Viel Geld, aber wenig Nutzen für die Messe Essen

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Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die abgespeckten Umbaupläne für die Messe wirken auf den ersten Blick wie die billigere Ausgabe der abgeschmetterten großen Lösung. Tatsächlich entstehen teilweise Potemkin’sche Dörfer, und es wird am Bestand herumgestückelt.

Warum nicht gleich so? Das wird jetzt mancher fragen, der politisch gegen die gescheiterte Modernisierungs-Variante gekämpft hat, die 123 Millionen Euro kosten sollte. Doch Vorsicht: Was die Messe gestern vorlegte, sieht nach außen hin preiswert modernisiert aus, ist aber in weiten Teilen Stückeln am Bestand. Dafür ist eine Bausumme, die sich irgendwo zwischen 57 und 88 Millionen Euro einpendeln wird, nicht gerade wenig.

Das einzig wirklich Neue ist der Abriss der Doppelstockhallen, die zu einer Großhalle vereinigt werden. Ansonsten hat die Messe bei ihrer Präsentation im Aufsichtsrat keinen Zweifel gelassen: Es gibt „keine Qualitätsanpassung“ im Bestand. Weder werden die nervigen Niveau-Unterschiede zwischen den Nordhallen behoben noch viele kleine Misshelligkeiten bei der Hallentechnik. Und die Logistik wird mutmaßlich auch nicht einfacher, wenn knapper Freiraum weiter überbaut wird. Das Kongress-Geschäft, das als eigentlicher Wachstumstreiber gilt, erhält durch die Mini-Lösung fast gar keine Impulse. Und die vorgeblendete Fassade vor dem Messehaus Ost ähnelt einem Potemkin’schen Dorf - und wenn man eintritt, wird man das wohl auch sehen.

Ob die ohnehin längst an der Messe Essen verzweifelnden Verbände und Aussteller damit zufrieden sein werden, steht in den Sternen. Tatsache ist: Die Essener Messe-Mitarbeiter werden derzeit geradezu vorgeladen, um ihren erbosten Kunden gütigst zu erläutern, ob - und wenn ja wann - es denn in Essen endlich mal vorangeht. Ob am Ende dieses Jahres noch genauso viele Messen an Bord sind wie derzeit, ob dem „Reifen“-Verband weitere Abgänge folgen, das wagt derzeit niemand zu prognostizieren, zumal die Abwerbe-Trupps anderer Messen putzmunter und hyperaktiv sind.

Man kann nur hoffen, dass Messe-Chef Kuhrt, der einen prima Job macht, den Unmut noch mal beschwichtigen kann. Dafür braucht er zumindest die kleine Lösung. Wenn Essen baulich gar nichts tut, droht die Messe zusammenzubrechen - mit immensen Folgekosten. Das aber will kaum ein Politiker auf sein Gewissen nehmen. Das jetzt vorgestellte Konzept wird also wohl am Ende umgesetzt, weil sich die Ratsfraktionen unter Einschluss mindestens der Grünen auf diesen kleinsten gemeinsamen Nenner verständigen können.

Und dann hilft nur eins: beten, dass es auch was nützt.