Von der Förderschule ins Filmgeschäft

Das waren die Preisträger von „Essens Beste“ im Jahr 2012.
Das waren die Preisträger von „Essens Beste“ im Jahr 2012.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der Preis „Essens Beste“ geht an junge Menschen mit besonderen Talenten. Jetzt wurden die vier Nominierten in der Kategorie Kunst benannt.

Essen..  Der Wettbewerb „Essens Beste“ geht in die heiße Phase: In diesen Tagen entscheiden die Vor-Jurys, wer die erste Hürde vom Kandidaten zum Nominierten nimmt. Gut 600 junge Talente wurden für sechs Kategorien (Sport, Kunst, Innovation, Ehrenamt, Ausbildung, Schüler) und den Sonderpreis vorgeschlagen. Für jede Kategorie werden vier mögliche Preisträger nominiert, die am 24. April an der Gala in der Philharmonie teilnehmen. Als erste stellen wir die Nominierten für den Kunst-Preis vor:

Sven Dirkmann

Der 27-Jährige aus Überruhr hat lange nicht an sein künstlerisches Talent geglaubt. Stattdessen engagierte er sich in der Kinder- und Jugendarbeit, machte eine Ausbildung zum Erzieher und betreute sogar in seiner Freizeit Kinder aus schwierigen Verhältnissen. Ohne sein Wissen meldete ihn seine Kunstlehrerin, die ihn fördern wollte, für die Jugendkunstausstellung Essen an – und Sven gewann. Einige Ausstellungen und Preise später erkannte er, dass er Jugendliche nicht ermutigen kann, ihre Träume zu verwirklichen, ohne es selbst zu tun. Also bewarb er sich, obwohl er kein Abitur hatte, an der Folkwang Uni der Künste – und wurde genommen. Sein Studium wird Sven voraussichtlich 2016 mit dem Bachelor abschließen. Danach will er Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf studieren.

Julian Steinberg

Jarnoth nennt sich der 25 Jahre alte Puppenspieler und Drehbuchautor aus Stop-penberg. Er beschäftigt sich mit dem Thema Jugend – etwa im Film „Fünfsechstel“, dessen Autor er ist. Dieser hatte seine Deutschlandpremiere 2013 auf dem Max-Ophüls-Festival, wurde auch in Cannes gezeigt. Jarnoth war Mitglied im Schauspielensemble der Folkwang Musikschule und ist heute im Absolventenjahrgang der Hochschule Ernst Busch in Berlin. Er hat u.a. fürs Theater Koblenz ein Handpuppenstück entwickelt, an einem deutsch-russischen Kunst-Austausch teilgenommen und fördert zudem Kita-Kinder mit sprachlichen Defiziten.

Hamid Merhi

„Ein Junge aus Essen, der beinahe den falschen Weg gegangen wäre“, schreibt seine Schwester über den 23-Jährigen aus Altendorf. „Ein Junge, der auf der Förderschule war – und dann studiert hat, weil er die Filmkunst liebt.“ Er stammt aus einer libanesischen Familie und hatte es in der Schule nicht leicht, doch die Liebe zum Film ließ ihn aufblühen: Als er von der internationalen Filmschule in Köln erfuhr, nahm er sein Leben in die Hand, schaffte den Wechsel von der Förder- zur Hauptschule. Dank seiner Zielstrebigkeit gelang es ihm, als erster mit Hauptschulabschluss einen Studienplatz an der Filmschule zu ergattern. Heute betreibt Hamid eine Firma mit Namen MerhiCinema und dreht Werbefilme für namhafte Firmen. Ehrenamtlich dreht er mit Schülern Dokumentationen: Im Mittelpunkt stehen dabei die jungen Menschen. Mit seiner Geschichte zeigt er ihnen, dass es gelingen kann, aus seinem Leben etwas zu machen.

Jugend-Symphonie-Orchester

Das 1953 gegründete Essener Jugend-Symphonie-Orchester ist das älteste Ensemble seiner Art in NRW. Die ursprüngliche Idee war es, herausragenden Musikern aus Schulorchestern die Möglichkeit zu hochwertigem Musizieren zu geben. Heute besteht das Jusi-Orchester aus 61 Mitgliedern und gilt immer noch als eine Talentschmiede für Berufsmusiker aller Sparten. Regelmäßig führt es Sommer- und Herbst- sowie Benefizkonzerte auf. Für die Zusammenarbeit mit bekannten Chören ist es weit über Essen hinaus ein gefragter Partner.