Virtuelles Tennis und Roboter, die Dame spielen
03.09.2009 | 12:13 Uhr 2009-09-03T12:13:00+0200
Essen. An der Uni Duisburg-Essen tüfteln Informatik-Studenten an innovativen Programmen. Herausgekommen sind: Ein Roboter, der Dame spielt, und ein virtuelles Tennis-Match. Nur die Hände bewegen sich, die Steuerung erfolgt per Webcam. Joystick oder Tastatur sind überflüssig.
Mit Daddeln zum Erfolg: Nun gut, ganz so leicht war die Aufgabe nicht, die die IT-Studenten von der Uni Duisburg-Essen gestellt bekommen haben. Sie sollten bildverarbeitende Programme so nutzen, dass Bilder, die etwa von einer Webcam aufgenommen, weiterverarbeitet werden können. Herausgekommen ist dabei ein virtuelles Tennisspiel.
"Wir haben uns längst vom Bild des Freaks, der alleine zu Hause sitzt, verabschiedet"
Marcel Heß ist ein Kind der C-64-Generation. Schon früher hat er gerne gebastelt und Computer zerlegt.Die Idee des Spiels, das er und seine Kommilitonen programmiert haben, geht zurück auf einen Spiele-Klassiker aus den 70er Jahren. Hält ein Teilnehmer seine Hand vor die Kamera, wird ein Balken gesteuert. Synchron zur Handbewegung läuft dieser auf dem Bildschirm auf und ab. Gespielt wird nicht nur mit einem Ball. Von allen Seiten prasseln Kugeln auf die Beteiligten ein. Um es spannend zu gestalten, verkleinert sich der Schläger manchmal.
Das Projekt gehört zur Lehrveranstaltung Software Entwicklung und Programmierung, bei der 80 Studenten die Entwicklung komplexer Softwaresysteme erlernen. Das Tennismatch wurde von drei verschiedenen Gruppen realisiert, die sich mit der Programmierung befassen und unterschiedliche Ideen einbringen.
„Wir haben uns längst von dem Bild des Computerfreaks, der alleine zu Hause sitzt, verabschiedet”, erklärt Dr. Kim Lauenroth, Koordinator des Projekts. An den neuen Microsoft-Anwendungen haben weltweit dutzende Entwickler zusammengearbeitet und sich via E-Mail und Chats abgesprochen. Darin liege die Zukunft.
Bestanden haben alle
So lief es auch bei Marcel Heß. „Man kann sich das vorstellen, wie bei einem Hausbau. Erst entsteht der Rohbau, dann kümmern sich die Elektriker darum, dann kommt das nächste Gewerk.” So hatte auch in seiner Gruppe jeder sein Spezialgebiet. Wobei gerade am Anfang alle fieberhaft überlegen mussten, wie sie die Aufgabe angehen. „Das ist eine gute Übung für die spätere Zeit im Job. Auch dortwird man oft mit Fragen konfrontiert, die man nicht so einfach lösen kann, wo man improvisieren muss”, erklärt Lauenroth den Sinn der Aufgaben.
Seine Arbeit stellte der Studiengang auch auf einer Messe für Schülerinnen vor, die sich für naturwissenschaftliche und technische Studiengänge interessieren.
„Wir haben eher wenige Mädels, die bei uns studieren. Aber wenn, dann kommen sie manchmal auf mich zu und erinnern sich, dass sie damals bei mir schon mal eine Veranstaltung besucht haben”, erklärt Dr. Kim Lauenroth. Das Fach Informatik wird schwerpunktmäßig in Essen unterrichtet,
Wer zu eigenbrötlerisch war, mit dem wurde ein Gespräch geführt – mit dem Hinweis, dass man in der Gruppe schneller zum Ziel kommt. Ein anderer angenehmer Nebeneffekt für die Dozenten: Die Studenten sind gefordert, kontinuierlich mitzudenken und können sich einfach während des Semesters zurücklehnen. Bevor praktisch getüftelt wurde, gab es Theorie-Einheiten. Ein anderes Team hat indes einen Roboter entwickelt, der Damespielen kann. Allerdings arbeitete der mechanische Vertreter ungenau, wenn seine Akkus schwach wurden. Auch hier mussten sich die Studenten etwas einfallen lassen, bis die Partie für sie entschieden war. Vermarktet werden sollen die Projekte nicht. Die Studenten wollen ihre Programme allerdings auf die Internetseite stellen, so dass jeder daran mitarbeiten kann.
Bestanden haben diese Aufgabe übrigens alle. Noten wurden für so viel Einfallsreichtum nicht vergeben.
Fotos: Friedhelm Geinowski
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