Freizeit: Im Luftschiff über den Pott
Pierre Ponomareff dreht im Luftschiff über dem Ruhrgebiet seine Runden.
Pierre Ponomareffs Jugendzimmer muss abenteuerlich ausgesehen haben. Schon im Alter von zehn Jahren befanden sich an die 200 Flugzeuge in dem Raum. "Ich wollte schon immer Pilot werden", erzählt der 60-Jährige, der für die Flotte WDL Luftschiffgesellschaft am Steuerruder sitzt. Ponomareff begann seine Laufbahn bei der französischen Luftwaffe, war Funker, später Copilot in einem Kampfflugzeug. Er ist ein- und zweimotorige Maschinen geflogen, war als Buschpilot in Afrika unterwegs. Irgendwann so um die Mitte der 80er Jahre sah er im Luftraum über seiner Heimatstadt Paris das damals mit "Fuji" beflaggte Luftschiff - und war fasziniert. Ponomareff fuhr hinterher, sprach mit der Crew und stand zwei Tage später bei der WDL unter Vertrag. 50 Menschen weltweit dürfen Luftschiffe fliegen, 20 sind aktiv als Piloten unterwegs. Ponomareff ist einer von ihnen. Der Flughafen Essen/Mülheim seine Basis.
"Werden, Kupferdreh, Baldeneysee, Kettwig - das Ruhrtal"
Ponomareff ist mit dem Luftschiff in den USA geflogen und in Japan. Aber nicht zuletzt das Ruhrgebiet hat es ihm angetan. Besonders eine Strecke: "Werden, Kupferdreh, Baldeneysee, Kettwig - das Ruhrtal". Aber auch andere Ecken im Revier hat Ponomareff kennen und schätzen gelernt, vor allem angesichts der Vielfalt der Region. Ponomareff zählt auf: der Hafen, die Fabriken, die Eisenbahnen, die Industrie des Ruhrgebiets. Oder der Rhein von Düsseldorf über Wesel und Kleve bis an die holländische Grenze - "wie im Urlaub". Und Ponomareff staunt noch immer, wie sich das Land an der Ruhr unter seinen Füßen verändert hat: von schwarz zu grün.
Leerflüge am Abend
Am Abend, wenn keine gewöhnlichen Passagiere mehr die Kabine des Luftschiffs besteigen, macht Ponomareff seine Leerflüge, damit das Luftschiff und natürlich die Werbung, die es auf seiner Außenhülle spazieren fliegt, auch in den späten Stunden des Tages noch zu sehen ist. Und auf sich aufmerksam macht. Das sind die Momente, in denen Ponomareff auch selbst zur Kamera greift und die Landschaft und ihre Landmarken aufzeichnet: Zollverein, die Arena auf Schalke, die Halden mit Tetraeder und Skihalle. Die Essener Skyline, die Idylle des Ruhrtals. Villa Hügel und Gasometer. Centro und Limbecker Platz. In 300 Metern Höhe und mit rund 70 Stundenkilometern passiert das Luftschiff die Orte, für die die Menschen hier ihre Region lieben.
Höhen- und Seitenruder unter Kontrolle
Der WDL 1B
Der WDL 1B, das Luftschiff, mit dem Pierre Ponomareff durch die Lüfte fliegt, ist 60 Meter lang, 16,40 Meter breit und 19,30 Meter hoch. Helium steckt in der Hülle des Schiffs, das ein Gesamt-Volumen von 7200 Kubikmetern umfasst. Acht Insassen haben inklusive Pilot Platz. 210 PS leistet der Motor. Obwohl die Standard-Flughöhe 300 Meter beträgt, könnte sich das Luftschiff bis in eine Höhe von zwei Kilometern tragen lassen.
Dabei ist es nicht so, dass Ponomareff in dem Ballon, der ohne ein inneres Gerüst in der Hülle auskommt, nichts anderes zu tun hätte, als die Aussicht zu genießen. Höhen- und Seitenruder wollen unter Kontrolle gehalten werden, ständig muss er den Gasdruck im Luftschiff regeln. Und da ist der unterschiedlich beschaffene Luftraum. Die hügeligen Ausläufer des Sauerlands, die platten Ebenen von Wesel-Datteln-Kanal oder der Lippe. Oder wieder die Industrie des Ruhrgebiets, die Fabriken und Kraftwerke, deren warme Abgase den Ballon in die Höhe treiben, wenn Ponomareff mit dem Luftschiff drüberfliegt. "Wir spielen mit dem Auftrieb", sagt der Pilot und lacht.
"Wir haben Sprit für 24 Stunden"
Immerhin: Das Fliegen könnte ewig dauern. "Wir haben Sprit für 24 Stunden", sagt Ponomareff einmal während des Flugs. Trotz der Arbeit in der Kabine: "Fliegen ist Ruhe", sagt der Pilot. Fliegen ist in seinem Fall auch Genuss. "Langeweile?", fragt Ponomareff, "Langeweile ist, wenn wir am Boden sind." Fünf Jahre lang darf der Pilot noch Passagiere fliegen. 15.000 Stunden seines Lebens hat Ponomareff schon in der Luft verbracht. Weitere werden folgen. Es hält ihn nicht am Boden. Wie ein Luftschiff. Das hat die Crew nun am Flughafen Essen/Mülheim fest vertäut. Trotzdem wiegt es im Wind. Abheben ist angesagt.
Weitere Infos und Tickets: 0208 / 378080.












1 Kommentare
Vor 20 J. war das Ruhrgebiet "schwarz"?
Wenn es politisch gemeint wäre, wäre es ja sehr schön gewesen, leider war es seit Jahrzehnten tiefrot und ist es immer noch bzw. wieder.
Aber wenn die Landschaft gemeint ist, dann muß der Überflieger - pardon, beim Luftschiff heißt es korrekt Überfahrer - über dem falschen gebiet gewesen sein, hat er sich ggf. Richtung Osten verflogen, z. B. nach Leuna, Merseburg, meine privaten Fotos zeigten auch schon vor 20 J. eine angenehmes und begrüntes Ruhrgebiet ---