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Zollverein

Von BBC bis Königin Beatrix

Besuchermagnet Zollverein - die Welt zu Gast bei Kumpels
Mit Kohle Kohle machen – das war einst Sinn und Zweck von Zollverein. Was das für früher und heute bedeutet, erfahren die Gäste aus Taiwan auf dem Denkmalpfad.

Zollverein ist ja nicht nur als Unesco-Weltkulturerbe weltweit bekannt, sondern kann sich gleichfalls mit mindestens ebenso weltbekanntem Besuch rühmen. Wen die Stiftung Zollverein alles dazuzählen darf, verrät (zumindest in den meisten Fällen) ein Blick ins Ehrengästebuch. Denn wie der Filzhut von Ex-Bundespräsident Horst Köhler ins Zollverein-Archiv gelangte, wieso die BBC beim Dreh auf ein Drei-Mann-Orchester bestand und warum sich ausgerechnet Königin Beatrix nicht im Ehrengästebuch verewigt hat und statt dessen royale Fotos zu Weihnachten schickt – das steht auf einem anderen Blatt.

In rote Leinentücher gehüllt, hinter dicken Türen in den Gefilden des Zechengelände verschlossen und nur mit weißen Samthandschuhen anzufassen – so bewahrt die Stiftung ihre gut gehüteten Gäste-Geheimnisse. „Essen ist stolz auf das Weltkulturerbe [...] und freut sich, Gäste aus aller Welt begrüßen zu dürfen“ – als Alt-Oberbürgermeister Wolfgang Reiniger sich 2002 auf diese Weise in dem heiligen Buch verewigte, konnte er noch nicht ahnen, wie wörtlich das nach dem Kulturhauptstadtjahr genommen werden würde.

Denn sie kamen in Scharen: die BBC war da, das polnische Staatsfernsehen, die vereinigte (nationale) Polit-Prominenz. Selbst Beatrix, Königin der Niederlande, gab sich schon die Ehre. Während für sie Großes aufgefahren wurde, musste sich die BBC das „Folkwang Streichquartett“ selbst heranholen. Die Fernseh-Macher waren nämlich so begeistert von der Info, dass in der Kulisse auch Klassik-Konzerte stattfinden, dass sie das bei ihrem eintägigen Dreh festhalten wollten. Leider stand für die nächsten Wochen kein Konzert an – da half nur ein spontaner Anruf bei der Uni Folkwang.

Spontan ist Königin Beatrix eher weniger. Von ihr ist kein Gruß im Gästebuch nachzulesen, denn ihre Exzellenz hatte zuvor klare Abmachungen ausgehandelt: „Jeder ihrer Schritte wurde vorab festgelegt und von zig Angestellten des Königshauses abgegangen“, sagt Rolf Kuhlmann, Pressesprecher der Stiftung.

Joachim Gauck war noch nicht da

Grüßen durfte man die königliche Hoheit während ihres Besuches schon mal gar nicht (außer sie reiche von sich aus ihre Hand), und sie würde ihre Signatur auch höchstens einem Buch widmen. Dies war leider schon mit einem Eintrag ins Stahlbuch der Stadt getan. Seither lasse sie der Stiftung zu Weihnachten ein Foto von sich samt Unterschrift zukommen – wohlmöglich eine Kopie.

Ein Original hingegen hinterließ Ex-Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres im Januar 2010: Er zog buchstäblich den Hut (einen dunkelgrünen Filzhut) und spendete ihn der damaligen Ausstellung. Mittlerweile befinde er sich aber in den Untiefen des Archivs, so Kuhlmann. Also der Hut. Na ja, auch Köhlers Nachfolger Christian Wulff, dessen Unterschrift vom Juli 2011 eine der vorderen Gästebuchseiten ziert, ist indes im Hinter-/Untergrund verschwunden. Ein Besuch von Joachim Gauck ist übrigens nicht geplant. Vielleicht ein gutes Zeichen für ihn.

Julia Rathcke

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