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Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?

22.01.2013 | 10:00 Uhr
Volle Mülltonnen, mit Salz gestreute Gehwege: Das eine ärgert den Bürger, beim anderen kann das Ordnungsamt ein Bußgeld verhängen.Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Schneeräumen ist Pflicht. Doch was genau heißt das eigentlich? Warum sind auftauende Mittel für Bürger verboten, obwohl sie auf Straßen gestreut werden? Wie sieht es auf Radwegen und mit Eiszapfen aus? Und warum streikt die Müllabfuhr im Winter? Hier gibt es Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Pflicht zum Räumen im Winter wirft viele Fragen auf. Was Bürger müssen, dürfen - und was nicht:

Dürfen Bürger Salz streuen?

Nein. „Es ist auf Gehwegen verboten“, sagt Michaela Lippek von der Stadt-Pressestelle. Erlaubt sind abstumpfende Mittel wie Sand, Sägespäne und Granulat, die nach der Schneeschmelze in der Restmülltonne entsorgt werden müssen. Immer gilt: erst räumen, dann streuen .

Gibt es Ausnahmen, wann doch Salz gestreut werden darf?

Ja, die gibt es z.B. bei außergewöhnlichen Wetterlagen wie Eisregen oder bei gefährlichen Stellen (Treppen, starkes Gefälle), deren „verkehrssicherer Zustand nicht allein durch abstumpfende Mittel wieder hergestellt werden kann“, erklärt Lippek. Diese Ausnahmen gelten allerdings nie auf Gehwegen mit Baumbestand oder Begrünung. Auch darf kein salzhaltiger Schnee auf Grünanlagen geschaufelt werden.

Warum ist Salzstreuen für Bürger verboten, wenn die Entsorgungsbetriebe im Auftrag der Stadt damit die Straßen streuen?

Schneegestöber in Essen

Grund ist der Umweltschutz: Das Salz schädigt Bäume, andere Pflanzen, Tiere, Boden und das Grundwasser, formuliert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Um der Verkehrssicherungspflicht zu genügen, müsse allerdings Streusalz oder ein Feuchtsalzgemisch eingesetzt werden, argumentiert die Stadt: „Nur damit kann nach Einschätzung der Verantwortlichen der Straßenverkehr erhalten und die in urbanen Räumen Befahrbarkeit der Straßen wieder erreicht werden“.

Gibt es Kontrollen oder gar Strafen bei Streusalz-Einsatz?

Ja. Vom Ordnungsamt sind 20 Straßenbegeher unterwegs, um Schlaglöcher zu melden oder auch Ordnungswidrigkeiten. Wer sich nicht ans Streusalz-Verbot hält, dem droht ein Bußgeld: mindestens 5 und höchstens 1000 Euro, wenn er vorsätzlich handelt. Bei Fahrlässigkeit (umgekippter Eimer) sind es 5 bis zu 500 Euro.

Gibt es Räumpflicht für Radwege?

Radwege werden laut der Stadt nicht gestreut, „da im Gegensatz zu Straßen die Verkehrswichtigkeit fehlt“.

Dürfen Radler auf geräumte Straßen oder Gehwege ausweichen?

Wer bei Schnee nicht aufs Rad verzichten will, der könne die geräumte Fahrbahn nutzen, sagt Michaela Lippek. Das gilt nicht für den Gehweg, der bleibt für Radler tabu.

Welche Pflichten gelten bei Eiszapfen an Dächern oder Laternen?

Schnee auf dem Dach oder Eiszapfen sind zu entfernen oder der Gehweg, auf den sie stürzen könnten, abzusperren: Das gilt für Stadt, Land und Bürger. Zuständig ist der Eigentümer etwa des Hauses, sagt Feuerwehr-Sprecher Mike Filzen. Wer nicht an den Zapfen gelangt, kann einen Dachdecker beauftragen oder „bei Gefahr im Verzug die Feuerwehr rufen“, sagt Filzen. Allerdings könne die Hilfe kostenpflichtig sein: Der einstündige Einsatz mit Drehleiter und zwei Feuerwehrleuten macht 300 Euro.

Warum streikt die Müllabfuhr?

Kaum liegt der erste Schnee, streikt die Müllabfuhr. Zumindest an den Straßen, die nicht gestreut, nicht geräumt, zu steil oder zu eng sind. „Wenn unsere 26-Tonner ins Rutschen geraten, räumen die die ganze Straße ab“, sagt Rolf Friesewinkel von den Essener Entsorgungsbetrieben (EBE) und bittet die betroffenen Bürger „über den eigenen Mülltonnenrand“ zu schauen und Verständnis zu zeigen. „Unsere Fahrer können selbst entscheiden, ob sie es verantworten können, eine Straße zu befahren oder nicht.“

Schnee in Essen

Allein zwei bis drei Müllwagen habe man in der vergangenen Woche aus dem Graben gezogen, „Gott sei Dank gab es keine Verletzten“.

