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Ein U-Boot als Atoll

06.05.2010 | 16:24 Uhr

Mit einem U-Boot nimmt das Ruhr.2010-Projekt "Ruhr-Atolle" Formen an.

Schwimmt ein U-Boot die Ruhr rauf, an der Schleuse in Kettwig taucht langsam der schwarze Turm auf. Am Ufer sammeln sich Rentner, Jogger, Radfahrer, eine Frau mit Kinderwagen; sie kramen nach ihren Handys.

„Issendas?“ fragt einer in beiger Windjacke fassungslos und ein anderer antwortet: „Kunst.“ „???“ „Hat was zu tun mit Essen ähm Zweitausendzehn, sie bringen das zum Baldeneysee, das bleibt da den Sommer.“  Eine Ente fliegt das kriegerische Teil scharf an, biegt knapp ab. „Örk“, macht die Ente. Es klingt überrascht.

Nachdenkliches Friedens-U-Boot

Ein U-Boot Kunst? Was soll das - spielt die Kulturhauptstadt Krieg? Nein. Sie spielt Frieden. Mit diesem U-Boot ist kein Krieg zu gewinnen; es hat keine Waffen, aber eine Inschrift, deren Buchstaben aus dem millimeterdicken Stahl geschnitten sind: „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“

Das ist ganz schön harter Stoff; Immanuel Kant, hier im idyllischen Ruhrtal. „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ Es ist aber gar nicht hart, sondern eigentlich ziemlich einleuchtend, gerade, wenn es um ein U-Boot geht. Kriege können beendet werden, wenn man es  sich zur Pflicht macht?

Dieses nachdenkliche Friedens-U-Boot also, das seit gestern im Baldeneysee liegt, als wäre es da gestrandet, ist in Wirklichkeit eine Insel. Es gibt kein Unterteil, nur den Turm, der in der Meidericher Schiffswerft einem Original der US-Marine nachgebaut wurde. Am Montag wurde er stromauf geschleppt und geschoben, zum Baldeneysee, wo schon das Teehaus des Japaners Kazuo Katase liegt. Zwei Inseln kommen noch, außerdem eine Installation an der Werdener Staumauer und  eine Kunstaktion, bei der ein Teppich aus Äpfeln auf dem See schwimmt - Sinnbild für Leben, Sterben, Entstehen.

Zum Nachdenken über Energie anregen

Schon vor zehn Jahren hatte der Konzeptkünstler Norbert Bauer die Idee, auf dem Baldeneysee etwas „mit Energie“ zu machen - mitten im Ruhrgebiet, das lange von der Energie gelebt hat. Bauer ist Kurator des Ruhr-Atolls, das Ruhr2010 nun verwirklicht hat; er will zum Nachdenken anregen, über den Umgang mit Ressourcen, auch darüber, welche Energie in Kunst, in Kreativität steckt. Das klingt schon wieder nach hartem Stoff, und ist es auch; ist aber auch schön.

Andreas M. Kaufmann hat das U-Boot zusammen mit dem Kunsthistoriker Ulrich Reck entworfen, sein Thema ist der Kampf ums Öl. Deshalb kombiniert er das Sinnbild der Zerstörung mit Kant; und mit Fotos aus Kriegs- und Krisengebieten. Sie werden wie Dias in den Fensteröffnungen installiert, Kaufmann verspricht, dass sie leuchten werden wie Kirchenfenster.

Jede der fünf Inseln erzählt von Energie, jede hat ihren eigenen Charakter; und ihre eigene Botschaft. Das Teehaus, sonst Ort der Meditation, ist ein Tank - eine Solarpumpe füllt ihn aus dem See und er versorgt einen Gemüsegarten hinterm Haus. Auch der Gelassenste braucht Salat.

Fünf Inseln für das Ruhrgebiet

Oder das wunderbare „Projekt zur Erhaltung natürlicher Ressourcen“. Die Insel von Ilya und Emilia Kabakov  quietscht und scheppert; zwei altmodische Windräder drehen sich, ein Eimer wandert ruckend an einer Seilwindevorwärts; Wasser wird um-ständlich aus dem Baldeneysee geschöpft, umgefüllt, gereinigt,und am Ende fließt es wieder in den See. Eine Maschine, die nur so tut als ob; die Botschaft: Fortschrittsglaube kann ganz schön blind sein.

Der ICEBERG von Andreas Kaiser, ist: ein Eisberg. Zusammen mit dem Polarfoscher Lars Kindermann baute er aus Kunststoff eine riesige Scholle,  darauf steht ganz klein ein rotes Forschungszelt. Man kann es besuchen und darin eine Collage aus Bildern, Klimadaten und Originaltönen aus der Antarktis hören. Die Bortschaft, natürlich: Klimawandel. Man kann die Insel nur mit dem Tretboot erreichen: mit eigener Energie.

Die Insel von C.U Frank schließlich ist ein riesiger Rettungsring - er markiert eine Steininsel, die bei Hochwasser überspült ist, Wind und Wasser halten ihn in Bewegung. Und das ist seine Botschaft.

Fünf Inseln für das Ruhrgebiet,  fünf Inseln, die staunen machen. Das U-Boot war der Anfang. „Boah“, sagte die Frau mit dem Kinderwagen, als der Turm langsam über den Kettwiger Stausee verschwand. „Boah, ist das irre.“ Dann machte sie noch ein Foto.

