Im Sommer schmilzt die Tierliebe
02.07.2009 | 17:03 Uhr 2009-07-02T17:03:00+0200Essen. Mit Beginn der Sommerzeit schmilzt sie bei vielen dahin, die Tierliebe. Der bevorstehende Urlaub ist nicht wenigen Herrchen und Frauchen wichtiger als ihre tierische Begleitung. Letzte Rettung der verstoßenen Null- bis Achtbeiner: Das Albert-Schweitzer-Tierheim in Essen.
Bärbel Thomassen strubbelt Staffordshire Bullterrier Gismo über den Kopf. Nach der Aufregung der vergangenen halben Stunde muss sich die Leiterin des Albert-Schweitzer-Tierheims in der Grillostraße erst mal beruhigen. Eine Frau aus Bochum hatte ihre Ratten abgeben wollen. Doch da das größte Tierheim NRW’s allein mit den Essener Tieren schon an seine Kapazitätsgrenzen stößt, lehnten die Mitarbeiter am Empfang ab. „Da setzt diese Frau die Transportbox mit den Ratten einfach zwanzig Meter von hier entfernt vor unseren Augen aus“, sagt Thomassen kopfschüttelnd. Auch an eine Frau, die zu Beginn der Woche ans Fenster ihres Büros klopfte und eine Katze loswerden wollte, erinnert sich Thomassen noch zu gut. Lapidare Erklärung der Dame: „Wir fliegen doch morgen in den Urlaub.“
Spendenaufkommen um 20 Prozent gesunken
Seit 1950 besteht das Albert-Schweitzer-Tierheim auf dem Gelände an der Grillo-Straße in Essen. In Nordrhein-Westfalen ist es die größte Einrichtung dieser Art.
Träger ist der Tierschutzverein Groß-Essen e.V., in dem sich rund 3.500 Mitglieder engagieren.
Das Tierheim bietet Platz für jeweils bis zu 110 Hunde und Katzen sowie bis zu 140 Kleintiere. Da in der Vergangenheit immer mehr Kleintiere wie Kaninchen oder Ratten abgegeben wurden, soll in den kommenden Wochen angebaut werden.
28 Mitarbeiter werden zurzeit beschäftigt. Neben Tierpflegern ist auch eine Tierärztin mit im Team, die die Tiere in der integrierten Praxis behandelt.
Doch das Tierheim ist keine Pension. Dafür sind weder der Platz noch die finanziellen Mittel vorhanden. Letztere sind mit der Wirtschaftskrise dramatisch geschrumpft. Rund 20 Prozent Spendenrückgang hat das Albert-Schweitzer-Tierheim seit Beginn der ökonomischen Talfahrt zu verzeichnen. Zudem geben immer mehr Menschen ihr Tier ab – weil sie sich die Haltung nicht mehr leisten können. „Viele unterschätzen die Kosten, wenn sie sich ein Tier anschaffen“, weiß Bärbel Thomassen. Immerhin: Ein durchschnittliches Hundeleben in Deutschland kostet 12.000 Euro, für eine Katze werden rund 9.000 Euro in Futter, Zubehör und Tierarztkosten investiert.
Vor allem in den Sommermonaten ist das Zusammenspiel all dieser Faktoren dramatisch. Schließlich geht auch die Vermittlungsrate deutlich zurück. Hinzu kommt der oft desolate Zustand der Neuankömmlinge. „Einige Tiere werden völlig ungepflegt oder krank zu uns gebracht, weil ihren Haltern die Arztkosten zu hoch sind“, sagt Bärbel Thomassen. Für das Tierheim sind die fehlenden Impfen und mangelnde Vorsorge ein riesiges Problem. Um die Ausbreitung von typischen Krankheiten wie Katzenschnupfen zu verhindern, haben die 28 Mitarbeiter des Tierheims schwer aufgerüstet: Regelmäßige Desinfektion ist wie in einem Krankenhaus Pflicht und in Quarantäne-Stationen werden die pelzigen „Sorgenkinder“ gesund gepflegt.
