Das aktuelle Wetter Essen 18°C
NRW-Regierung

Von der „B.M.V.“ ins Schulministerium

15.07.2010 | 13:13 Uhr
Von der „B.M.V.“ ins Schulministerium
Die B.M.V.-Schule in Holsterhausen. Hier machte Sylvia Löhrmann ihr Abi. Foto: Tietz

Sylvia Löhrmann, die in Essen geboren wurde und aufwuchs, ist seit heute NRW-Schulministerin. Sie wird sich stark machen für eine „Gemeinschaftsschule“. Dabei hat Löhrmann selbst früher eine katholische Privatschule besucht, die „B.M.V.“ in Holsterhausen.

Das Kürzel steht für „Beatae Mariae Virginis“. Es ist das Mädchengymnasium des Ordens der Augustiner-Chorfrauen, die einen Teil des Lehrpersonals stellen. „Nonnenschule“, heißt es gerne etwas spöttisch. Selbst Privatschule, jetzt Gemeinschaftsschule: Man könnte fragen: Wie geht das zusammen?

Aufgewachsen ist die 53-Jährige Löhrmann in Bergeborbeck. „Da ging es schon mal etwas ruppig zu.“ Entsprechend habe sie die spätere Zeit auf dem Mädchengymnasium als „gewissen Schonraum“ empfunden. Von 1966 bis 1975 besuchte sie diese Schule, und das mit aller Entschiedenheit: 1970 zog die Familie nach Witten, doch Sylvia Löhrmann wollte um jeden Preis an der „B.M.V.“ bleiben. „Deshalb bin ich dann täglich zwei Stunden Bus und Bahn pro Strecke gefahren, mit dreimal Umsteigen.“ Diese Anekdote veranlasste die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu der Mutmaßung, dass die Politikerin schon immer gewusst hat, was sie will. Das Porträt trug die Überschrift „Die Kraftstrotzende“.

An der B.M.V. nimmt man die Geschichte vom langen Schulweg aus Witten mit Respekt zur Kenntnis. „Es ist in der Tat erstaunlich“, sagt Schulleiterin Schwester Ulrike Michalski, „dass eine Zwölfjährige so durchsetzungsstark ist.“ Ulrike Michalski ist Sylvia Löhrmann später einige Male begegnet. Von Stolz, die neue Schulministerin als B.M.V.-Ehemalige bezeichnen zu können, möchte die Ordensschwester aber nicht sprechen. „Als Mädchengymnasium sind wir grundsätzlich positiv davon berührt, wenn Frauen in öffentlichen Ämtern Verantwortung übernehmen.“ Die Schwester verweist darauf, dass sie persönlich zur Politik im Allgemeinen und zur Schulpolitik im Besonderen „eine andere Einstellung als Frau Löhrmann“ habe, „das ist ja bekannt“. Und trotzdem betont Schwester Ulrike, dass sie Sylvia Löhrmann und die Grünen als „offene, faire Partner“ kennengelernt habe, „die zuhören konnten“. Anfang des Jahrzehnts durchlebte die Schule eine finanzielle Krise. Man suchte das Gespräch mit Verantwortlichen aus Politik und Gesellschaft. Löhrmann kam und hörte zu, immerhin.

Der hervorragende Ruf der B.M.V.-Schule steht ein wenig im Missverhältnis zu ihrer äußeren, unauffälligen Erscheinung. Einzig der kreisrunde Turm des Schul- und Kloster-Gebäudes ist ein weithin sichtbares Zeichen mitten in Holsterhausen. Anders als das Werdener Mädchengymnasiums des Bistums kann die Ordens-Schule nicht mit einem spektakulären, preisgekrönten Neubau aufwarten.

Trotzdem kommen seit Jahr’ und Tag Mädchen auch aus Oberhausen oder Bochum zur „B.M.V.“ Religion, katholisch oder evangelisch, ist Pflichtfach bis zum Abitur. Erklärtes Ziel der Schulleitung ist es, dass die Schülerinnen sich sozial engagieren. Bemerkenswert sind ein paar Grundsätzlichkeiten im Selbstverständnis der Schule. Von „Realitätssinn“ und gleichzeitig von „geistiger Weite“ ist die Rede.

„Die B.M.V. ist eine soziale Schule, keine Elite-Einrichtung“, lobt Sylvia Löhrmann. Deshalb passe ihre Biografie und ihr jetziges schulpolitisches Engagement zusammen: „Wir propagieren keine Einheitsschule, sondern eine Schule, die alle Kinder bestmöglich fördert. Außerdem wollen wir doch ausdrücklich die Gymnasien mit einbeziehen in die Schulentwicklung.“

Martin Spletter

Facebook
 
Kommentare
16.07.2010
12:09
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von Kajovo | #23

#9 wenn Sie schon Finnland als Vergleich nehmen, dann bitte auch hier: Vergleichen Sie einmal wie viele Migranten dort zur Schule gehen und wie viele hier. Vergleiche kann man nur bei gleichen Voraussetzungen ziehen. Sie schreiben: Diffamierungen helfen nicht und doch diffamieren Sie gleich zwei Leute die scheinbar nicht zu Ihrer Partei gehören. Aber das konnten SPD und Grüne immer schon sehr gut.

