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1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne

19.03.2010 | 18:19 Uhr

Essen. Mehr als 1500 Teilnehmer beteiligten sich bei der Demonstration der TuP-Mitarbeiter gegen die Sparpläne der Stadtspitze. Wenn Kulturschaffende demonstrieren, ist das nicht alltäglich: Durch die City liefen Philharmoniker im Frack mit Instrumenten, Tänzerinnen und Chorsänger, Schauspieler.

Die Theaterleute  gehen auf die Straße. Das passiert sonst nur bei Open Air-Konzerten oder Festivals. Gestern Mittag jedoch bewegt sich ein bunter Demonstrationszug vom Aalto-Theater durch die Innenstadt zum Grillo und  zum Rathaus. Der Betriebsrat der Theater- und Philharmonie GmbH (TuP) hatte dazu aufgerufen. Und über 1500 Menschen, vom Kleinkind bis zum gut gekleideten Pensionär, machen ihrer Sorge um den Fortbestand der hochgelobten und bestens besuchten Kultureinrichtungen Luft.

18.000 Unterschriften

Auf dem Theater-Platz vor dem Grillo gab die Ballettgruppe eine Kostprobe. Foto: Kerstin Kokoska

Die laufende Spardebatte der Stadtspitze, die unter anderem auch zweistellige Millionenbeträge bei dem Fünfspartenbetrieb mit Oper, Schauspiel, Ballett, Orchester und Philharmonie einsparen will, verstört die Menschen. Nicht nur die etwa 600 Mitarbeiter der TuP, sondern auch deren Angehörige und die Essener, die „ihre“ Kulturstätten nicht nur besuchen, sondern offensichtlich auch bereit sind, dafür auf die Straße zu gehen. Natürlich haben sie alle schon auf den Protestlisten unterschrieben. Wie mehr als 18.000 Besucher bisher auch.

Durch die City laufen Philharmoniker im Frack mit Instrumenten, Tänzerinnen und Chorsänger,  Schauspieler, Techniker, Verwaltungsleute, Philharmonie-Intendant Bultmann und Geschäftsführer Berger Bergmann, Menschen aus den Werkstätten. Schüler des Werdener Gymnasiums, die sonst im Ballett „Queen“ mitmachen, tanzen auf dem Theaterplatz. Ein gestandener älterer Herr, über 40 Jahre Abonnent, sagt klar, man müsse sparen.

„Ich musste einfach kommen"

Aber warum gerade bei der TuP so unverhältnismäßig? Die Häuser gehören zur kulturellen Infrastruktur, die müsse man am Leben halten. Die heute blinde Margret Nern, frühere Stadthostess, die unzählige Besucher bis hin zur Familie von Weizsäcker durch Essen führte, sagt: „Ich musste einfach kommen, ich habe  damals für die Philharmonie gestimmt, die ich leider nicht mehr sehen konnte.“ Aber sie komme regelmäßig: Zum Musik hören. „Wo sollte ich sonst hingehen?“

TuP-Betriebsrat Adil Laraki bringt es auf den Punkt: „Wir werden sparen, aber wir lassen uns nicht kaputt sparen.“ Überlastete Entscheidungsträger sollten nicht zerschlagen, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Bund und Land sollten aber auch die Städte nicht so im Stich lassen. Als der Zug, dem auch Abordnungen der Düsseldorfer Rheinoper, des dortigen Balletts und des Bochumer Schauspielhauses solidarisch folgen, das Rathaus  erreicht, war auch Stadtkämmerer Lars-Martin Klieve am Portal zu sehen. OB Reinhard Paß verpasste jedoch das professionelle Ständchen des städtischen Opernchores und Orchesters: Verdis „Gefangenenchor“. Die Halle bebte.

Dirk Aschendorf und Jennifer Schumacher (Video)

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Kommentare
24.04.2010
04:38
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von MG | #26

#10 von Ein besorgter Bürger

Selten so einen Blödsinn gelesen!
Mit kleinen Kindern in eine Wagner- oder Mozart Oper gehen.
Ja ne, is klar

23.04.2010
10:41
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von panzer | #25

Macht doch das Theater und Philharmonie in
Essen einfach zu, so wie das bei den
Schwimmbäder gemacht worden ist, was keinen
Gewinn Macht wird DICHT gemacht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

22.04.2010
15:09
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von Niederberg | #24

Aurelia du bist richtig doof!!!!

Von deinen Kommentar ist die Küche auch nicht geputzt!

Vollwertigen Mensch dich vollwertigen Mensch würde ich gerne mal sehen, was ist denn das??

95 der Essener habe keine Interesse an so eine Form der Kultur. Die Menschen haben Ängste, Sorgen finanzielle Probleme. Ich schaue gerne Heidi Klum, tolle Frauen es ist KULT bin ich deshalb kein vollwärtiger Mensch.
Schaue mir ungern vertrockte Frauen an!!!!

