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Organspende

Viele Patienten in NRW warten vergeblich auf Transplantationen

28.05.2013 | 06:00 Uhr
Viele Patienten in NRW warten vergeblich auf Transplantationen
Nach Manipulationen an drei deutschen Transplantationszentren ist die Bereitschaft zur Organspende stark zurückgegangen. An der Uniklinik Essen erhielten im ersten Quartal 2013 rund 20 Prozent weniger Patienten ein Spenderorgan.Foto: Soeren Stache

Essen.   Allein in NRW warten 3900 Patienten auf eine Organspende, bundesweit sind es rund 12.000. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Organtransplantationen an der Uniklinik Essen um 20 Prozent zurückgegangen. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft will am „Tag der Organspende“ (1. Juni) auf dem Essener Willy-Brandt-Platz um die Bereitschaft zur Organspende werben.

„Die Zahl der Organtransplantationen an der Uniklinik Essen ist verglichen mit dem Vorjahr um 20 Prozent eingebrochen“, sagt der ärztliche Direktor Professor Eckhard Nagel. Ein dramatischer Rückgang, der auf die Skandale an den Unikliniken Göttingen, München und Regensburg zurückzuführen ist. An diesen drei deutschen Zentren war 2012 an der Zuordnung von Spenderorganen manipuliert worden.

Die Leidtragenden sind die Patienten, die auf der Warteliste versterben, „denn die Not der Menschen, die auf ein Organ warten, wird ja nicht kleiner“, sagt Nagel. Dass im ersten Quartal 2013 in Essen dennoch bereits 48 Leber- und 25 Nierentransplantationen durchgeführt werden konnten, ist auch auf die wachsende Zahl von Lebendspenden zurückzuführen. Häufig spendeten nun angesichts der zunehmenden Not Eltern ein Organ bzw. Teile eines Organs für ein Kind.

Bürger sollen besser aufgeklärt werden

Doch diese Hilfen erreichen nur einen Bruchteil der rund 12.000 Menschen, die derzeit bundesweit auf ein Spenderorgan warten; allein in NRW sind 3900 Patienten auf den Wartelisten verzeichnet. Während man auf Herz, Lunge oder Leber in der Regel drei bis sieben Monate wartet, sind es bei Nieren fünf bis sieben Jahre. Womit sich jeder Spende-Rückgang empfindlich auswirkt; bundesweit kann nur jedem dritten Wartelistenpatienten geholfen werden.

Nagel, der der Bundes-Ethik-Kommission angehört, setzt sich für bessere Aufklärung der Bürger ein. „Wir müssen bei jedem einzelnen um Vertrauen werben.“ Nur so könne man dem Vertrauensverlust nach den Manipulationen entgegen wirken. Darüber hinaus plädiert Nagel dafür, das derzeit geltende finanzielle Anreizsystem für Transplantationszentren abzuschaffen; danach werden Boni gezahlt, die an die Anzahl durchgeführter Transplantationen geknüpft sind.

Hannelore Kraft wirbt am "Tag der Organspende"

An der Uniklinik Essen habe man die Unregelmäßigkeiten in Göttingen, München und Regensburg zum Anlass genommen, die internen Strukturen bei der Bewertung und Behandlung von Patienten auf den Wartelisten zu überprüfen, um Missbrauchsmöglichkeiten auszuschließen.

Darüber hinaus gibt es an der Essener Uniklinik, wie an den weiteren 46 deutschen Transplantationszentren, nun eine Transplantationskonferenz. Statt wie bislang zwei beraten nun in jedem Fall drei Mediziner über die Aufnahme eines Patienten auf die Warteliste sowie über die Führung der Liste nach Dringlichkeitsstufen.

Werben will auch NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft am „Tag der Organspende“ (1. Juni) auf dem Essener Willy-Brandt-Platz, um die Bereitschaft zur Organspende zu stärken.

Claudia Pospieszny


Kommentare
28.05.2013
14:45
Viele Patienten in NRW warten vergeblich auf Transplantationen
von moby | #4

Ich finde den derzeit gültigen Organspende-Ausweis unzureichend. Ich kann zwar ankreuzen, dass ich nicht spenden will, ich kann aber nicht eintragen, dass ich auch kein Organ bekommen will. Wenn ich nun nach einem schweren Unfall eine fremde Niere bekomme, muss ich das hinnehmen, obwohl ich es nicht will .... und ein anderer hätte sich gefreut. Wenig durchdacht, das Ganze.

