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Industriekultur

Villa Hügel in Essen - Wohnsitz der Familie Krupp

03.10.2012 | 14:30 Uhr
Villa Hügel in Essen - Wohnsitz der Familie Krupp
Die Villa Hügel liegt auf den Ruhrhöhen oberhalb des Baldeneysees im Essener Süden.

Essen.   Im Laufe der Zeit sind aus den Industriedenkmälern des Ruhrgebiets Museen, Parks, Bühnen und Ateliers geworden. Bei Touren und Besichtigungen bieten sich tiefe Einblicke in eine Region, die in der Industriekultur ihre kulturelle Identität bewahrt. Eine Entdeckungsreise zur Villa Hügel in Essen.

Auch heute noch muss jeder Besucher der Villa Hügel eines der beiden historischen Pförtnerhäuschen passieren, ehe sich die Schranke zu dem ehemaligen Anwesen der Unternehmerfamilie Krupp hebt. Von hier aus führt die gewundene Zufahrt durch einen herrlichen Park direkt zur Villa Hügel.

Der repräsentative Gebäudekomplex liegt malerisch auf den Ruhrhöhen oberhalb des Baldeneysees im Essener Süden und besteht aus einem kleinen und großen Haus. Das bis 1945 als Wohnhaus dienende große Haus wurde 1873 von der Familie Krupp bezogen und präsentiert sich heute im Bauzustand von 1915. Der Park und Teile der Gartenanlagen wurden 1961 grundlegend umgestaltet, einige kleine Gebäude abgerissen. Seit 1986 steht die Villa Hügel unter Denkmalschutz.

Informationen

Villa Hügel: Hügel 1, 45133 Essen, Tel.: 0201.61629–17, Web: www.villahuegel.de

Öffnungszeiten: Historische Wohnräume und Historische Ausstellung Krupp: täglich außer montags 10.00–18.00 Uhr, Hügel-Park: täglich, auch feiertags, 8.00–20.00 Uhr. /// Bei besonderen Anlässen bleibt die Villa Hügel geschlossen. Besuchern wird empfohlen, sich vorab telefonisch zu erkundigen, Tel.: 0201.61629–17.

Führungen: nach Vereinbarung, Tel.: 0201.61629–17, Fax: 0201.61629–11, E-Mail: info@villahuegel.de

Anfahrt: mit dem Auto: A 52 Ausfahrt Essen-Rüttenscheid, Beschilderung folgen /// A 40 Ausfahrt Essen-Zentrum, Beschilderung folgen

Weitere touristische Informationen: Touristikzentrale Essen /// Am Hauptbahnhof 2 /// 45127 Essen /// Tel.: 0201.19433 und 0201.88720–46 (Hotels) Fax: 0201.88720–44 /// E-Mail: touristikzentrale@essen.de /// www.essen-tourismus.de /// Öffnungszeiten: montags bis freitags 9.00–17.30 Uhr, samstags 10.00–13.00 Uhr.

Allein im Haupthaus mit dem verglasten Belvedere verteilen sich auf rund 4.500 Quadratmetern Geschossfläche über 100 Räume, im Stil der Zeit reich mit kassierten Holzdecken, Ölgemälden und gepolsterten Sitzgruppen ausgestattet. Die wichtigsten und größten Räume können heute besichtigt werden.

Die Empfangshalle nächst dem Eingang beeindruckt durch Monumentalität und eine Gemäldesammlung, zu der neben Porträts der Hohenzollern- Kaiser auch Bilder der Familie Krupp gehören. Sie verdeutlichen das Selbstverständnis der wohl bedeutendsten deutschen Industriellen-Dynastie.

Wechselnde Kunstausstellungen

Es folgt die Bibliothek, deren Bücherbestand in den 1960er Jahren zu großen Teilen der Bochumer Ruhr-Universität vermacht wurde. Den künstlerisch größten Wert besitzt die Sammlung mit flämischen Wandteppichen aus der Zeit von 1500 bis 1760, die im neobarocken Gartensaal im Erdgeschoss sowie im Treppenaufgang und in einigen Räumen des ersten Obergeschosses zu sehen sind. Hier kann auch das Musikzimmer und das Arbeitszimmer besichtigt werden. Den wuchtigen Schreibtisch benutzten alle Firmeneigentümer seit Alfred Krupp.