23.03.2010
12:33
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von Aurelia Furtwängler | #23

Erst wenn das letzte Theater geschlossen, der letzte Orchestermusiker gefeuert und der letzte Ton verklungen ist, wird man merken, dass unsere Kinder mit Dieter Bohlen und Heidi Klum nicht zu vollwertigen Menschen herangezogen werden können

21.03.2010
23:59
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von Leckomio | #22

@ 18,19,20: Wir müssen uns unsere Urbanität erhalten, und das geht nur, wenn wir uns nicht gegenseitig von unseren Wirtschaftmarionetten ausspielen lassen. Wir müssen unsere Bescheidenheit mal ablegen und wie es vor gut 20 Jahren auch schon auf der Straße schallte: Wir sind das Volk! Wir zahlen Steuern (zumindest die meisten..) und wir lassen uns nicht gegenseitig ausspielen, nur damit eure Schuldenumverteilung bis zum Ende eurer Legislaturperiode hinkommt!!

21.03.2010
23:03
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von Ghandi | #21

@18, 19, 20

Sehr gut.

21.03.2010
21:14
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von dirk1234 | #20

#18, #19

Volle Zustimmung!

21.03.2010
18:35
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von Barbara S. | #19

Ich bin musik-, theater-, ballett- und schauspielbegeistert und gehe mehr als einmal in der Woche schwimmen. Will sagen: Kultur und Sport sind keine Lebensbereiche, die sich gegeneinander aufwiegen bzw. ausspielen lassen. Im Gegenteil: Eine Stadt, die ihre Theater und Sportstätten schließt reduziert die Lebensqualität für ihre Bürger und wird auch auf lange Sicht die Abwanderung von Firmen nicht aufhalten können. Damit riskiert man die Reduzierung der Gewerbesteuer-Einnahmen. Die Spirale wird sich unaufhaltsam nach unten drehen, wenn jetzt der geplante Sparentwurf durchgeboxt wird. Ich frage mich auch, warum sich eine Stadt seinerzeit so ehrgeizig um den Titel Kulturhauptstadt beworben hat, um dann in dem Jahr seiner Titelträgerschaft dann die Kultur fallen zu lassen wie eine heiße Kartoffel. Das ist mehr als peinlich und offenbart Kleinkrämerei. Die Sparbeschlüsse gleichen einer Kapitulation vor einer verfehlten Politik von Bund und Land. Selbst wenn sie umgesetzt würden, könnte die finanzielle Schieflage so auf Dauer nicht behoben werden. Die Zuschüsse für die Kommunen zu kürzen, gleichzeitig die kommunalen Aufgaben aufzustocken ist unzumutbar und unannhembar vor dem Hintergrund, dass Banken und Hotelbesitzern Steuergeschenke gemacht werden.
Vor Wahlen werden die Politiker aller Couleur nicht müde, vom weichen Standortfaktor einer lebenswerten Stadt zu faseln, aber wenn es gilt für sie einzustehen, dann gehen alle Parteien in Deckung. Für Essen kann ich nur sagen: Einem Theater, dessen Orchester mehrmals national ausgezeichnet wurde, ein Opernhaus, das mehrfach Kritikerpreise erhielt und Opernhaus des Jahres 2008 also als bestes Haus im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet wurde, allen Ernstes finanziell das Wasser abzugraben, gleicht doch einem Harakiri und nicht nur in kultureller Sicht.

21.03.2010
13:35
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von Bernhard S. | #18

Ich war noch Donnerstag Abend im Grillo und habe eine hervorragende Vorstellung genossen. Und ich bin nicht Krösus.

Zwei Dinge möchte ich zu Bedenken geben:

1. Wer hier Fußballtickets mit Subventionen für Theaterkarten aufwiegen will, sollte auch dafür stimmen, dass Fußballfans die Kosten für die Polizei- und Rettungseinsätze für derartige Sportveranstaltungen selbst übernehmen, anstatt diese auf die Gesellschaft abzuwälzen. Wenn wir hier gegeneinander aufrechnen wollen, dann sollten wir auch alle Variablen in die Rechnung einbeziehen. Nur den Preis für die Karte zu rechnen, ist nicht ganz korrekt.

2. Nachdem bekannt wurde, dass im Theateretat 14 Millionen gespart werden müssen, haben die Theater selbst einen Sparplan vorgelegt, mit Hilfe dessen sich dieses Geld einsparen lässt. Erst im Nachhinein wurde die Summe von Seiten der Kämmerer auf mehr als das Doppelte erhöht. Das kann kein Theater mehr kompensieren. Es ist also nicht so, als ruhten sich die Kultureinrichtungen in Zeiten wirtschaftlicher Not auf ihren Fördergeldern aus. Aber von Luft und Liebe können auch Schauspieler nicht leben.

Es frustriert und beängstigt mich, dass Kultur ständig ihre Existenz rechtfertigen muss. Gesellschaften, die sich keine freie Kultur leisten, waren bislang immer diktatorisch oder faschistisch. Da will ich nicht hin.

20.03.2010
12:50
1.500 Kulturfans demonstrieren gegen Sparpläne
von guernika | #17

#16 Als Rate hätte ich Einlass in jedes Haus,als Ratte wäre ich schlauer als die Menschen und hätte nichts dagegen

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