Selbst wenn die Straßen geräumt sind, scheitert die Entsorgung häufig an der Grundstücksgrenze: „Manche privaten Grundstücke sind einfach nicht begehbar, weil sich dort der Schnee häuft.“ Sobald es die Witterungsverhältnisse zulassen, so verspricht Friesewinkel, werde man Sonderschichten fahren, um den Haushaltsmüll zu beseitigen. So lange können die Haushalte ihre Müllsäcke („in angemessener Anzahl“) neben die Tonnen stellen, „die nehmen wir bei der nächsten Leerung mit“.

Dominika Sagan und Vera Eckardt

Kommentare
30.01.2015
06:31
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Kjin_Name | #38

Wenn ich dem Artikel Glauben schenke, wird mein Winterdienst künftig so abgehen:

1.) Morgens um 5 Schnee räumen - Restglatte Flächen mit reichlich heissem Wasser zum auftauen besprühen.

2.) Um 6 Uhr feststellen, dass es zu glatt ist und Schneeschieber & Co nicht ausreichen. Dann wird hemmungslos mit Salz gestreut.

Da ist es weitaus besser, eine Privathaftpflicht abzuschließen und einfach weiterzuschlafen...

29.01.2015
22:30
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Marsipulami | #37

Wie sieht die Räum- und Streupflicht in einem Wohnviertel aus, an dem die Anliegerstraße ohne Bürgersteig gebaut wurde? In unserer Straße kommt die Stadt niemals durch um zu räumen oder zu streuen. Dennoch zahlen wir eine Winterdienst-Pauschale. Wenn bei viel Schnee die Straße unbefahrbar wird und z.B. Feuerwehr oder Krankenwagen Probleme mit der Durchfahrt haben - wer ist dann verantwortlich? Wenn auf der geräumten eisglatten Straße (wenn z.B. das abstumpfende Mittel nicht wirkt, weil es verweht oder abgetragen wurde) ein Fußgänger ausrutscht und zu Schaden kommt - wer zahlt dann? Darf hier auf die Straße von Anwohnern bei Glatteis Salz gestreut werden? Sollen die Anwohner für Straßenräumung erforderliche Geräte oder Maschinen vorhalten??? Ich wäre für eine hilfreiche Antwort wirklich sehr dankbar!

1 Antwort
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Kjin_Name | #37-1

Verantwortlich ist in erster Linie der Winter, der macht das Klima kalt. In zweiter Linie ist das Wetter schuld.

Der Rechtsanwalt Ihres Vertrauens berät Sie gerne, wenn Sie gegen die beiden klagen möchten.

27.01.2013
12:42
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von rockdog51 | #36

Ja dann würde ich doch mal sagen, dass all die Schlauberger die hier ohne Salz alles freibekommen sich beim nächsten Schnee mal eine Jacke anziehen und sich um freie Wege bemühen. Viel Spaß.

23.01.2013
14:11
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Juelicher | #35

Wenn hier mein Vorredner behauptet, man könne lediglich mit einfachem Abfegen den Gehweg sicher begehbar machen, dann dies definitiv ein Märchen! Ich räume selbst seit vielen Jahren mehr als 50 Meter Gehweg bzw. Zugang zum Haus. Früher habe ich auch jahrelang versucht, ohne Salz auszukommen - während die Nachbarn nach dem Abfegen Salz streuten, um die Wege weinigstens einige Zeit frei zu halten. Logisch, die Leute haben noch ab u. an etwas anderes zu tun, als im Stundentakt Wege zu räumen.
Ein paar Passanten, die durch den Schnee stapfen, ein paar Kinder mit Schlitten u. der Schnee klebt derart am Untergrund fest, dass er sich nicht mehr mit einfachen Maßnahmen entfernen lässt.
Wenn das Entfernen derart einfach wäre, wie hier einige Leute glauben machen wollen, dann würden auch die Dienste der Städte nicht in diesem Ausmaß in ihren eigenen Zuständigkeitsbereichen Salz einsetzen.

23.01.2013
06:52
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von T3-Bus | #34

Ich möchte mal behaupten, dass man hier in Mülheim mit ein paar Strassenbegehern die Stadtkasse sanieren könnte.
Was in meiner Nachbarschaft auf den Gehwegen liegt... da ist der Salzvorrat der Stadt ein Witz gegen.
Ich selbst habe bisher immer nur den Gehweg gefegt und er ist absolut sicher begehbar !
Mittlerweile muss ich bei uns schon auf der Strasse laufen um nicht duch das Streusalz zu waten.

23.01.2013
05:57
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Berat1 | #33

Die Stadt streut Salz mit dem Streuwagen. Dieses Salz fliegt bis auf die Gehwege. Wie sieht es mit Bußgeldern für die Streuwagenfahrer aus?