Ein U-Boot als Atoll

Gudrun Norbisrath (Text) u. Jennifer Schumacher (Video)

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Kommentare
02.07.2010
23:25
Ein U-Boot als Atoll
von kein essener | #57

Derrr Essener wünscht eine von allem anstößigen berrreinigte Kunst. Gemälde voller Krrrrruppstahl und Hochofenfeuerrrr.

14.05.2010
21:15
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von acker60 | #56

schon mal darüber nachgedacht wer für die Wepenplage aufkommt die da mit den Äpfeln produziert wird, diese Kunst ist genauso geistiger Dünn...wie die Sperrung der A40 und der Extrabus für das Folgwang-Museum in dem bei jeder Fahrt bis zu 5 Leuten sitzen. Prima wir haben es ja

14.05.2010
19:42
Blockierter Kommentar.
von Katlewski | #55

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

13.05.2010
16:50
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von smoki | #54

Ruhr 2010- was soll der ganze Blödsinn? Macht Schluss damit und erhaltet mit dem Geld lieber Schwimmbäder und Jugendzentren und fördert den öffentlichen Nahverkehr- das ist Kultur die die Bürger betrifft! U-Boot fahren brauchen wir nicht und 20.000 Äpfel im See erst recht nicht!! Volksverdummung!!!

07.05.2010
10:14
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von Kunstbanause | #53

Das ding ist genau so hohl wie die Köpfe der Schöpfer.
Kunst kommt heute leider nicht mehr von KÖNNEN. Sondern heute besteht die Kunst darin, den größten Unsinn als Kunst zu verkaufen.
Es gibt immer ein paar wichtige Leute die in einen Kuhfladen die tollsten Dinge interpretieren.
Witer so! Das Geld muß alle werden!!

06.05.2010
15:17
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von butcher99 | #52

es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie stark Kunst polarisieren kann. Ich halte den gesamten Kulturhauptstadthipe auch für sehr fragwürdig, aber kann man über die sogenannten Inseln bereits streiten, bevor sie fertiggestellt sind, und man bei der Bsichtigung die Chance erhält sich ein Urteil zu bilden?

05.05.2010
12:23
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von karlleokraus | #51

Boah is dat irre!
Sah ich schon die Gefahr, dass das U-Boot-Projekt keine künstlerischen Entfaltungsmöglichkeiten nach oben mehr erlauben würde, so sehe ich mich getäuscht. Hat meine Phantasie hier einfach nicht ausgereicht? Offenbar, denn der heulende Berg hat bei mir das heulende Elend ausgelöst, weil, übertrifft er doch alles Dagewesene und schafft endlich den Durchbruch zu Paris, London, New York und wird die Massen strömen lassen.
Jetzt noch, meine zugegeben leicht abgestandene Idee am heulenden Berg realisiert, mit dem Gedicht Der Wolf vorgetragen von Harpe K. und vom heulenden Berg, dazu ein langgezogenes H U R T Z untermalt mit Donnergrollen und Regen. Ja, da würde der Funken das Fass zum Überlaufen bringen und auch ein Kamel durchs Nadelör trampeln.
Also, gewährt mir die Bitte, bitte.

04.05.2010
22:41
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von kunsti | #50

Wer mal auf einem der offiziell zum Projekt gehörenden Kultur trifft Treffen in Werden war, wird wissen:

Alle realisierten Insel-Projekte sind von einem großen Konzern gesponsert, zum größten Teil. Die künstlerische Konzeptlosigkeit der Inseln variiert zwar, allen realisierten Inseln ist gemein, dass sie auch genauso auf der Binnenalster in Hamburg oder auf dem Wörthersee schwimmen könnnten. Sie sind mitnichten Ruhrkultur, noch sitespecific, verbrauchen erhebliche Ressourcen und sind nicht nachhaltig - werden aber so dargestellt. Wegen arrogantem Herangehen (Standortauswahl kam erst nicht gut an) kam massive (berechtigte) Kritik v.a. aus Werden von lokalen Bürgern auf, dann wurde am Ende notdürftig versucht, ein Werdener Gymnasium als lokale Anbindung zum Kulturprojekt mit hinein zu holen. Übersetzt: Gut, wenn es sein muss, dann pinseln ein paar Schüler...und wir können sagen es nutzt den Leuten und hat Bildungsanspruch. LoL
Es wird -grade vom Kurator - seit Bekanntgabe der Insel-Idee, mit allerlei Geschwätz als kritische Kunst dargestellt, was eigentlich ein weiterer Beweis der Einfallslosigkeit ist. Nur eine Minderheit der Künstler hat überhaupt einen Bezug zu Essen, von den Ideen keine, sehr wohl jedoch zu den Interessen eines Energiekonzerns (Feigenblatt-Effekt).
Während der Touristen-Gag Ende 2010 wieder abgebaut ist, werden Essener Künstler einen nachhaltigen Schaden haben: Wer auch immer Kultur denkt, wird an 12-Millionen-Pleiten wie Zollverein Design school oder diese albernen Projekte des Baldeney-Inselprojekts denken. Man merkt es bereits hier im Forum. Nicht an die vielen wirklich coolen Potenziale, die zusammen in den letzten 5 Jahren nicht mal ein Bruchteil des Budgets bekamen und dennoch Kunst machten. Ich freue mich auf Kunst2011, ggf. schon vorher...wenn nämlich der Kultur-Kater die VIPs aus der Brunnenstraße einholt.

04.05.2010
15:28
Blockierter Kommentar.
von landsberg13 | #49

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.05.2010
14:57
Boah ist das irre - ein U-Boot auf dem Baldeneysee
von fitzcarraldo | #48

@45
Ah...jetzt...ja! ;-)
Alles klar. Bedankt.

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