Vom Filmvorführer zum Berlinale-Juroren

Dass Marian Freistühler das Kino liebt, hat er schon als Filmvorführer der Essener Filmkunsttheater beweisen können. Ab Donnerstag kann der 25-jährige Student der Theater- und Medienwissenschaft diese Liebe nun richtig ausleben: Freistühler ist in Berlin Mitglied der Jury für den „DFJW-Preis Dialogue en perspective“: Drei junge deutsche und vier französische Filmexperten, alle unter 30, die das tun, was Kollegen wie die Schauspieler Daniel Brühl und Audrey Tautou im offiziellen Wettbewerb der Berlinale machen. Sie werden Filme sehen, leidenschaftlich diskutieren und den mit 5000 Euro Preis vergeben.

Um dabei sein zu können, hat sich Freistühler wie viele andere junge Cineasten beworben. Neben der Leidenschaft für den Film war auch das Sprachtalent gefragt. Das Auslandssemester in Marseille war für den Essener, der inzwischen in Freiburg studiert, ein „Trumpf im Ärmel“. Außerdem mussten sich alle Jury-Aspiranten mit einem Beitrag zum „Stellenwert des deutschen Kinos auf internationaler Ebene“ und einer selbstverfassten Kinokritik bewerben. Freistühler hat sich für Andreas Dresens packendes Sterbedrama „Halt auf halber Strecke“ entschieden. Da beweise einer mit seiner Themenwahl den Mut, „den ich in deutschen Kino manchmal vermisse“, sagt Freistühler. Dass Dresen in diesem Jahr wieder im Bären-Wettbewerb ist, gefällt ihm, auch wenn er auf der Berlinale ja für den deutschen Nachwuchs zuständig ist. „Perspektive Deutsches Kino“ heißt seine Sektion. Sie will zeigen, dass das im internationalen Vergleich stark unterrepräsentierte deutsche Kino nicht nur strenge Berliner Schule oder deftige Schweighöfer-Komödie ist. Genauso, wie das französische Kino eben nicht nur der charmant-grimmige Monsieur Claude sei, sagt Freistühler.

Der Student, der das Berlinale-Leben in der Vergangenheit schon als lange Warteschlange vor belagerten Kassenhäuschen erlebt hat, empfindet es auf jeden Fall als „luxuriös Situation, dass man überall reinkommt“. Ob er selber irgendwann mit der Kamera arbeitet, steht noch nicht fest. Weil Film eine teure und aufwendige Medium ist, beschäftigt sich Freistühler derzeit auch intensiver mit dem Theater. Andere Bilder, gleiches Forschungsinteresse.