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Gewalt

Vollziehungsbeamte immer häufiger Opfer von Gewalt

14.02.2012 | 06:02 Uhr
Vollziehungsbeamte immer häufiger Opfer von Gewalt
Der berühmte „Kuckuck“, das Pfändungssymbol, wird an einem Auto angebracht. Immer häufiger setzen sich Schuldner gewalttätig zur Wehr, vor allem, wenn es an ihr Hab und Gut geht.Foto: Ulla Emig

Essen.   Stalking, Beleidigungen, Drohungen: Vollziehungsbeamte der Stadt Essen werden immer häufiger angegriffen. 15 Fälle zählte die Behörde im vergangenen Jahr, so viele wie nie zuvor. Nun ist ein Präventionsprojekt mit der Polizei in Planung, um die Beamten auf Konfliktsituationen besser vorzubereiten.

Vollziehungsbeamte der Stadt Essen werden immer häufiger Opfer von Gewalt. 15 Übergriffe hat Gruppenleiter Holger Menke im vergangenen Jahr gezählt, so viele wie nie zuvor. „In einem Fall wurde ein Kollege von dem Schuldner in ein Zimmer gesperrt. Er sollte dann schriftlich bestätigen, dass die Schuld beglichen wurde, um wieder herauszukommen“, erzählt Menke von einem besonders gravierenden Fall. Ein anderer Vollziehungsbeamter wurde beinahe überfahren, als er ein Auto pfänden wollte. Auch Fälle von Stalking sind keine Seltenheit. „Manchmal werden die Kollegen mitten in der Nacht auf ihrem Diensthandy angerufen und beschimpft“, sagt Menke. Auch deswegen tauscht das Team regelmäßig die Bezirke untereinander aus.

Gruppenleiter Holger Menke (links) und Abteilungsleiter Klaus Ecker. Foto: Ulrich von Born

Beleidigungen werden indes meist gar nicht mehr zur Anzeige gebracht. „Wir erleben täglich Verbalattacken der untersten Schublade. Wenn wir da jeden Fall anzeigen würden, hätten wir bald nichts anderes mehr zu tun“, sagt Klaus Ecker mit bitterer Ironie. Ecker ist Leiter der Abteilung Vollstreckung und verantwortlich für die 20 Vollziehungsbeamten im Außendienst. Sie haben 2011 neun Millionen Euro Außenstände der Stadt Essen eingetrieben - Rekordergebnis. 31 Millionen Euro schulden die Bürger der Stadt insgesamt.

„Die Intensität der Gewaltfälle ist erschreckend“

Zwangsanordnung

Vollziehungsbeamte dürfen nach vorheriger Mahnung auch unangemeldet anklingeln. Sie ins Haus zu lassen, ist keine Pflicht. Wer die Zahlung jedoch auch dann verweigert, riskiert eine richterliche Zwangsanordnung, die satte Mehrkosten für den Schuldner mit sich bringt. Ein privates Inkasso-Unternehmen darf diesen Zwang übrigens nicht anwenden.

Oft rücken die Beamten wegen nicht bezahlter „Knöllchen“ aus, doch auch die rund 300 weiteren Einnahmequellen der Stadt bescheren der Behörde genug Arbeit. Rund 73.000 Fälle landen jährlich auf den Schreibtischen der Abteilung: von nicht gezahlten GEZ- oder Müllgebühren über ausstehende Kita-Beiträge bis hin zur säumigen Zahlung des VHS-Kurses.

Dabei will Holger Menke nicht alle Bürger in ein schlechtes Licht rücken. „Meistens zahlen die Schuldner und es läuft reibungslos. Aber die Intensität der Gewaltfälle ist erschreckend, hier sehe ich Handlungsbedarf.“ Deswegen laufen bereits Gespräche mit der Polizei. In einem Kurs sollen die Vollziehungsbeamten für Konfliktsituationen sensibilisiert und in Kommunikationsstrategien geschult werden. Denn in der Regel haben die meisten Beamten eine klassische Verwaltungsausbildung hinter sich - den Umgang mit gewaltbereiten Schuldnern lernt man darin nicht. „Natürlich achten wir bei der Auswahl der Bewerber darauf, dass sie einen gefestigten Charakter haben“, sagt Menke und ergänzt: „Wir wissen doch, dass die meisten Menschen unverschuldet in Not geraten sind. Mit uns lässt sich aber reden, etwa wenn es um Ratenzahlung geht.“ Respekt darf da eigentlich nicht zu viel verlangt sein.