16.07.2010
11:45
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von canideloklaus | #22

Verlogenes Politikerpack, mehr fällt mir dazu nicht ein!! Danke 14 von Schalk!!

16.07.2010
09:25
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von oller | #21

Der Schulkampf ist in NRW eröffnet. Eine kleine Lehrerin aus Essen-Bergeborbeck und die Tochter eines Stadtwerkeangestellten aus Mülheim möchten das Gymnasium abschaffen. Denn aus Gründen der Gerechtigkeit darf es künftig keine Eliten mehr geben.

15.07.2010
19:46
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von peter.peters.de | #20

.

@9: Wenn das Wichtigste einer Schulausbildung für Sie die Gruppendiskussion ist, dafür die Kinder aber nicht rechnen und vernünftig schreiben können, kann der Schüler entweder Taxifahrer oder Politiker werden.

Für Jobs in der freien Wirtschaft (wo Können an der ersten Stelle steht) ist kein Platz.

.

15.07.2010
17:51
Blockierter Kommentar.
von hannilein van der ruhr | #19

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

15.07.2010
17:48
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von Ingrid.W | #18

Abwarten und Tee trinken, schlechter kann es nach der letzten Pfeifen Regierung nicht mehr werden!
Ich wünsche Frau Kraft viel Erfolg und starke Nerven. Wenn das gelingt, dann werden wir 2013 den erforderlichen Regierungswechsel in Berlin erleben dürfen!

15.07.2010
17:42
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von Neues vom Hexer | #17

Es ist nicht die Schulform wichtig,
sondern die Inhalte (wobei ich zu den Inhalten auch die Struktur und die Klassengröße zähle).

Also ändert erst einmal die Inhalte.

15.07.2010
17:30
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von tststs | #16

Jetzt gehts erst richtig los.

Hier mein Wunschzeugnis für die Zukunft:

Namentanzen: sehr gut

Modellieren mit Kartoffelsalat: sehr gut

Gruppendiskussion: sehr gut

Probleme aussitzen: sehr gut

Vorbereitung auf das Leben: nicht erteilt

Zusatz: Der Schüler hat besondere Kenntnisse im Bereich Wie werde ich genauso schlecht wie der dümmste hier erworben

15.07.2010
17:12
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von taosnm | #15

#2 #8

Jeder berichtet über seine eigenen Erfahrungen. Meine sind z.B., dass die Abiturientin, die ich über 4 Jahre betreute, auf dem Niveau der Realschule Kl. 10 war. Es handelte sich um ein katholisches privates Gymnasium!

Meine Söhne besuchten das Gymnasium, die Söhne meiner Freundin die Realschule, und wir haben feststellen müssen, dass die Anforderungen der Realschule sehr viel anspruchsvoller waren.

Das sagt uns soviel, dass jede Schule so gut ist wie ihre Leitung und das Kollegium. Das sagt uns aber auch, dass eine Gemeinschaftsschule durchaus sehr gut sein kann.

Mein jüngster Sohn besuchte eine private - Presbyterianer - Gemeinschaftsschule in den USA. Das Niveau dort war erheblich höher als auf seinem hiesigen Gymnasium. Deshalb blieb er gleich 2 Jahre dort, und das war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten.

Ich fürchte, vor dem ideologischen Streit um die Schulformen verlieren wir den Blick dafür, dass unsere Lehrer besser ausgebildet werden müssen. Vor allem muss die Motivation zum lustvollen Lehren gestärkt werden, wobei ich mich allerdings gegen höhere Entlohnung wehre. Wie man besser motiviert, überlasse ich allerdings lieber den Experten. Ich hätte da schon meine Vorstellungen, die jedoch leider nicht wissenschaftlich basiert sind.

15.07.2010
17:12
Spurensuche im (Schul)leben von Sylvia Löhrmann
von Schalk | #14

Selber Privatschule und der Mob soll in die Gesamtschule. Dreister als Frau Löhrmann gehts schon nicht mehr im Abkassierer-kartell der deutschen Parteien. Wie verachtend ist das menschenbild dieser Dame, die wie alle Sozialisten in der Bildung nur eines anstrebt, nämlich ein immer blöderes Wahlvolk.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3237886/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Wenn Radler Rot sehen
NRZ: Essen auf Rädern
Mit der „Stadt Route“ wurde die dritte Nord-Süd-Verbindung offiziell eröffnet. Sie verbindet unterm Logo roter Quadrate auf 18 Kilometern den Stinnes-Hafen in Karnap mit dem Baldeneysee und knüpft größtenteils an bereits bestehende Strecken an.
Jäger und Landwirte retten Rehkitze in Essen vor Heuernte
Rehkitz-Rettung
Für Kitze wird die Heuernte zur Lebensgefahr, wenn die Ricke sie im Gras abgelegt hat. Die tierschutzgerechte Frühmahd, wie Jäger die Kitz-Rettung nennen, ist im Laufe der Jahre mit ständig größer werdenden Landmaschinen und schneller fahrenden Traktoren immer wichtiger geworden.