Bei Katzen ist Kapazitätsgrenze erreicht
Doch manchmal kommt jede Hilfe zu spät. Etwa bei dem Schäferhund, der im April 2008 in die Aufnahme kam, bis auf die Knochen abgemagert war und schon nach Verwesung roch. Das andere Ende der Leine hielten sauber manikürte Fingernägel. „Die Frau hatte den Hund von ihrem verstorbenen Vater. Der Ekel war ihr anzusehen und sie sagte nur ‚Da, den will ich nicht’“, erinnert sich Thomassen, der solche Ignoranz und fehlendes Mitgefühl ein Rätsel sind.
Kopfzerbrechen bereiten ihr derzeit auch die Stubentiger: „Bei Katzen haben wir unsere Kapazitätsgrenze erreicht.“ Viele Freigänger seien nicht kastriert oder sterilisiert. Daher wächst auch die Zahl der wilden Katzen auf Deutschlands Straßen stetig. Viel schlimmer noch, dass es noch immer Menschen gibt, die diese Vermehrung rabiat stoppen wollen. „Katzen zu ertränken ist leider immer noch Gang und Gäbe“, sagt Thomassen.
In der vom Tierschutzverein Groß-Essen zu hundert Prozent getragenen Einrichtung finden sie alle eine letzte Rettung: Hunde, Katzen, Kaninchen, Ratten, Frettchen oder Exoten wie Bartagame. Und auch, wenn alle Mitarbeiter über die reguläre Arbeitszeit hinaus alles für ihre Schützlinge tun, weiß Thomassen: „Ein echtes Zuhause können wir hier nicht ersetzen.“
- Fotostrecke: Wir suchen ein Zuhause
11:29
Ich finde es einen Vorwand den Hund aus Kostengründen abzugeben. Für Kippen und Handys wird Geld ausgegeben. Der Urlaub wird auch gemacht. Ist es nicht eher so, dass der Hund auf einmal lästig geworden ist, oder als alter Hund nicht mehr so aktiv und ein wenig dusselig, so dass man mehr Rücksicht auf ihn nehmen muss und nicht mehr so flexibel ist? Ich finde es grausam, einen alten Hund ins Heim zu bringen, der sein ganzes Leben bei seiner Familie verbracht hat. Unsere Hunde sind 7 und 13 Jahre. Wenn wir unseren älteren Hund abgeben würden, bin ich mir sicher, er würde vor Kummer sterben. Es gibt sicher auch wirkliche Notfälle, aber ich glaube nicht sehr viele.
13:56
Warum jammern die Leute nur ständig herum, wie teuer die Tiere in den Tierheimen sind?
Spenden Sie sonst kein Geld?
Das wäre aber schade...
Ich habe vor 11 Jahren 200 DM für meine beiden Kater im Tierheim Recklinghausen gegeben und fand das o.k.
Denn mit diesem Geld unterstütze ich die Tierheimarbeit, die so wichtig ist.
An diesem Geld verdient sich niemand eine goldene Nase...
Ein anderes Thema sind die Tierarztkosten...da muss ich auch sagen, dass sich einige Tierärzte ihre Dienste vergolden lassen und das ist nicht o.k.. Die Tierärzte, die auch mal ein Auge zudrücken, sind scheinbar sehr selten geworden...aber das sind die, die mit Leib und Seele Tierarzt sind.
10:24
Das ist korrekt, aber das Tierheim sollte sich auch mal überlegen ob es unbedingt so hohe Preise nehmen muß für einen Hund zum beispiel. Ich kenne einige Leute die sich schon einen Hund im Essener Tieheim holen wollten es dann aber sein liessen weil es einfach zu teuer war, die sind dann nach Mülheim gegangen dort sind die Tiere nicht mal halb so teuer.
17:14
Bevor man sich ein Haustier anschafft, sollte man bedenken, dass man für das Tierleben lang die Verantwortung übernimmt. Auch für die Urlaubszeit gibt es unzählige Möglichkeiten Hund oder Katze unterzubringen, so gibt es z.B. genügend Tierpensionen oder Pfötchenhotels, wo die Tiere gut versorgt werden. Zum Glück gibt es aber auch noch verantwortungsvolle Menschen.
10:58
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