Jennifer Schumacher

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Kommentare
14.02.2012
13:23
Vollziehungsbeamte immer häufiger Opfer von Gewalt
von ExExekutor | #5

Im Rahmen der Außenvollstreckung kommt es immer wieder zu verbalen oder tätlichen Übergriffen!
Damit muss ein geschulter Vollziehungsbeamter umgehen können. Präventionsmaßnahmen sind da ein gutes Mittel um eine eskalierende Situation zu bewältigen. Dort, wo die Risiken für Arbeitnehmer nicht vermieden werden können, sollten Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, um die Risiken für die Gesundheit der Arbeitnehmer (hier Vollziehungsbeamte) zu beseitigen oder zu reduzieren.
Wir sollten nicht vergessen, Vollziehungsbeamte sind Menschen wie du und ich aus der Mitte unserer Gesellschaft. Sie erledigen tagtäglich die ihnen übertragenen Aufgaben für die Stadt.
Wünsche den Damen und Herren Vollziehungsbeamten weiterhin alles Gute bei der Bewältigung ihrer täglichen Arbeit.

14.02.2012
13:18
Vollziehungsbeamte immer häufiger Opfer von Gewalt
von ExExekutor | #4

Im Rahmen der Außenvollstreckung kommt es immer wieder zu verbalen oder tätlichen Übergriffen!
Damit muss ein geschulter Vollziehungsbeamter umgehen können. Präventionsmaßnahmen sind da ein gutes Mittel um eine eskalierende Situation zu bewältigen. Dort, wo die Risiken für Arbeitnehmer nicht vermieden werden können, sollten Schutzmaßnahmen eingesetzt werden, um die Risiken für die Gesundheit der Arbeitnehmer (hier Vollziehungsbeamte) zu beseitigen oder zu reduzieren.
Wir sollten nicht vergessen, Vollziehungsbeamte sind Menschen wie du und ich aus der Mitte unserer Gesellschaft. Sie erledigen tagtäglich die ihnen übertragenen Aufgaben für die Stadt.
Wünsche den Damen und Herren Vollziehungsbeamten weiterhin alles Gute bei der Bewältigung ihrer täglichen Arbeit.

14.02.2012
11:59
Vollziehungsbeamte immer häufiger Opfer von Gewalt
von jessiesrevenge | #3

Mal ganz abgesehen davon das es ja sicher auch unnette Menschen in Essen gibt, finde ich bei 73.000 Fällen, 15 "Stör"fälle für weniger bedenklich als im Artikel geschildert....das sind ja weniger als 1%..und das in einen Jahr.

Und wie schon geschrieben mit unangenehmen Leuten muss man überall rechnen und das nicht nur als Vollziehungsbeamter.
Kenne selber viele Vollziehungsbeamte, die meisten sind echt sozial eingestellt und wirklich nett. Die meisten machen eben nur ihre Arbeit. Allerdings gibt es auch da schwarze Schafe, die vielleicht persönlich nicht so ganz geeignet für den Job sind, wo auch mal Emotionen überkochen können.Gibt sogar welche die ihren Frust, wenn die Tür mal nicht schnell genug aufgeht, auch gerne mal im Hausflur entladen, so das sicherlich auch eine peinliche, unangenehme Situation für den Betroffenen entstehen können. Denn Nachbarn sind nicht immer nett.
In solchen Situationen können eigentlich nur Schulungen der Beamten helfen, im Bereich Sozialpädagogik/ Psychologie, wo die Beamten lernen das Gegenüber besser zu deuten, zu verstehen und auch dementsprechend besser handeln können.
Und was ich immer wieder bemängeln muss, warum werden solche Beamten alleine losgeschickt, während Politessen z.b. immer nur zu zweit aufer Straße gehen? Würde man 2 losschicken würde sich das Risiko Opfer eines Wuntanfalles zu sein sicherlich minimieren, da einer immer da ist um auch Hilfe zu rufen....

14.02.2012
11:28
Wie Nr. 1 schon schreibt:
von Kommentierer | #2

Anstatt solchen Leuten ihre Grenzen zu zeigen, werden natürlich wieder die geschult, die es letztendlich trifft.

Kundenorientierung ist alles.

Damit der arme gewalttätige Schuldner nicht noch ein schlechtes Bild von den Vollstreckungsbeamten bekommt.

Er hat´s ja schon schwer genug.

Typisch Deutschland.



14.02.2012
07:46
Vollziehungsbeamte immer häufiger Opfer von Gewalt
von mar.go | #1

Statt eine Präventionsprojektes, das sowieso nichts bringt, sollten die Polizeibeamten
bei schon einmal auffällig gewordenen Schuldner am besten gleich mitgenommen
werden.
Dem immer rauher werdenden Umgang bestimmter Bevölkerungsschichten mit ihren
Mitmenschen muß entschlossen entgegen getreten werden.
Auf der Straße und in öffentlichen Verkehrsmitteln erlebe ich inzwischen fast täglich,
daß die Anzahl dieser Menschen stetig wächst. Torleranz ist hier völlig fehl am Platz.

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