Überwiegend im oberen Stockwerk finden auch die wechselnden Kunstausstellungen der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung statt, die ihren Sitz im Übrigen ebenfalls auf dem Hügel-Gelände hat. Im restaurierten kleinen Haus, einst für Gäste gedacht, wird seit 2007 die historische Ausstellung Krupp gezeigt, eine neu konzipierte Dauerausstellung zur Geschichte von Firma und Familie Krupp.

Vom Fachwerkhaus zur Gründerzeitvilla

Im Jahr 1811 war Essen eine unbedeutende Kleinstadt und wer behauptet hätte, dass sich dies bald durch eine soeben gegründete kleine Gussstahlfabrik ändern würde, wäre ausgelacht worden. Doch aus der unscheinbaren Werkstatt vor den Toren der Stadt wurde innerhalb eines halben Jahrhunderts die Weltfirma Krupp und aus Essen eine Großstadt.

Ruhrgebiet – Entdeckungsreise Industriekultur

Dieser Text stammt aus dem Buch "Ruhrgebiet – Entdeckungsreise Industriekultur", erschienen im Klartext Verlag. Hier geht's zum Onlineshop.

Keimzelle dieser Entwicklung ist ein ärmliches Fachwerkhaus, in dem Firmengründer Friedrich Krupp mit seiner Familie lebte. Sein Sohn Alfred, der Konzernbauer und eigentliche Schöpfer des Unternehmens, nannte es mit untrüglichem Gespür für die effektvolle Selbstinszenierung „Stammhaus“. Als Nachbau ist es bis heute zu besichtigen. Dieses erste bescheidene Haus und die imposante Villa Hügel könnten nicht gegensätzlicher sein und stehen doch in einem inneren Zusammenhang. Beide symbolisieren je auf ihre Weise den Mythos Krupp vom Aufstieg einer Industriellendynastie, der aus kleinsten Anfängen zur Weltgeltung führte.

Wer sich der hoch über dem Ruhrtal gelegenen Villa Hügel ohne Vorkenntnisse nähert, wird es zunächst kaum für das Haus eines Industriellen, sondern eher für das Schloss einer hochadeligen, vielleicht gar königlichen Familie halten. Auch dies ist selbstverständlich beabsichtigt. Alfred Krupp, der mit Königen und Staatsmännern auf gleicher Augenhöhe verkehrte, baute hier von 1870 bis 1873 keinen simplen Wohnsitz. Der geniale Exzentriker schuf sich auf der Höhe seines Daseins gleichsam noch einmal neu. Dies ging nicht ohne Verwerfungen ab, verstand sich Alfred Krupp doch als sein eigener und bester Architekt, der sich rücksichtslos in die Baudetails einmischte.

Mehr Wohnlichkeit und Wärme

Die Folgen: Wegen der riesigen Repräsentationssäle, unpraktischen Zimmerfluchten und der für die damalige Zeit technisch ebenso anspruchsvollen wie anfälligen Klimatechnik war das Wohnen in den ersten Jahrzehnten nicht immer angenehm. Spätere Krupp-Generationen verstanden es, mit aufwändigen Holzvertäfelungen, Kassettendecken und künstlerischen Zutaten mehr Wohnlichkeit und Wärme zu schaffen.

Dennoch: Als die britische Besatzungsmacht, die die Villa Hügel nach dem Zweiten Weltkrieg für Verwaltungszwecke genutzt hatte, das Anwesen schließlich zurückgab, verzichtete die Familie Krupp von Bohlen und Halbach nicht ohne Grund auf einen erneuten Einzug und gab ihr Haus 1953 für Ausstellungen und zur Besichtigung durch die Öffentlichkeit frei. Dabei ist es bis heute geblieben.

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