Vom Eierwärmer bis zum Sitzmöbel

Werden..  Als Heike Giesbert ihre kreative Ader entdeckt, ist sie 31. „Damals hatte ich keine Ahnung, was mir liegt. Ich habe verschiedene Dinge ausprobiert. Bis ich schließlich das Filzen für mich entdeckt habe.“ Das war in einem Kurs in der Volkshochschule. Ein sinnliches Erlebnis sei das Arbeiten gewesen, „man kann in der Wolle und in den Farben schwelgen, entspannen und außerdem hat man beim Filzen Gelegenheit, sich ganz in Ruhe mit anderen Menschen auszutauschen.“

Was für Heike Giesbert den besonderen Reiz am Filzen ausmacht? „Dass man experimentieren kann und der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind.“ Die Arbeit entwickle sich beim Walgen der Wolle, das Ergebnis sei immer individuell und unverwechselbar. Was jedoch stets am Ende stehe: „Man hat etwas ganz Eigenes, etwas, das man selber gestaltet hat, das die eigene Handschrift trägt, das es so nicht noch einmal gibt“, und auf das man stolz sein könne.

Meterweise Regale, gefüllt mit Wollsträngen, bilden den Mittelpunkt des Ateliers „Kre.Aktivwerk.statt“, das Heike Giesbert seit 2012 in Werden betreibt. An langen Tischen haben Gruppen Gelegenheit, gemeinsam zu filzen, „hier veranstalte ich zum Beispiel Kindergeburtstage“, Filzkurse gibt sie und leitet Menschen mit einem Handicap an, denn aus dem Hobby ist für die Oekotrophologin, die in einem Essener Krankenhaus arbeitet, längst ein zweiter Beruf geworden.

„Drei Jahre habe ich in Bochum am „Institut für Ausbildung in bildender Kunst und Kunsttherapie“ berufsbegleitend Kreativtherapie studiert. Seither arbeitet sie in dem Krankenhaus, in dem sie beschäftigt ist, auch mit dementiell erkrankten Menschen. Parallel kommt (seit 2013) eine Ausbildung an der Filzschule in Oberrot hinzu. Stellt sich die Frage, ob dieses Hobby in Stress ausartet? Heike Giesbert verneint, „es ist so faszinierend zu sehen, wie Menschen mit dem Material umgehen und darauf reagieren“, das sei eher Bereicherung als Stress.

Schaut man sich im Atelier um – es scheint, als gäbe es nichts, was man nicht aus Filz herstellen kann. Vom Eierwärmer bis hin zu Bildern, von Sitzmöbeln bis zur Kette. Ein Fundus, den Heike Giesbert künftig auch regelmäßig in Ausstellungen präsentieren wird.

„Wir haben direkt neben meinem Atelier einen Schauraum eingerichtet, den auch andere Künstler nutzen können. Bei der ersten Ausstellung im Februar/März wird auch Heike Giesberts Mann Michael seine Arbeiten präsentieren. Doch nicht Filz, sondern Schmuck aus Leder und Metall faszinieren ihn. Armbänder und Ketten hat er in den Vitrinen ausgelegt, an den Wänden hängen Bilder, die teils während Heike Giesberts Kunsttherapie-Studium entstanden und teils der Arbeit Michael Giesberts. „Experimente reizen mich. Die Gegensätze und das Zusammenspiel von Materialien etwa“, und bei diesen Worten geht er auf ein Bild zu, eine Komposition aus Rost-Partikeln und Kupfer, die harmonisch auf dem Blatt angeordnet sind. Und direkt darunter befinden sich einige Arbeiten von Heike Giesbert. Filzbälle mit eingearbeiteten Steinen und Muscheln und ein Sitzkissen - in Form eines übergroßen Apfels