23.01.2013
01:15
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von boehmann | #32

...hab jezt auf jodsalz umgestellt, das desinfizeirt die wunden pfoten der vielen hunde, die hier vorbeilaufen....... hab eben ein herz feur tiere.

2 Antworten
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von ralle1947 | #32-1

Bitte google mal nach Jod

Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Otto99 | #32-2

Bitte google mal nach Ironie

23.01.2013
00:01
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Juelicher | #31

Um es hier nochmals klarzustellen: Ich bemühe mich selbst auch, möglichst viel mit Granulat zu arbeiten. Das hat aber seine Grenzen!
Vor zwei Jahren habe ich bei 35 Meter Straßenbreite etwa 150 Kg Granulat benötigt. Ein Teil wird in die Kanalisation gespült, ein anderer Teil muss wieder vom Bürgersteig entfernt u. entsorgt werden. Trotz des regelmäßigen großen Aufwands ist es nur eingeschränkt möglich, die Wege wirklich sicher zu machen. Bei mehrmaligen Schneefällen am Tag fällt das Granulat sofort wieder zu. Dies macht vielfaches Räumen erforderlich! Das dürfte den meisten Anwohnern in der Praxis weder möglich noch zumutbar sein. Ich mische deshalb bei Bedarf eine geringe Salzmenge hinzu.

1 Antwort
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von ralle1947 | #31-1

Hallo, danke für die nassen Schuhsohlen, soll sehr gesund sein.

22.01.2013
23:40
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von Juelicher | #30

In Deutschland gibt es laut Statistik pro Jahr rund 10.000 Tote durch die Folgen von Stürzen. Insbesondere ältere Menschen ziehen sich hierdurch oft schwere Brüche zu, die regelmäßig zum Tode führen können. Trotzdem möchten hier einige Zeitgenossen ernsthaft über die Gefahren durch das von Privatleuten ausgebrachte Salz diskutieren.
Die staatlichen Behörden bringen ein Vielfaches der Salzmenge zum Einsatz als es die Bürger auf den Gehwegen machen.
Wie ich unten bereits beschrieb, bringt Gelsendienste sogar auf den unplattierten Wegen des Hauptfriedhofes regelmäßig Kleinlasterladungen Salz aus. Auch auf den Gehwegen, für die eine Zuständigkeit der Stadt besteht, wird selbstverständlich Salz ausgebracht.
Warum sollte es dann ausgerechnet den Bürger untersagt sein? Nur durch eine reine Räumung der Gegwege u. Aufbringen von Granulat wird ein sicheres Begehen nur eingeschränkt gewährleistet. Ohne die Taufunktion des Salzes wäre oft eine Räumung im Stundentakt notwendig, also unmöglich.

2 Antworten
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von ralle1947 | #30-1

Ich habe in meine Leben bis heut das Glück gehabt Schnee mit dem Schneeschieber anschließend mit dem Besen, den Bürgersteig zu reinigen, anschließend mit Sand (Kies) abgestumpft, hat mir nicht geschadet. Bürgersteig blieb trocken. Klappt auch gut bei Eis, das wurde mit dem Eispicker entfernt. Wie ich beobachtete, werden die Gehwege von den rotierenden Bürste der Kehrmaschinen zum teil erst glatt.
Schneeschieber, Besen, Schaufel, Eispicker und Sand sind die besten Umweltalternatieven von Salz, Säure und Lauge

Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von gudelia | #30-2

Muß arbeiten, hab kein Zeit.

22.01.2013
21:52
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von WalterSondiere | #29

"Wenn unsere 26-Tonner ins Rutschen geraten, räumen die die ganze Straße ab“, sagt Rolf Friesewinkel von den Essener Entsorgungsbetrieben (EBE) und bittet die betroffenen Bürger „über den eigenen Mülltonnenrand“ zu schauen und Verständnis zu zeigen. „Unsere Fahrer können selbst entscheiden, ob sie es verantworten können, eine Straße zu befahren oder nicht." - soso: und warum werden in der Wohnstraße von Herrn Friesewinkel "Am Krausen Bäumchen" (die nicht geräumt wird) dann die Tonnen vor der Haustür abgeholt?

1 Antwort
Wer darf im Winter Salz streuen - und warum?
von WalterSondiere | #29-1

Vielleicht um Gudrun Friesewinkel, der Heilpraktikerin in Hausnummer 179, das Leben ein bisschen einfacher zu machen? Ein Schelm wer böses (die bei Müllbetrieben übliche Korruption) dabei denkt!

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http://www.derwesten.de/staedte/essen/viele-streuen-salz-trotz-verbot-id7508239.html
2013-01-22 10:00
Essen,Eis,Glätte,streuen,Salz,Schnee,Gehwege,Straßen,Müll,EBE,Umweltschutz,Michaela Lippek
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