Viele Waldwege noch immer unpassierbar

Dieser Weg im Schellenberger Wald ist freigeräumt worden, Viele andere sind es aber noch nicht, kritisiert der Essener Umweltverband LNU.
Dieser Weg im Schellenberger Wald ist freigeräumt worden, Viele andere sind es aber noch nicht, kritisiert der Essener Umweltverband LNU.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Umweltschützer tun sich zusammen und wollen Hilfe vom Land. Auf zahlreichen Pfaden verhindern umgekippte Bäume ein Durchkommen. Die meisten Probleme treten im privaten Forst auf

Essen.. Sie sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Weil sie umgekippt sind. Gleich mehrere Umweltverbände beklagen die „vollkommen unübersichtliche Lage“ im Essener Forst. Auch zehn Monate nach dem Unwetter Ela sind zahlreiche kleinere Waldwege und Reitwege nach wie vor unpassierbar. Entwurzelte Bäume versperren den Durchgang, lose Kronenteile drohen auf Spaziergänger zu stürzen. Das ist „unverantwortlich“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU), zu der unter anderem die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, der Deutsche Alpenverein und der Forstverein NW zählen. Ebenso der Sauerländische Gebirgsverein, dessen erfahrene Wanderführer selbst einmal eine Tour abbrechen mussten, weil sie nicht mehr weiter wussten. Und das nicht irgendwo im Hochgebirge, sondern hier in Essen.

Die Kritik richtet sich nicht an die Stadt, die ihre befahrbaren Waldwege freigeräumt hat. „Grün und Gruga tut alles Erdenkliche“, betont Bernd Flügel, Vorsitzender der Essener Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und gleichzeitig Essener LNU-Kreiskoordinator. Auch der Regionalverband Ruhr (RVR) habe kräftig mit angepackt. Aber unzählige Pfade auf den privaten Forst-Arealen seien „noch vollkommen ungesichert“, so Flügel. Für die Ausflügler eine Zumutung: „Die sehen doch auf einer Wanderkarte nicht, ob das ein städtischer oder privater Weg ist.“ Das ausgewiesene Wanderwegenetz existiert in dieser Form nicht mehr. Und auf die privaten Waldbesitzer, denen immerhin 50 Prozent des Essener Waldes gehören, habe Grün und Gruga nunmal keinen Einfluss.

Druck auf private Waldbesitzer

Der Landesbetrieb Wald und Holz will das allgemeine Betretungsverbot nicht noch einmal verlängern und lässt die Verfügung zum 1. April auslaufen. Damit soll auch Druck auf private Waldbesitzer gemacht werden, für die Herstellung der Sicherheit ihrer Wege zu sorgen. Wer weiterhin sein Gebiet oder Teile davon sperren lassen will, muss künftig selbst einen Antrag stellen.

Michael Börth von Wald und Holz NRW stellt aber auch klar: Erholungssuchende dürfen Waldwege benutzen, sie haben aber keinen verbindlichen Anspruch darauf. Ebenso ist die Sicherungspflicht nicht mit der im Straßenraum zu vergleichen. Beseitigt werden müssen nur Bäume am Wegesrand, die jederzeit umzustürzen drohen (die Fachleute sprechen hier von sogenannten „Megagefahren“). Börth: „Im Wald gibt es ganz normale Risiken, die der Besucher hinnehmen muss. Er handelt in gewissem Maße in eigener Verantwortung.“

Doch damit geben sich die Naturschützer nicht zufrieden. „Im Notfall kommen ja nicht mal die Rettungsdienste überall durch“, klagt Flügel. Er fordert Hilfe vom Land, damit alle Wanderwege in Essen wieder zugänglich gemacht werden. „Das ist das größte Ballungsgebiet in NRW.“ Der LNU erhofft sich in dieser Frage Rückendeckung vom städtischen Umweltausschuss.

In einem Punkt kommt die Landesbehörde den Umweltinitiativen inzwischen entgegen „Dass sich alle Waldbesitzer und Interessenvertreter zusammensetzen, um ein zusammenhängendes Wandernetz zu bekommen, halte ich für eine gute Idee“, sagt Michael Börth der NRZ.