28.05.2013
14:36
Gesetzgebung schläft!
von Sternenpaule | #3

Einfach per Gesetz fest regeln und wer es nicht möchte, der muss zu Lebzeiten sich dagegen aussprechen. So wäre zumindest gewährleistet, dass jeder der es nicht möchte, sich einmal damit beschäftigt hat und die Menschen, die nicht darüber nachgedacht haben, automatisch ihre Niere spenden.

28.05.2013
09:56
...
von sebas | #2

(1) Circa 90% der Bürger sind gesetzlich krankenversichert,
ca. 10% privat.

(2) Für Operationen gibt es Codes.
Wenn man nach "häufigste Operationen" googelt,
dann findet man eine Rangfolgde, der in Deutschland
stationär durchgeführten Operationen:
Platz 1: 5-469 Andere Operationen am Darm
Platz 2: 5-812 Arthroskopische Operationen am Gelenkknorpel und Meniskus
etc.

(3) Nun ist doch anzunehmen, dass die Häufigkeit der in Deutschland
an Inländern durchgeführten Operationen annähernd unabhängig vom der Art
der Krankenversicherung ist!!???

Beispiel: Operation "5-469" wurde in 2011 ca. 343.496 mal durchgeführt.
Nehmen wir an, von diesen Patienten waren 340,000 Inländer.
Dann müßte die Anzahl der Operationen "5-469" an privat versicherten
Patienten bei ca. 34.000 (= 10%) liegen.

Da privat versicherte Patienten eine etwas höhere durchschnittliche
Lebenserwartung haben dürften, wird die Anzahl der privat Versicherten

2 Antworten
Fortsetzung 1
von sebas | #2-1

an der Gesamtzahl der Operationen vermutlich geringfügig höher liegen
(vielleicht bei 13% ??).


(4) Für Herztransplantationen gilt: Es stehen ca. drei mal so viele Patienten
auf der Warteliste, wie transplantiert werden könnten.

(5) Und nun stellt sich die Frage, wie viele solcher heiss-begehrten Operationen,
wie z.B. Herztransplantationen, in Deutschland je Jahr an Inländern
durchgeführt werden und wie viele dieser Transplantationen an privat Versicherten
und wie viele an gesetzlich versicherten durchgeführt werden/wurden???
Liegen Jemandem diese Zahlen vor???

Oder anders gefragt: Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen
Versicherungsart und Häufigkeit von herztransplantationen?

Meine Einschätzung lautet: Mindestens ein Drittel der in Deutschland an Inländern
durchgeführten Herztransplantationen wurde an privat Versicherten vorgenommen.

Und wenn dem so ist, dann stellt sich natürlich die Frage: Warum ist das so???

Fortsetzung 2
von sebas | #2-2

(5) Übrigens: 1990 wurde dem einflußreichen Fürsten von Thurn und Taxis innerhalb
kürzester Zeit (also ohne Wartezeit) ein Spenderherz eingepflanzt und kurze Zeit
später, dann auch noch ein Zweites, obwohl der Herr damals bereits ein sehr
fortgeschrittenes Alter (74) hatte und solche Operationen in der Regel überhaupt
nicht mehr bei Über-70-jährigen durchgeführt wurden.

Der verantwortliche Operateur (Reichart) und die "Untersucher" des Vorfalls bestreiten
bis heute jede Bevorzugung des Fürsten.

Jedoch ist es überaus absurd anzunehmen, dass ein 74-jähriger ehemaliger Busfahrer
in kürzester Zeit (an der Warteliste vorbei) gleich zwei Spenderherzen erhalten könnte.

(6) Solange diese Fragen ungeklärt sind bzw nicht "ethisch gerecht" gelöst wurden,
sollten wir uns nicht über eine mangelnde Spenderbereitschaft wundern.

28.05.2013
09:41
Viele Menschen warten vergeblich auf Organe
von BR01 | #1

Bei den Ärzten die Organe verkaufen da darf man sich nicht wundern.

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