Verwunderung über Kahlschlag am Schellenberger Wald in Essen

Auf dem Gelände an der Heisinger Straße / Ecke Vittinghoffstraße am Schellenberger Wald in Essen sind sämtliche Bäume gerodet worden.
Auf dem Gelände an der Heisinger Straße / Ecke Vittinghoffstraße am Schellenberger Wald in Essen sind sämtliche Bäume gerodet worden.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Nach dem Kahlschlag am Schellenberger Wald wurden Gerüchte über eine Neubausiedlung laut. Schuld soll aber Ela sein, die Aufforstung 2016 erfolgen.

Essen.. Plötzlich war der Wald weg. So kam es zumindest manchen vor, als kürzlich in Stadwald alle Bäume an der Ecke Heisinger Straße/Vittinghoffstraße gefällt wurden. Und während sich einige noch über den radikalen Kahlschlag wundern, vermuten andere gar, dass die Bäume neuen Bauplänen weichen mussten.

„Die Fläche wird nicht bebaut“, nimmt Forstoberinspektor Martin Langkamp vom Regionalforstamt Ruhr vorweg. Zumindest habe der Eigentümer bislang keinen Antrag gestellt, um aus der Fläche überhaupt Bauland zu machen. Langkamp betreut private Waldbesitzer, sprach und beriet auch mit demjenigen, der sich am Schellenberger Wald für den Kahlschlag entschied. „Oft lässt sich dieser aber mit einer Durchforstung vermeiden“, sagt er.

Der Pfingststurm habe Schuld

Dass auf der Fläche an der Heisinger Straße überhaupt eingegriffen wurde, daran sei der Pfingststurm Schuld. Ela habe die Westseite dort weggerissen, während die Bäume auf der Süd- und Ostseite stehen blieben. Durch diesen Windwurf „bestand die realistische Gefahr, dass Bäume auf die Heisinger oder Vittinghoffstraße kippen“, beschreibt Langkamp die Situation auf den 5000 Quadratmetern.

Insgesamt hat Essen eine Waldfläche von 16 Prozent, knapp die Hälfte davon gehört laut Langkamp Privatbesitzern. Darunter fallen der Regionalverband Ruhr, aber ebenso Klein- und Kleinstwaldbesitzer. Diese erben ein Waldstück oder kaufen es als Geldanlage statt einer Immobilie. „Das ist eine interessante Geldanlage, wenn jemand neben der Gasheizung mit einem Kaminofen heizen kann und dafür sein Holz selbst erwirtschaftet“, sagt er.

Kahlschlag ist mit Auflagen verbunden

Für die privaten Besitzer gilt: „Sie dürfen Flächen bis zu zwei Hektar einmal im Jahr genehmigungsfrei fällen lassen“, erklärt der Inspektor das Landesforstgesetz, das für den Wald gilt. Für die Birke im Garten wiederum greife die Baumschutzsatzung der Kommune, sagt Langkamp. Er kennt daher auch die Verwunderung vieler Bürger: „Wenn sie für das Fällen dieser Birke die Genehmigung der Stadt benötigen, während Waldbesitzer 350 Buchen wegfegen können.“

Allerdings bleibt auch ein solcher Kahlschlag nicht ohne sich anschließende Auflagen: Innerhalb von zwei Jahren muss entweder eine aktive Wiederaufforstung folgen. Oder der Eigentümer schaut innerhalb der zwei Jahre, was als Naturverjüngung nachkommt. Wachsen jedoch nur Ilex oder Brombeerhecken, muss aufgeforstet werden. „Darauf achten wir penibel“, sagt Langkamp. Kommen Waldbesitzer ihren Pflichten nicht nach, droht Bußgeld. Fest steht: Eine Brombeerwüste statt Buchen reicht nicht. Vom Eigentümer in Stadtwald sagt der Forstoberinspektor, „dass dieser ab Frühjahr 2016 aufforsten will“. Allerdings mache sich dort bereits Naturverjüngung breit: „Diese Bäume sollen integriert werden.“