Ein Herz für alte US-Cars
08.06.2011 | 15:49 Uhr 2011-06-08T15:49:59+0200Greg Brockhaus hat sich mit seiner Werkstatt "Speedkills" auf amerikanische Kultautos spezialisiert.
Was ist leichter zu verstehen? Dass ein gebürtiger Schalker und S04-Dauerkartenbesitzer seine Werkstatt eine Auspufflänge vom RWE-Stadion entfernt betreibt, oder dass jemand, dessen erstes Auto eine Edel-Ente Dyane mit einem halben Literchen Zylinderinhalt war, zehn- bis zwanzigmal so voluminöse US-Hubraummonster unters Volk bringt? Oder wie aus dem Gelsenkirchener Gregor ein reichlich mit Tattoos geschmückter Greg wird, der am liebsten in den USA leben würde? Nicht zuletzt, damit er nicht mehr so oft rüberfliegen muss?
Das ist alles leicht zu verstehen: Nach acht Jahren im olivgrünen Ölsumpf als Kfz-Meister bei der Bundeswehr hat sich G. Brockhaus (46) selbstständig gemacht, seine Autoquartettträume der Kindheit erfüllt und das Hobby zum Beruf gemacht.
Irgendwie klar, dass er es immer schon mit Rockabilly und Ami-Schlitten hatte. Die ungewaschene geschweige denn weichgespülte Hot-Rod-Subkultur ist sein Ding, eine spezielle Art von Verehrung für das wahre Amerika oder was man immer dafür hält. Und für die gusseisernen Autos aus dem Land, in dem das Motto „Bigger is better“ ungefähr den Rang eines Verfassungszusatzes wie das Recht zum Tragen von Schusswaffen genießt.
Street Credibility brachte Greg also genug ins Werkstattgeschäft mit, und irgendwann kamen die ersten Ami-Fans. „Richtig intensiv wurde das Geschäft in den Neunziger Jahren“, sagt Greg. „Speedkills“ heißt seine Firma, das sei ihm spontan als Ebay-Name eingefallen. Passenderweise hat es einen hübsch ironischen Unterton, ist „Geschwindigkeit tötet!“ doch der langjährige Warnhinweis US-amerikanischer Verkehrserziehungsmaßnahmen.
Ein ziemlich beinharter Hot Rod, der Albtraum eines jeden altdeutschen TÜV-Abnehmers, diente lange als rollendes Aushängeschild für die Werkstatt. Selbst fährt Mr. Speedkills einen ‘71er Dodge Challenger, eine Ikone für Ami-Fans und ein ziemlich böses Auto. Ohne hier ins Deta von „AmeriCar“ und „Detroit Iron“ gehen zu können: Ein Challenger ist so etwas wie der Gegenentwurf zum Pink Cadillac.Geschwindigkeit tötet nicht nur, sie bringt auch Menschen zusammen. Der Kauf eines Mustang Cabrio bei ihm führte Nina und Greg zusammen. Jetzt führte die 39-jährige die Buchhaltung, und weit über 100 Stunden in der Woche arbeitet das Ehepaar zusammengenommen immer.
Von „Speed chills“ kann keine Rede sein. „Ich könnte längst rund um die Uhr arbeiten“, so Greg über den Auftragsstau. Der entwickelt sich nach seinen Auftritten im TV-Automagazin auf Vox in Richtung A40-Berufsverkehr, was Brockhaus’ reservierte Plätze in der Schalke-Arena noch öfter leer lässt.
Der Privatsender begleitete ihn bei seinen USA-Einkaufstouren. 50 Ami-Schlitten, hauptsächlich von Privatleuten für Privatleute, hat er vergangenes Jahr gekauft, vorzugsweise im knochentrockenen US-Bundesstaat Arizona.
Ein kleiner Unternehmer mit großem finanziellen Risiko ist man auch, wenn die Arme bis zu den Schultern tätowiert sind, mit Joe ein (friedlicher) Kampfhund vor der Tür liegt und Musik der härteren Gangart durch die Halle dröhnt. Brockhaus kämpft mit der hohen Fluktuation unter einer Handvoll Mitarbeitern. Da hilft es nur bedingt, dass es bei Speedkills fast zwei Wochen mehr Urlaub gibt.
Noch können die Kunden ganz easy direkt in die Werkstatt unter die Hebebühnen rennen. Damit soll es bald vorbei sein, was nicht jeder Speedkiller gut im ursprünglichen Sinne finden dürfte. Aber wenn man US-Fan ist, kann man gegen Professionalität doch nichts haben.
17:53
Hätte lieber ein paar mehr Autos oder wenigstens etwas von der Werkstatt gesehen...so gesehen eine etwas schwache Vorstellung.