lob ich mir die Bürger Stuttgarts, die da dieser Tage sagen mit uns nicht mehr und wenigsten versuchen ihre Meinung kund zu tun

01.09.2010
11:49
Von Essen lernen heißt sparen lernen
von wolfgang123 | #7

Dann kann die Stadt jetzt ja wieder die Kohle raushauen. Ein Stadion mit 20.000 Zuschauerplätzen für einen Vereiin aus der fünften Liga. Wenn jemand nach Sparvorschlägen sucht, hätte ich eine Idee...

01.09.2010
11:31
Von Essen lernen heißt sparen lernen
von Kommentar von mir | #6

..10 % davon wurden für die tollen Pflastersteine am Bahnhof ausgegeben .

01.09.2010
11:11
Blockierter Kommentar.
von Dimmendaal | #5

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