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„Viele Klienten sind für Hilfe nicht zugänglich“

21.01.2015 | 00:10 Uhr

Rund 1.400 Klienten zählte allein die Beratungsstelle für Wohnungslose auf der Maxstraße im vergangenen Jahr. Tendenziell mehr als in den Jahren davor. Doch die Zahlen sind nur bedingt aussagekräftig, wie die Leiterin der Einrichtung, Petra Fuhrmann erklärt. „Manche Klienten kommen zwei, drei Mal und dann sehen wir sie nie wieder. Andere brauchen Jahre, bis sie sich langsam öffnen und für weitere Hilfsangebote bereit sind.“ Überhaupt lassen sich Wohnungslose nur schwer statistisch erfassen. Der Großteil kommt zwischenzeitlich bei Freunden und Verwandten unter, 41 Personen leben dauerhaft in der Notunterkunft auf der Liebrechtstraße. Platz gibt es für 58 Übernachtungsgäste. Sogar unter denen, die eine Obdachlosenzeitung verkaufen, gibt es so manchen, der eine feste Bleibe hat.

„In Essen schlafen 19 Menschen tatsächlich auf der Straße“ berichtet Bernhard Munzel, Sprecher des Diakonischen Werks. „Die meisten Leute hangeln sich so durch. Manche entziehen sich aber bewusst dem Leben in vier Wänden.“ Die Gründe dafür sind vielfältig: Drogensucht, Alkohol, psychische Erkrankungen, negative Erfahrungen aus vorherigen Mietverhältnissen. Viele haben nie gelernt, selbstständig einen Haushalt zu führen und sind mit der eigenen Bude überfordert. Gerade unter den weiblichen Klienten gibt es aber auch einige, die geschlagen oder sexuell missbraucht worden sind, weiß Petra Fuhrmann.

In der Suppenküche der Beratungsstelle sieht man daher größtenteils Männer. Die meisten Frauen essen ein paar Räume weiter. Für 1,10 Euro gibt es heute einen deftigen Eintopf. Dazu ein Getränk, später noch einen Pudding und Kaffee. 60 bis 80 Essener kommen täglich zur Suppenküche. Einige wollen sich auch nur in Ruhe aufwärmen oder suchen jemanden, der ihnen zuhört. Kurz nach 11 Uhr wandern die ersten Klienten gemächlich zur Ausgabe. Eigentlich beginnt das Mittagessen erst um halb zwölf, aber ganz so genau nehmen es die ehrenamtlichen Mitarbeiter dann doch nicht.

„Guten Morgen, Frau Fuhrmann“, sagt ein Wohnungsloser freundlich. Die Leiterin der Einrichtung grüßt zurück. Der Klient hat sich gerade von einem Arzt behandeln lassen. Draußen parkt das Arztmobil, einige Männer stehen davor und warten darauf, dass sie an die Reihe kommen. Die medizinische Behandlung ist hier kostenlos. Viele Wohnungslose haben keine Krankenversicherung und trauen sich aus Scham nicht in ein Krankenhaus. Nebenan werden jährlich 50.000 Kleidungsstücke verteilt.

Einige Dienstleitungen gibt es in der Beratungsstelle nicht umsonst. Tee und Kaffee kosten 20 Cent, Wäsche waschen kann man ebenfalls für einen kleinen Betrag. „Es ist gut, wenn die Klienten ein gewisses Einkaufserlebnis haben und die Dinge wertschätzen“, sagt Sozialpädagogin Petra Fuhrmann. „Wenn jemand gar kein Geld hat, geben wir auch mal so etwas zu essen, aber eigentlich hat das keiner nötig.“ Tatsächlich beziehen fast alle Wohnungslosen Arbeitslosengeld II und damit knapp 400 Euro pro Monat.

Theoretisch müsste es also keine Wohnungslosen in Essen geben, findet Fuhrmann. Doch viele seien nicht zugänglich für Hilfe. Eine Klientin habe ein halbes Jahr gebraucht, bis sie ihren Namen preisgegeben hat. Andere beziehen eine Wohnung, verlieren sie aber kurz darauf wieder, weil sie sich Ärger mit den Nachbarn einhandeln und in alte Muster verfallen. „In Holsterhausen kenne ich eine Frau, die nicht in geschlossenen Räumen sein kann. Die kommt ganz gut durch, weil die Infrastruktur im Viertel stimmt. Der Bäcker gibt ihr was, manchmal der Metzger. Einige kommen erst zu uns, wenn es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geht.“

In der Maxstraße gibt es auch so genug zu tun. In den Büros im Erdgeschoss, werden im Minutentakt Beratungsgespräche geführt. Manche Klienten wollen ihre Papiere in Ordnung bringen. Die meisten kommen aber, um ihre Post abzuholen, wie eine Mitarbeiterin erklärt. „Es gibt durchaus Wohnungslose, die haben ein Handy, manche haben auch einen Laptop oder ein Auto – zumindest für den Moment“, ergänzt Petra Fuhrmann. „Man steht oft schneller auf der Straße als man denkt, gerade wenn eine Beziehung auseinander geht.“ Einige kaufen sich von ihrem Geld Karten fürs Fußballstadion fürs Kino. „Die haben die gleichen Bedürfnisse wie andere Bürger dieser Stadt auch“, so Fuhrmann.

Dass es mit dem Geld in den meisten Fällen nicht so richtig klappt, liegt aber meistens an Suchterkrankungen und am Leben auf der Straße selbst. „Da Wohnungslose keine Vorräte anlegen können, müssen sie sich täglich versorgen. Das ist natürlich teuer“, sagt Bernhard Munzel. Ein spezieller Dauergast an der Maxstraße trinkt täglich 30 Flaschen Bier. Andere kaufen sich von ihrem Geld Drogen, viele haben Schulden.

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„Viele Klienten sind für Hilfe nicht zugänglich“
„Viele Klienten sind für Hilfe nicht zugänglich“
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2015-01-21 00:10
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