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Blick ins neue "Ruhr Museum" schon vor der Eröffnung

08.01.2010 | 14:50 Uhr

Essen. Nach 300 Millionen Jahren Ruhrgebietsgeschichte, 120 Monaten Planung und 1.000 Tagen Arbeit folgt nun der Endspurt: Am Sonntag eröffnet das neue "Ruhr Museum“ auf Zollverein. 6.000 Exponate aus Gegenwart und Geschichte erwarten die Besucher.

Müde Augen schweifen aufgeweckt umher, erfassen mit geübtem Blick jeden Winkel, jedes Detail. Fertig sehen sie aus, das neue „Ruhr Museum“ und er. „Der Schlafmangel“, entschuldigt sich Theodor Grütter und ist im nächsten Satz schon wieder ganz professionell Herr der Lage: „Die Glastür muss noch geputzt werden. Diese Schlieren — das geht doch nicht.“ Nach 300 Millionen Jahren Ruhrgebietsgeschichte, 120 Monaten Planung und 1.000 Tagen Arbeit nun der Endspurt. Am Samstag kommt der Bundespräsident, da muss alles stimmen. Viel Zeit für Schlaf bleibt nicht, die Stunden rasen.

Gemächlich tuckert der Lastenaufzug abwärts, hinunter von der 17- zur 6-Meter-Ebene gilt es Raum und Zeit zu überwinden, hinab von der Gegenwart in die Geschichte. „Den Fahrstuhl haben wir vor ein paar Tagen noch frisch gestrichen.“ Kommunikationsleiter Grütter schmunzelt. „Für den Bundespräsidenten samt Gefolge waren unsere Personenaufzüge einfach zu klein.“ Nun erstrahlt der Lastenaufzug in neuem Glanz, ist des Transportes einer so gewichtigen Person würdig.

5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche

Die Wege im „Ruhr Museum“ sind lang. 5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gilt es zu erkunden, immer dem Weg der Kohle nach, ein Irrgarten aus gläsernen Vitrinen, schlichter Betonarchitektur und schrill gepinselten Korridoren. Hinweisschilder: ein Muss. Eigens aus Stuttgart sind sie angereist, die Schildermacher der Firma Eicher, die jetzt mit Computer und Messgerät ausgestattet kurz vor knapp die Aufzugswand ins Fadenkreuz nehmen. Schließlich sollen die  Wegweiser auch gerade hängen, wenn sie später den Besuchern in zurückhaltendem Grau unaufdringlich sagen, wo´s lang geht.

Doch die Museumsgänger sollen in der ehemaligen Kohlewäsche nicht nur lesen, sondern auch lauschen. Hat doch jedes Museum, das etwas auf sich hält, mittlerweile Kopf- oder Telefonhörer parat, die dem Besucher per Knopfdruck etwas vom Objekt erzählen. „Die Texte habe ich diese Woche fertig gestellt.“ Grütter klingt erleichtert. Lesen wird seine Worte freilich ein anderer, nicht er, der Schnellsprecher, dessen Sätze mit einer schier unglaublichen Geschwindigkeit heraussprudeln, denn es bleibt wenig Zeit und doch so viel zu sagen. „Die Aufnahmen mit ,Tatort’-Star Dietmar Bär für den Audioguide laufen gerade.“

Klotzen ist erwünscht

Geologe Udo Scheer platziert ein Stück Fettkohle in einer Vitrine. Foto: Klaus Micke

Grütter kennt sie fast alle beim Namen, die helfenden Hände, die jetzt, wo es fast ernst wird, eilig durchs Museum wuseln. Freundlich nickt er Cornelia Szproch zu, die noch rasch mit dem Sauger über das Förderrad wedelt, das wohl noch nie so staubfrei war —  „Ruhr2010“ will nun mal mit Industriekultur glänzen.

Angst sich schmutzig zu machen, hat dennoch keiner, schon gar nicht Geologe Udo Scheer. Mit kritischem Blick mustert er die Kohlevitrine. „Zu klein“, befindet er und ruft rasch die Handwerker, die mit Saugnäpfen anrücken und mit einem kräftigen Ruck die Steine von ihrer gläsernen Hülle befreien. Sorgfältig entfernt der Experte das mickerige schwarze Klümpchen, platziert stattdessen ein großes Stück Fettkohle im fragilen Glas — ein klein wenig Klotzen  ist erwünscht.

Grütter ist längst schon wieder auf dem Sprung, aus dem „Gedächtnis“ geht es ganz nach oben, in die „Gegenwart“. Eine Pressekonferenz muss vorbereitet, der Eröffnungsfeier der letzte Schliff verpasst werden. Beim Vorbeischlendern bringt Grütter die „Symphonie des Ruhrgebiets“, ein imposantes Geräuschwirrwarr aus Verkehrschaos, Stadiongegröle und Zechenlärm, zum Klingen. Und in die müden Augen schleicht sich ein klein wenig Zuversicht. Wird schon gut gehen, die Eröffnung.

Anne Wiegel

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Kommentare
07.01.2010
23:40
Blockierter Kommentar.
von Beatrix.Gutmann | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.01.2010
22:38
Blick ins neue Ruhr Museum schon vor der Eröffnung
von CaptainWillard | #6

#4 GZ

Vielen vielen Dank -

Damit haben Sie es bstätigt.

Die Synagoge in Essen werden wir selber sichern.

Mazeltov für culturecapital

07.01.2010
22:26
Blick ins neue Ruhr Museum schon vor der Eröffnung
von gerd_wonan | #5

Danke für das schöne Video! Ich werde mir das Museum auf jeden Fall mal anschauen.

07.01.2010
22:22
Blick ins neue Ruhr Museum schon vor der Eröffnung
von GZ | #4

Wir waren Kollegen,die 1972 während der Olympischen Spiele in München in einer so genannten Dienststelle gearbeitet haben und sich seit 1975 jedesjahr bei einen Kollegen in der alten Republik treffen.

07.01.2010
22:12
Blick ins neue Ruhr Museum schon vor der Eröffnung
von CaptainWillard | #3

300 Millionen Jahre Ruhrgebietsgeschichte?

Tut mir leid - die haben wir in der Primarstufe gelernt.

Damals hieß das noch unwissenschaftlich:

HEIMATKUNDE!

ICH finde es nicht besonders witzig, jetzt als >pars pro toto< in einem Pseudo-Museum zu landen, an dem ein paar ... ihre angebliche gesellschaftswissenschaftliche Reputation schleifen, fräsen und honen möchten.

@ # 1 und # 2 von GZ

Was für Kollegen?

Banker aus Hessen? Beamte aus Baden-Württemberg? Lehrer aus Bayern?

Das Kulturhauptstadtjahr fängt ja ganz doll an!

07.01.2010
21:32
Blick ins neue Ruhr Museum schon vor der Eröffnung
von GZ | #2

Ich hatte vergessen:auf der Kokerei haben wir für 2 Geburtstagskinder auf deren Geburtstag angestoßen,es war ein geiles Erlebnis.Tag vorher waren wir zur Besichtigung in der Ski-Halle Bottrop.

07.01.2010
21:26
Blick ins neue Ruhr Museum schon vor der Eröffnung
von GZ | #1

Ich hatte vor 6 1/2 Jahren mit 45 Personen eine Besichtigung auf Zollverein mit Führung auf der Kokerei,es war für uns alle ein Erlebnis.
Die Kollegen erinnern sich gerne daran,erst recht jetzt.Aber 2002 war es ein Geheim-Tip.

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