Von der Wolle zum Pullover

Schuir..  Hektor ist besonders aufgeregt. Er ist hier schließlich der Boss. Deshalb rennen ihm die anderen auch hinterher. „Aber heute gibt Hektor wirklich besonders Gas“, sagt Vanessa Burneleit und lacht, während sie Hektor hinterher schaut. Burneleit arbeitet seit zwölf Jahren ehrenamtlich bei der Naturschutzjugend Essen/ Mülheim. Und Hektor ist ein Schaf.

Er und die anderen Schafe auf der Obstwiese „An der Meisenburg“ sind so aufgeregt, weil gerade 17 Kinder über den Zaun geklettert sind und jetzt mitten auf der Wiese stehen. Mit Tüten voller Futter versuchen sie nun das Vertrauen der Schafe zu ergattern.

Jetzt während der ersten warmen Frühlingstage hat die Naturschutzjugend ein neues Projekt begonnen: „Vom Schaf zu Wolle“ – so können die Kinder selber erleben, wie viel Arbeit hinter dem fertigen Garn steckt, aus dem später Pullover und Socken entstehen können. „Wenn so ein Pulli nur zehn Euro kostet, ist also irgendetwas verkehrt“, sagt Burneleit, während die ersten Kinder zu ihr kommen und ihr die leeren Tüten geben. Johannes hat noch Futter in seiner Tüte und streckt seine Hand aus, damit die Schafe an die Körner kommen. In den Osterferien macht er ein freiwilliges Sozialpraktikum für die Schule bei der Naturschutzjugend und hilft nun auch auf der Weide ehrenamtlich. Während der letzten Tage hat er schon bei dem Projekt „Von der Biene zum Honig“ mitgeholfen, das die Naturschutzjugend ebenfalls anbietet.

Hier lernen er und die anderen nun aber etwas über die Verarbeitung von Wolle. Die Wiese, auf der die Schafe leben, ist zwar Privateigentum, die Tiere gehören aber der Naturschutzjugend. Dort leben Coburger und Heidschnucken – beides seien gefährdete Haustierrasse, erklärt Vanessa Burneleit: „Der erste Gedanke war, mit den Schafen zu zeigen, wie traditionelle Landschaftspflege ausgesehen hat bzw. heute auch noch aussehen kann“, erklärt sie weiter.

Als nächstes wollen die Mitglieder der Naturschutzjugend nun aber überlegen, wie sie die Schafe regelmäßig auch in weitere Projekte einbinden könnten – die Wolle sei ja ohnehin vorhanden.

Als nach einer halben Stunde schließlich alle Futter-Tüten leer sind und die Kinder die Schafe besser kennen gelernt haben, geht es zur nächsten Station. Drei kleine Becken stehen schon bereit - hier Waschen sie die Wolle mit Soda: „Man geht immer ein Becken weiter, damit das Soda Stück für Stück wieder aus der Wolle gewaschen wird“, beschreibt Vanessa Burneleit diesen Schritt.

Färben mit Brennnessel

Danach soll die Wolle bunt werden. Dafür kramt Burneleit gleich mehrere große Gläser aus einem Autoanhänger und stellt sie auf eine Bank. „Ich habe extra Rote Beete, Kamille und Ringelblüten dabei und gleich können die Kinder auch noch Brennnesseln suchen – das sind alles Materialien, mit denen man ganz einfach die Wolle färben kann“, beschreibt sie diesen Schritt.

Danach spinnen die Kinder mit einer selbstgebauten Spindel die gewaschene und gefärbte Wolle zu einer Schnur. Am Ende sollen so alle ein fertiges und buntes Garn-Knäuel haben, das sie dann auch mit nach Hause nehmen dürfen.

Noch ist es allerdings zu früh, um die Tiere zu scheren. Daher hat Vanessa Burneleit einfach einige Knäuel Wolle vom vergangenen Jahr mitgebracht, mit der Johannes und die anderen Kinder jetzt arbeiten können – Hektor und die anderen Schafe haben nun also erst einmal wieder Ruhe.