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Vom Leiden eines Fahrradfahrers

01.02.2013 | 00:28 Uhr
Vom Leiden eines Fahrradfahrers

In Essen Rad zu fahren ist schon prinzipiell ein Abenteuer, denn die Stadt ist durch und durch auf den Autoverkehr zugeschnitten: Die meisten Ampeln sind so geschaltet, dass die Autofahrer am schnellsten vorwärts kommen, andere Verkehrsteilnehmer können sehen, wo sie bleiben. Jede verfügbare Fläche wird Autofahrern als Parkplatz zugewiesen oder von diesen rücksichtslos als solcher benutzt. Im Winter werden die wenigen Radwege nicht geräumt. Zitat: „Kein Bedarf“. Gegen Verkehrsverstöße von Autofahrern wie 60 km/h in Tempo-30-Zonen, Abbiegen ohne zu blinken oder Befahren von Einbahnstraßen in Gegenrichtung sind Polizei und Verkehrsüberwachung machtlos, ja sie werden von den meisten Bürgern als Kavaliersdelikte angesehen und mit größter Selbstverständlichkeit hingenommen.

So ist es kein Wunder, dass das Risiko, in Essen bei einem Unfall als Fußgänger oder Radfahrer zu verunglücken, deutlich über den landesweiten Unfallhäufigkeitszahlen liegt. Und niemand wundert sich, dass Essen bei den Fahrradklimatests, die der ADFC alle paar Jahre durchführt, immer auf einem der letzten Plätze landet! Aber Moment mal, Essen ist doch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte, hier sind doch Millionenbeträge zur Förderung des Radverkehrs hingeflossen – aber offensichtlich so gut wie wirkungslos versickert. Denn am Bewusstsein hat sich bei Politik und Verwaltung in Essen nichts geändert. So wurde fröhlich das Ende der großen Baumaßnahme an der A 40 verkündet, obwohl die vor allem für Radfahrer wichtige Unterführung „Auf der Donau“ noch Monate danach gesperrt war. In einer fahrradfreundlichen Stadt wäre im Rahmen des Brücken-Neubaus entlang der A 40 eine direkte Trasse für Radfahrer von der „Freiheit“ bis zur Steeler Straße realisiert worden. Selbst Kleinigkeiten wie das Absenken von Bordsteinen an Sackgassen-Enden, die für Radfahrer durchlässig und sogar entsprechend beschildert sind, werden nicht umgesetzt. Stattdessen stellt man bei den Sparvorschlägen sogar die Tätigkeit des einzigen Fahrradbeauftragten der Stadtverwaltung zur Disposition! So wird Essen seine hochgesteckten Klimaziele nie erreichen. Anstatt die Bedingungen für Alltagsradler und radfahrende Schulkinder zu verbessern werden Radfahrer nun gezielt diskriminiert, wohl um ihre Zahl nicht ausufern zu lassen, denn sie sind für Autofahrer wirklich lästig.

Fazit: Wer sich in Essen das Fahrradfahren nicht vermiesen lassen möchte, muss hart im Nehmen sein.


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